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Schweiz «Mit Kontrollen kommt man nicht weiter»

In Lausanne sind in einer Kindertagesstätte Kinder systematisch misshandelt worden. Überforderung der Betreuer könnte ein Grund dafür sein, sagt Talin Stoffel, Leiterin vom Verband Kinderbetreuung Schweiz. Staatliche Kontrollen reichten nicht aus, um solche Fälle zu verhindern.

Kopf einer Frau mit kurzen Haaren und Brille auf blauem Hintergrund
Legende: Talin Stoffel, Leiterin des Branchenverbands Kibe Suisse, hat ein Qualitätslabel für Kitas gegründet. SRF

SRF: Wie kann so etwas in einer Kindertagesstätte passieren?

Talin Stoffel: Da gibt es verschiedene Gründe: Überforderung, vielleicht auch ein Mangel an Überlegungen. Wichtig ist es zu überlegen, wie solche Fälle verhindert werden können. Das beginnt bei der Prävention. Die Kitas müssen ihre Haltung, ihr Menschenbild hinterfragen: Sind die Kinder gleichwertig wie die Betreuer? Dürfen sie mitbestimmen? Wo sind die Grenzen?

In jedem Kanton werden Kindertagesstätten kontrolliert. Müssten da Misshandlungen wie in Lausanne nicht auffallen?

Diese Kontrollen beschränken sich meistens auf strukturelle Gegebenheiten, etwa Anzahl Kinder pro Betreuungsperson. Sie finden stichprobenartig statt, die Behörden sind jeweils einen halben Tag vor Ort. Bei den Aufsichts- und Bewilligungsbehörden besteht die aus unserer Sicht gefährliche Tendenz, alles nur auf juristischer Ebene zu regeln. Fällt der Aufsichtsperson bei der Kontrolle etwas auf, das pädagogisch relevant ist, darf sie das gar nicht melden, weil das nicht zu ihrem Aufgabengebiet gehört.

Das heisst also, dass eher Strukturen kontrolliert werden und nicht pädagogische Ansätze. Warum?

Für Bewilligungen ist in der heutigen Praxis relevant, was man messen kann. Die Verfügungen müssen juristisch korrekt und anfechtbar sein. Pädagogische Aspekte können nur eingeschätzt werden. Da kommt man mit Kontrollen nicht weiter.

Was tut der Verband Kinderbetreuung Schweiz nun in dieser Situation?

Kibe Suisse hat zusammen mit der Jacobs Stiftung das Qualitätslabel «QualiKita» entwickelt. Der Fokus liegt dort auf der pädagogischen Qualität.

Wo besteht hinsichtlich der Aufsicht über die Schweizer Kitas noch Handlungsbedarf?

Einerseits bei den Behörden: Sie müssen sich überlegen, was ihre Aufgaben sind und welche Schritte sie unternehmen, wenn sie Missstände aufdecken. Die Stadt Zürich hat dazu eine Ombudsstelle geschaffen. Andererseits gibt es Handlungsbedarf bei der Ausbildung des Personals. In der Deutschschweiz sind mehr als die Hälfte ohne abgeschlossene pädagogische Ausbildung, also Lernende oder Praktikantinnen zwischen 16 und 19. Es braucht gut ausgebildetes Personal, weil es ein anstrengender und anspruchsvoller Job ist.

Das Gespräch führe Urs Gilgen.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Schulthess, 8824 Schönenberg
    Bei den Privaten, sprich Bürger redet man bei abstrusen Entscheidungen vom Kindswohl. Der Schurkenstaat Schweiz redet von fehlenden Kompetenzen und das wird nicht untersucht weil es nicht unsere Aufgabe ist und bla bla bla. Wieder einmal mehr übernimmt unser Schurkenstaat Schweiz nicht die Verantwortung um die Bürger zu schützen in diesem Fall die schwächsten. Das ist ja oberpeinlich. Wo ist da jetzt die SP mit einem Aufschrei der Empörung?!
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  • Kommentar von J.Sand, Zürich
    Geschehen, veröffentlicht, mit Konservenphrasen beantwortet, bzw. entschuldigt, die obligate Frage nach dem "Handlungsbedarf", ein neues Kontrollamt, Ombudsstelle, Präventionskampagnien, Psychologen, etc., etc. Geschehen, veröffentlicht......
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