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Monatelange Verzögerungen Schriftliches Urteil gegen Dieter Behring kommt erst jetzt

Legende: Audio Gerichtspräsident Daniel Kipfer zum Fall Dieter Behring abspielen. Laufzeit 2:46 Minuten.
2:46 min, aus Info 3 vom 16.12.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • 14 Monate nach dem Schuldspruch gegen den Financier Dieter Behring legt das Bundesstrafgericht in Bellinzona in Kürze auch die schriftliche Fassung vor – der Fall findet damit vorläufig seinen Abschluss.
  • Warum dies so lange dauerte, erklärt Gerichtspräsident Daniel Kipfer mit der aussergewöhnlichen Komplexität des Falls – und mit den Kapazitäten des Bundesstrafgerichts.

Es war der 30. September 2016, als Gerichtspräsident Daniel Kipfer am Bundesstrafgericht in Bellinzona das Urteil gegen Dieter Behring mündlich verkündete. Der Financier wurde des gewerbsmässigen Betrugs schuldig gesprochen und zu 5 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

Das ist jetzt 14 Monate her – und ein schriftliches Urteil liegt immer noch nicht vor. In der «Samstagsrundschau» von Radio SRF sagt Daniel Kipfer, der Fall Behring sei eben aussergewöhnlich komplex. «Der Gerichtsschreiber muss alles, was er schreibt, mit Aktenverweisen belegen.» Eine riesige Arbeit sei das, so Kipfer.

Grosse, komplexe Fälle lähmen das Gericht

Die Verzögerung habe auch mit den Kapazitäten des Bundesstrafgerichts zu tun. Das Gericht erhalte in unregelmässigen Abständen sehr grosse, komplexe Fälle. Wenn ein Gerichtsschreiber zwei aufwändige Fälle gleichzeitig zu begründen habe, verzögere sich einer davon.

«Ein solches Urteil kann nur von einer einzelnen Person geschrieben werden», sagt Kipfer. Es müsse aus einer Hand kommen – der eines Gerichtsschreibers. Diese hätten aber auch noch andere Sachen zu erledigen. «Wir können unsere Gerichtsschreiber nicht einfach abziehen für einen Fall, dann würden wir nicht mehr funktionieren.»

Der Richter war selbst involviert

Besonders am Fall Behring ist auch, dass der Richter selber in den Fall involviert wurde: Dieter Behring reichte nämlich gegen Daniel Kipfer eine Strafanzeige ein – wegen Amtsgeheimnisverletzung und Protokollfälschung. Diese Anzeige sei nun vom Tisch, sagt Kipfer.

In den kommenden Tagen soll nun die schriftliche Urteilsbegründung endlich vorliegen, verspricht Kipfer. Der juristische Fall Behring wird dann mehr als 13 Jahre gedauert haben. Und der Fall ist noch nicht abgeschlossen: Dieter Behring wird das Urteil wohl noch ans Bundesgericht in Lausanne weiterziehen.

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