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Missverständnisse im Spital Migrantinnen verstehen medizinisches Fachpersonal nicht richtig

Legende: Audio Sprachbarrieren im Spital sind ein Problem abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
00:18 min, aus SRF 4 News aktuell vom 18.11.2017.
  • Medizinische Fachpersonen und Migrantinnen können sich zum Teil gegenseitig kaum verstehen.
  • Mangelnde Sprachkenntnisse können vor allem schwangere Frauen mit Migrationshintergrund in gefährliche Situationen bringen.
  • Dies haben Forscherinnen der Berner Fachhochschule Gesundheit, der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften und des Schweizerischen Tropeninstituts in einer Studie herausgefunden.

Werdenden Müttern in der Schweiz steht ein professionelles Versorgungssystem zur Verfügung. Wer jedoch keine der Landessprachen und kein Englisch spricht, kann davon nur bedingt profitieren. Dies zeigt eine Studie von sechs Geburtshilfe-Spezialistinnen.

Keine Chance ohne Dolmetscher

Eine davon ist Eva Cignacco, Hebamme und Leiterin der Forschungsabteilung Geburtshilfe an der Berner Fachhochschule: «Zum einen ist es den Frauen aufgrund ihrer sprachlichen Barrieren sehr schwer gefallen, sich in diesem komplexen Gesundheitssystem zu orientieren. Zum andern bemühen sich zwar beide Seiten, sich sprachlich zu verständigen. Diese Bemühungen sind aber ohne Dolmetscher in den wenigsten Situationen zielführend.»

Die Migrantinnen stünden teils nicht nur bei Sprachbarrieren an, sondern hätten auch zu viel Respekt vor dem Fachpersonal in der Schweiz. Sie würden zum Teil den Mut nicht haben, Fragen zu stellen – selbst wenn sie sprachlich dazu in der Lage seien.

Die Frau hat auch den Grund nicht verstanden, warum jetzt alles so hektisch ist und sie eine Operation braucht.
Autor: Eva CignaccoHebamme

Im heutigen Bericht des «Tages-Anzeiger» wird der Fall einer Albanerin geschildert. Die Frau sollte gebären, eine Frühgeburt, als plötzlich die Herztöne des Kindes abfielen und eine Notoperation, ein Kaiserschnitt eingeleitet werden musste.

«Und dann musste man der Frau sagen: Wir fahren sie jetzt in den Operationssaal. Wir müssen sie vorbereiten auf eine Operation. Und diese Frau konnte das nur teilweise verstehen und hat auch den Grund nicht verstanden, warum jetzt alles so hektisch ist und sie eine Operation braucht», sagt Hebamme Eva Cignacco.

Dolmetscherdienste sollten als Krankenkassenleistung in die Grundversicherung aufgenommen werden.
Autor: Eva CignaccoHebamme

Die Frau hatte nicht verstanden, wofür sie unterschreiben soll. Sie stand zudem unter Schock. Ein Dolmetscher war nicht vor Ort. Diese sind teuer und die Betroffenen sind selten in der Lage, selber für einen Übersetzer zu bezahlen. Von den Krankenkassen wird ein Dolmetscher nicht übernommen.

Deshalb stellen die Forscherinnen eine klare Forderung: «Dolmetscherdienste sollten als Krankenkassenleistung in die Grundversicherung aufgenommen werden, weil so viele Folgekosten aufgrund fehlender Verständigung vermieden werden könnten.»

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193 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    @ Niederhauser: In der Studie geht es um 10 (zehn!) Frauen. Allein auf Ihre Frage gibt es doppelt so viele Antworten.
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  • Kommentar von Maria Jenzer (M. Jenzer)
    ... praktisch jedes Land hat eine Botschaft hier in der Schweiz. Warum benützt das Spital diese Dienste nicht. Es ist ja deren Aufgabe, ihre Landsleute zu unterstützen..?!
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  • Kommentar von Charles Grossrieder (View)
    Wir leben im 21. Jahrhundert sicher lassen sich die wichtigsten Themen und Fragen in verschiedenen Sprachen auf ein App programmieren, schriftlich und gesprochen; so dass das Pflegepersonal dem Patienten die wichtige Frage schriftlich, sowie gesprochen vorlegen kann. Der Patient(in), koennte wenn nötig dies durch einen Fingerdruck auf dem iPat oder ein gefilmtes nicken bestätigen. Wenn nötig koennte man auch Fragen des Patienten so programieren. Sicher schneller als einen Dolmetscher zu finden.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Gratulation zu Ihrem m.E. sinnvollsten Beitrag in diesem Forum: Weg von der Emotion, hin zur günstigsten und einfachsten Lösung. - Das Filmen von Aktionen hat rechtlich Bestand. Es wird bei EXIT und ähnlichen Organisationen praktiziert; ob es nicht sogar vom Gesetzgeber verlangt wird, weiss ich allerdings nicht.
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