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Schweiz Mögliche Kurzarbeit: Gewerkschaftsbund und Arbeitgeber sind froh

Der Verantwortliche des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes begrüsst die Möglichkeit zur Einführung von Kurzarbeit. Auch der Ökonom des Gewerkschaftsbundes findet die Idee nicht schlecht. Gar nichts hält er allerdings von Lohnsenkungen bei Arbeitnehmern.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann reagiert auf den starken Franken: Firmen, die wegen Währungsschwankungen Ausfälle haben, können neu Kurzarbeit beantragen. Die Arbeitslosenversicherung übernimmt dann die Ausfälle. Das hat das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) mitgeteilt. Sowohl der Arbeitgeberverband als auch der Gewerkschaftsbund finden es gut, dass der Bundesrat den Unternehmen diese Möglichkeit offen lässt.

Legende: Video «Ein Entscheid, der gut ankommt» abspielen. Laufzeit 3:00 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.01.2015.

Roland Müller, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, erfreut: «Der Entscheid gibt den Unternehmen Sicherheit. Er stellt klar, dass Wechselkursschwankungen in dieser Situation nicht zum Betriebsrisiko gehören.»

Auch der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB, Daniel Lampart, bewertet den Entscheid positiv. Er sagt: «Es braucht jetzt alle Massnahmen hier im Inland, weil der Franken sehr stark überbewertet ist. Kurzarbeit wird helfen, dass Stellen in den Firmen erhalten bleiben.»

Erwarteter, aber wichtiger Entscheid

Auch wenn nicht sehr viele Unternehmen unmittelbar zu Kurzarbeit greifen würden, sei der Entscheid trotzdem wichtig, sagt Müller: «Er beseitigt Unsicherheiten. Die Unternehmen wissen, dass sie – sollten sie in die Situation kommen – auf Kurzarbeit setzen können.»

Ganz unerwartet sei der Entscheid indes nicht gekommen. 2011 habe der Bund bereits in einer ähnlichen Situation zum gleichen Mittel

gegriffen. Erfreulich sei aber, dass diese Klarstellung sehr rasch erfolgt sei, sagt Müller.

Klar sei aber auch, so Müller weiter, dass Kurzarbeit nur eine vorübergehende Lösung sein könne: «Sollten Unternehmen Kurzarbeit über längere Zeit in Anspruch nehmen, müssen sie auch über Umstrukturierungen nachdenken.»

Würden Lohnsenkungen das Problem verschärfen?

Dass Kurzarbeit den Unternehmen nur kurzfristig helfen kann, bestätigt auch der Chefökonom des SGB. Und von Anpassungen der Löhne nach unten hält Lampart nichts: «Eine Überbewertung einer Währung kann man nicht über Lohnsenkung oder Kurzarbeit lösen. Man muss die Währung selber unter Kontrolle bringen. In den Betrieben sind Lohnsenkungen von unserer Seite überhaupt nicht angezeigt», sagt Lampart.

Die Arbeitnehmenden hätten teilweise jetzt schon Mühe, mit dem aktuellen Lohn alle Rechnungen zu bezahlen. «Auch die Arbeitgeber haben Schwierigkeiten, zu den heutigen Löhnen überhaupt gute Fachkräfte zu finden.» Lohnsenkungen würden deshalb das Problem nur verschärfen, so Lampart.

5 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Also eigentlich verstehe ich dieses Jammern nicht! Bis zur Aufhebung des Mindestkurs tönte es von der Wirtschaft immer: Der Wirtschaft in der Schweiz geht es so gut, dass wir die PFZ dringend auch weiterhin benötigen. Und jetzt plötzlich geht es vielen Firmen angeblich so schlecht, dass man über Kurzarbeit & Lohnkürzungen diskutieren muss? Könnte es sein, dass es einige Firmen gibt, welche schon vorher Misswirtschaft betrieben, sich jetzt auf Kosten des Staates & Steuerzahler sanieren wollen?
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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Die Gewerkschaft ist froh, dass die Risiken sozialisiert werden und was denkt die Gewerkschaft über die nicht sozialisierten Gewinne. Die Linken sollen die jammern, die machen Ihre Verluste selber und mutmasslich. Kann jemand diesen Masochismus erklären?
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      M.M./Bisher war weder links,rechts oder Mitte ein Thema.Aber jetzt kann ich nur noch glauben,dass überall ausschliesslich Volksverräter sitzen.Verkaufen unser Land,ohne wenn und aber,dem Meistbietenden.Schlussendlich werden uns Eurobonds retten.Zu wessen Tarif,wird rechtzeitig mitgeteilt werden.PFUI,PFUI,PFUI!Dummheit ist das grösste Verbrechen.Ignoranz ist schlimmer als Hass!
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Was zuallererst erledigt werden muss, ist die Umsetzung des Verfassungsartikels Zuwanderungsbeschränkung. Denn das Kurzarbeitsszenario könnte länger dauern. Somit bräuchten wir nicht zusätzlich Arbeitskräfte aus dem Ausland. Der Wirtschaftsminister soll einfach mal zusammen mit seiner Kollegin, Frau Justizia über die Bücher gehen, statt von Dingen zu erzählen, die sich nur schwer verwirklichen lassen, wenn die Ursache nicht bekämpft wird..
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