Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Mobility Pricing: Eine Idee, zahlreiche Varianten

Tunnelgebühr, City-Maut, Auto-Kontingente, teurere ÖV-Tickets zu Stosszeiten: Das Konzept des sogenannten «Mobility Pricing» wird im nahen und fernen Ausland unterschiedlich umgesetzt. Eine Auswahl.

Wer oft fährt – sei es mit dem Auto oder mit der Bahn –, soll auch mehr dafür bezahlen. So die Grundidee des Mobility Pricing. Die Befürworter versprechen sich von der konsumabhängigen Verkehrsgebühr für Strasse und Schiene weniger Staus, mehr Platz in den Zügen, bessere Luft und eine willkommene Einnahmequelle.

Im Ausland konzentriert sich das Konzept oftmals auf den Strassenverkehr, indem eine Maut für Tunnels oder Innenstädte (Road Pricing) erhoben wird. Das Mobility Pricing, das vom Bundesrat angedacht ist, soll allerdings weitergehen und die Nutzer des öffentlichen Verkehrs mit einschliessen. Ganz nach der Devise: Jeder Verkehr deckt seine eigenen Kosten. Auch diesbezüglich gibt es im Ausland Vorreitermodelle, wie die folgende Übersicht zeigt.

Blick auf die Skyline von Singapur.
Legende: Als erstes Land weltweit hat Singapur im Jahre 1975 eine City-Maut eingeführt. Reuters

Singapur: «Smart Traffic»

Gleich eine ganze Palette von Lenkungsmassnahmen wurde in Singapur aufgegleist. Schon im Jahre 1975 lancierte Singapur als erstes Land weltweit eine Strassen-Maut. Inzwischen werden im Stadtstaat auch die Fahrzeug-Zulassungen kontingentiert und jeden Monat versteigert. Eine zehn Jahre gültige Zulassung für einen Kleinwagen kostet gegen 65'000 Franken. Zudem sind die ÖV-Tarife zeitlich gestaffelt. Nebst E-Tickets für alle Nutzer des öffentlichen Verkehrs wurden auch Smartphone-Apps zur Optimierung der persönlichen Verkehrsrouten und Reisezeiten geschaffen.

Grossbritannien: Congestion Charge

Bereits im Februar 2003 wurde in London die sogenannte «Congestion Charge» eingeführt. Wer wochentags von 7 bis 18 Uhr ins Stadtzentrum fährt, bezahlt eine Tagesgebühr von zehn Pfund. Es gibt zahlreiche Ausnahmeregelungen: So müssen Pannendienste, Ambulanzen, Behindertenfahrzeuge, Taxis und Hybrid-Autos keine Gebühr entrichten. Laut der Stadtverwaltung reduzierte sich der Autoverkehr um 15 Prozent und die Staus um 30 Prozent.

Italien: Innenstadt-Maut

In Bologna gilt seit 2006 eine Innenstadt-Maut, zwei Jahre später wurde die City-Gebühr dann auch in Mailand eingeführt. Rund um die Innenstadt befinden sich mehrere Dutzend elektronische Einfahrt-Checkpoints.

Eine Maut-Stelle auf der Autobahn vor Stockholm.
Legende: Road Pricing: Kameras erfassen die Kennzeichen der Autos, die in die Stockholmer Innenstadt fahren. Keystone

Schweden: Innenstadt-Maut

Nach einer Probephase wurde in der schwedischen Hauptstadt Stockholm 2007 endgültig eine Innenstadt-Maut eingeführt. Autofahrer zahlen je nach Tageszeit zwischen 1,10 und 2,20 Euro für die Fahrt in die oder aus der Innenstadt. Fixe Kameras erfassen die Kennzeichen der Fahrzeuge. Den Lenkern wird jeweils Ende Monat eine Rechnung zugestellt. Während der gebührenpflichtigen Zeit (von 6.30 Uhr bis 18.29 Uhr) nahm der Verkehr nach Angaben der Behörden um 15 bis 20 Prozent ab. Die Einnahmen von gegen 50 Millionen Franken jährlich fliessen in erster Linie in den Erhalt des Strassennetzes. Nach dem Vorbild Stockholms wird seit 2013 auch in Göteborg eine Stausteuer erhoben.

Niederlande: Elektronische ÖV-Tickets

Das ambitionierte Projekt einer nationalen Maut scheiterte in den Niederlanden zwar 2010 nach einem Regierungswechsel. Dafür nehmen die Niederlande eine Pionierrolle in Sachen E-Ticketing ein. Das elektronische ÖV-Billett, welches das Ein- und Aussteigen registriert, wurde zwischen 2005 und 2012 schrittweise im ganzen Land eingeführt. Inzwischen sind sämtliche ÖV-Systeme eingeschlossen. Die Karte kann sowohl Einzelfahrten wie auch Abonnements speichern. Der Ticketpreis wird jeweils von einem persönlichen Konto abgebucht.

Österreich: Tunnel-Maut

In Österreich existieren sechs alpenquerende «Sondermautstrecken», auf denen die Gebühr meist an Tunneln von mehr als fünf Kilometern Länge erhoben wird. Eine einzelne Fahrt kostet zwischen 5 und 11 Euro. Jährlich spült dies rund 150 Millionen Euro in die Staatskasse. Das Geld wird für den Ausbau und Unterhalt des Nationalstrassennetzes aufgewendet.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

40 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von jc heusser, erstfeld
    Total falsche Verkehrsplanung in den Städten! der privatverkehr sowie Reisecars haben in den Städten nicht verloren! Sie verursachen nur Stau, Stress und schlechte Lebensqualität! Das Problem könnte mit "Park und Ride" ganz einfach gelöst werden, nur ist der Wille leider nicht vorhanden! Der "Gewerbeverband und Auto Lobby" lässt grüssen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von J.Baltensperger, Zürich
    Autos haben in Grossstädten nichts verloren und sind eine richtige Plage. Stau, Dreck, Lärm, Unfälle, Falschparker etc. In der CH gibt es in Städten ein super ÖV Angebot, welches für alle zumutbar ist. Also bitte parken am Stadtrand und mit Bus/Tram/Zug rein. Eine Gebühr halte ich aber für den falschen Ansatz - warum sollen nur Vermögende in die Stadt fahren dürfen und was ist mit denen, die tatsächlich auf ein Auto angewiesen sind?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von E. Jenni, Ottikon
    Stoppt endlich die unsägliche Masseneinwanderung in unser Land, dann hat es wieder platz auf den Strassen! Weniger Verkehr bedeutet weniger Belastung in allen Bereichen. Wie immer, wenn sie in Bundesbern Geld brauchen, nimmt man den einfachsten Weg: Den kleinen Bürger der "chrampft"! So war es mit der Autobahnvignette, so ist es mit der SBB, so ist es mit dem Automobilisten! Bundesrat, mach endlich deinen Job und diene dem Volk, nicht dem Ansehen und dem Geldbeutel!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen