Zum Inhalt springen

Schweiz Militärexperten kritisieren die neuen Pläne für die Armee

Die Armee der Zukunft soll kleiner und flexibler sein. Innerhalb von zehn Tagen sollen im Ernstfall bis zu 35'000 Mann einsatzfähig sein. So möchte es Verteidigungsminister Ueli Maurer. Doch sein Konzept «zurück zur Mobilmachung» ist bei Militärexperten umstritten.

Soldaten in alten Militäruniformen.
Legende: Geht die Armee der Zukunft zurück zur Mobilmachung? Symbolbild zum Gedenkanlass zur Kriegsmobilmachung vor 70 Jahren. Keystone/Archiv

Helmut Hubacher, einst Parteipräsident der SP und Nationalrat, gehört zu den schärfsten Armeekritikern des Landes. Er hat viel zum Thema publiziert.

Doch heute zerreisst der linke Militärexperte die Pläne von SVP-Bundesrat Ueli Maurer nicht sofort in der Luft: «Dass man schneller reagieren kann, finde ich richtig», sagt der 88-Jährige. Doch loben mag er die neue Ausrichtung der Armee dennoch nicht, zu unklar sei das neue Konzept. «Die Grundsatzfrage ist, was für eine Armee wollen wir? Was für eine Verteidigung? Das ist nicht klar beantwortet.»

«Himmel noch mal!»

Einerseits wolle Maurer mehr Geld für die Armee, doch wofür genau, sei nicht klar. Für Hubacher funktioniert das VBS viel zu bürokratisch – sonst bräuchten die geplanten Änderungen nicht so lange. «Himmel noch mal! Sechs Jahre für ein Mäuschen, das da geboren wurde.»

Wesentlich härter ins Gericht mit Maurers Plänen geht einer, der die Armee bestens kennt: Ex-Corpskommandant Simon Küchler, heute Co-Präsident von Pro Militia, der Vereinigung von heutigen und früheren Armeeangehörigen. Er ist sauer. Ein richtiges Hin und Her sei das. «Noch im letzten Dezember hat der Armeechef verkündet, man müsse Verteidigung modern interpretieren – helfen, retten, schützen.» Jetzt wo der Nahe Osten etwas in Brand geraten sei und die Gefahr bestehe, dass er auf Europa übergreife, setze man wieder auf Verteidigung.

Mobilmachung ist Utopie

«Zurück zur Verteidigung» sei zwar im Sinn von Pro Militia, so aber völlig unrealistisch. «Die Mobilmachung kann gar nicht gemacht werden. Heute ist die Hälfte der Armee, die einsatzfähig sein sollte, ohne Corpsmaterial. Und das ist eigentlich erschreckend», sagt Küchler.

Wie Maurer die Armee organisieren wolle, mit einer besseren Verteilung von Material und Personen im ganzen Land, passt Küchler ebenfalls nicht. Das sei gar keine richtige Dezentralisierung. «Eine dezentrale Armee würde heissen, dass man wieder zwei Armeecorps in der Provinz aufstellt und mit dieser Führung aus Bern aufhört.»

Maurer hat es schwer

Und auch mit den anderen Punkten von Maurers Armeereform kann Küchler wenig anfangen. Weder mit dem Ausbau der Auslandeinsätze noch damit, dass die Armee die Kantone mehr unterstützen soll. Und überhaupt, die ganze Übung brauche es nicht. Da klingt Helmut Hubacher doch wesentlich versöhnlicher, wenn er sagt: «Maurer macht es sich schwer und hat es schwer.»

11 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von D. Schelbert, Kt ZG
    Die Schweizer Armee hätte einiges mehr an Unterstützung aus der Bevölkerung und zwar unabhängig von der Parteizugehörigkeit, wenn viel mehr an Aufwand /Material und Mannstärken, in den Katastrophenschutz und die Bewältigung von Innerschweizerischen Umwelt-Katastrophen wie Bergstürze, Ueberflutungen und anderes investiert würde. Da genügt die aktuelle Strategie i.S. Zivilschutz mit Sicherheit nicht mehr den zukünftigen Anforderungen. Schwerstlast-Helikopter hat die CH-Armee z.b. keinen einzigen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Wir wollen ernsthaft mit 1/3 der Kräfte, auf einer Fläche die 3x so gross ist, eine Kriesen bewältigen können wie sie Nordireland mit der IRA erlebte? Das muss ein Witz sein. Ausnahmsweise stimme ich Helmut Hubacher zu; was will Bern?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A.Raschle, Wil
    Aktuell habe mit der Politik von Ueli Maurer bez. der Armee echt ein Verständnisproblem. Wohin soll die Reise gehen? Brauchen wir eine Armee die in der Lage ist unser Land gegen Aussen zu verteidigen? Ich denke ja, unbedingt! Dazu muss wirklich und ohne Diskussionen, die Armee sowohl Materiell als auch finanziell gestärkt werden. Nur motivierte Soldaten sind gute Soldaten und es drückt auf die Stimmung, wenn diese dauernd mit Ausrüstungsdefiziten zu kämpfen haben!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      A.Raschle, können sie bitte konkret beim Namen nennen mit welche Ausrüstungsdefiziten die Armee zu kämpfen hat?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von kari huber, surin
      @knecht: Bitte den Artikel lesen, bevor sie schreiben. Nach Kkdt Küchler hätten 50% der einsatzfähigen Ada kein Corpsmaterial zur Verfügung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Solche Defizite und andere Defizite sind sehr bewusst herbeigeführt worden. Und zB. auch mit der Gripenablehnung und der Verschiebung der Neubeschaffung läuft man bereits in ein weiteres Defizit hinein. - Das wurde alles politisch-& ideologisch motiviert, sehr bewusst herbeigeführt um letztlich die Armee doch noch abschaffen zu können. - Die Armee von heute hat, fast möchte ich sagen, auch eine weitere, neue Bedrohungslage, die aus unserem eigenen Parlament heraus kommt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen