Zum Inhalt springen

Schweiz Militärrichter ermittelt im Schweizer Grenzwachtkorps

Den Fall der Syrerin, die bei der Rückführung nach Italien eine Totgeburt erlitten hat, untersucht die Schweizer Militärjustiz. Ein Untersuchungsrichter entscheidet, ob ein Strafverfahren eröffnet wird.

Legende: Video «Nach Flüchtlingsdrama: Militärjustiz ermittelt» abspielen. Laufzeit 1:54 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 11.07.2014.

Das betroffene Grenzwachtkorps (GWK) untersucht den Fall der Totgeburt einer Syrerin während einer Rückführung nach Italien nicht selbst. Das GWK erteilte der dafür zuständigen Militärjustiz einen Untersuchungsauftrag.

Militärstrafrecht gleich wie Strafrecht

Nun werde ein militärischer Untersuchungsrichter eingesetzt, erklärte der Sprecher der Militärjustiz, Martin Immenhauser. «Dieser entscheidet dann, ob ein Strafverfahren eingeleitet wird.» Ziel sei es, den Fall restlos aufzuklären.

Die Angehörigen des Grenzwachtkorps werden nach dem Militärstrafgesetz beurteilt. Dieses ist laut Immenhauser weitgehend deckungsgleich mit dem zivilen Schweizer Strafrecht. Tatbestände wie die unterlassene Hilfeleistung seien auch darin aufgeführt.

Strafanzeige eingereicht

Die Vereinigung «augenauf» hat derweil bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige gegen die Verantwortlichen im Grenzwachtkorps eingereicht. In der Anzeige werden den für die Rückführung verantwortlichen Grenzwächtern und Grenzwächterinnen Amtsmissbrauch, unterlassene Hilfeleistung und mögliche grobfahrlässige oder fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Der Fall müsse von einer möglichst unabhängigen Instanz gründlich untersucht werden, teilte «augenauf» mit. Laut Sprecher Rolf Zopfi hatte die Vereinigung bereits Kontakt mit der Syrerin und deren Familie. Die Familie halte sich in Domodossola (I) auf.

UNHCR «beunruhigt»

Zum Vorgefallenen äusserte sich auch das Uno-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR), wie die «Tagesschau» berichtete. Man sei «sehr beunruhigt» über das, was an der Schweizer Grenze passiert sei, sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming.

Das Hochkommissariat begrüsse, dass der Fall untersucht werde. Die Sprecherin rief dazu auf, die Umstände der syrischen Flüchtlinge zu berücksichtigen. Wenn ein Flüchtling in einem kritischen Gesundheitszustand sei, müsse unverzüglich medizinische Hilfe geleistet werde.

Hilfe verweigert?

Die Sendung «10vor10» hat den Fall publik gemacht. Die im siebten Monat schwangere Syrerin gehörte zu einer Gruppe von Flüchtlingen, die am 4. Juli auf dem Weg von Mailand nach Paris in einem Zug kurz nach der Schweizer Grenze aufgegriffen wurde.

Das Grenzwachtkorps hatte die Migranten für die Rückführung nach Italien in seiner Obhut. Der stark blutenden Frau wurde während der Rückführung durch die Schweiz keine Hilfe durch die Grenzwacht angeboten. Nach der Ankunft in Domodossola brach sie zusammen. Im Spital kam ihr Kind tot zur Welt.

36 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Fürer, Au-ZH
    So traurig das Schicksal dieser syrischen Frau ist - weshalb ereifern sich hierzulande eigentlich so viele Leute viel mehr über diesen einzelnen Unglücksfall, als über die israelische Armee, welche durch die Bombardierung von zivilen Zielen in dicht besiedeltem Gebiet innert wenigen Tagen 100 Menschen getötet hat, darunter viele Frauen und Kinder?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Patrik Schaub, Zunzgen
      1. Dieser Todesfall mit dem ungeborenen Kind - so tragisch und traurig er auch ist -, ist Wasser auf die Mühlen der Grünen und Linken in der CH. Ja beinahe schon ein Volltreffer. 2. Negative Meinungen über Juden, haben gefälligst ein Tabu zu sein. Die sind und bleiben unantastbar.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    "gehörte die schwangere Frau zu einer Gruppe von 36 Flüchtlingen, die am 4. Juli auf dem Weg von Mailand nach Paris von den französischen Behörden kurz nach der Schweizer Grenze angehalten wurde" Italien gehört nach wie vor zu den sicheren Staaten auf dieser Welt, in dem auch angebliche "Flüchtlinge" vollumfänglich Schutz und Verpflegung erhalten im Gegensatz zu vielen Einheimischen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Enyleve Rub, Thun
    Traurig, ja aber.. Jede Flucht in der Geschichte der Menschheit barg und birgt Risiken. Das ist eine bekannte Tatsache. Nimmt man, warum auch immer, diese Risiken auf sich, muss man auch bereit sind, mögliche Konsequenzen zu tragen. Das war auch unseren Vorfahren so, als sie aus ppurer Not unser Land verlassen mussten. Geholfen hat ihnen bei der Ankunft im neuen Land NIEMAND!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen