Zum Inhalt springen

Schweiz «Mordfall Boi»: Täter ist nach Ausbruch weiterhin flüchtig

Der 22-Jährige verurteilte Straftäter ist am Samstag aus der psychiatrischen Klinik in Windisch geflohen. Er sass dort im «Fall Boi» ein. 2009 hatte der damals 17-Jährige eine junge Vietnamesin getötet. Die intensiven Polizeifahndungen hatten noch keinen Erfolg. Nun wird auf Hochtouren ermittelt.

Bild der Psychiatrie in Windisch
Legende: Der Straftäter ist aus der psychiatrischen Klinik Königsfelden in Windisch ausgebrochen. Wikipedia

In der Nacht auf Samstag ist ein verurteilter Mörder aus der psychiatrischen Klinik Königsfelden in Windisch AG geflohen. Es handelt sich um einen 22-jährigen Aargauer, der 2009 eine junge Vietnamesin im Tessin getötet hatte.

Der Mann brach gewaltsam aus der geschlossenen forensischen Abteilung der Klinik aus, wie die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) mitteilten. Er war dort fürsorgerisch untergebracht. Die Klinik ist laut dem Konzept für stationäre forensische Psychiatrie der PDGAG, das auf der Webseite aufgeschaltet ist, auf einen niedrigen und mittleren Sicherheitsstandard ausgerichtet und verfügt über keine Hochsicherheitsabteilung.

Die Kantonspolizei Aargau wurde um 3.30 Uhr über den Ausbruch und die Flucht informiert. Sie leitete umgehend eine Fahndung nach dem 22-Jährigen ein.

Man habe sofort intensiv gefahndet, vor allem im Gebiet Windisch/Brugg, auch mit Polizeihunden, sagt Bernhard Graser, Sprecher der Aargauer Kantonspolizei auf Anfrage von Radio SRF. Wie genau der Mann entwichen ist, könne die Polizei nicht kommunizieren, sagt er weiter. Unterdessen fahnde man in verschiedenen Gebieten, auch bei möglichen Bezugspersonen.

Unterdessen sei die Polizei weniger auf der Strasse unterwegs, sondern mitten in den Ermittlungen, erklärte Bernhard Graser auf Anfrage am Sonntag. Der Mann müsse irgendwo sein, man überlege auch, ob er Helfer haben könnte, die ihn beherbergen. Es seien zusätzliche Ermittler am Fall dran, so Graser weiter.

Das Gefährdungspotenzial des Mannes können wir nicht verbindlich einschätzen.
Autor: Bernhard GraserSprecher Aargauer Kantonspolizei

Wie gefährlich der Täter ist, kann die Polizei nicht abschliessend sagen. Er sei ein verurteilter Mörder, ein Gewaltstraftäter, das sei klar, sagt Bernhard Graser im Interview. Man solle aber auf keinen Fall selbst Aktionen starten, falls man den 22-Jährigen sichtet. Man soll sofort die Polizei alarmieren.

Kein Hochsicherheitstrakt in der Klinik Königsfelden

Die Psychiatrischen Dienste Königsfelden (PDAG) dürfen und wollen sich zum laufenden Fall nicht äussern. Der Bereichsleiter der forensischen Psychiatrie, Peter Wermuth, allerdings sagt gegenüber Radio SRF, dass die Patienten grundsätzlich gut bewacht sind. «Wir haben drei gesicherte forensische Abteilungen, aber wir haben keinen Hochsicherheitstrakt wie in der Reinau», erklärt Wermuth im Interview.

Es sei immer Personal auf der Station, aber vollkommen ausbruchssicher sei die Klinik Königsfelden hier nicht. Man überprüfe laufend, ob die Patienten die Station zum Beispiel in Begleitung verlassen dürfen, oder ob sie in ein Gefängnis verlegt werden müssen, zum Beispiel, erklärt Peter Wermuth weiter. Zum aktuellen Fall des geflüchteten Straftäters will er sich betreffend Status des Patienten nicht äussern.

Jugendliche mit Holzscheit ermordet

Personen, die Angaben über den Aufenthaltsort des Flüchtigen machen können, werden gebeten, sich bei der Kantonspolizei Aargau, Link öffnet in einem neuen Fenster (Notruf 117) oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

Der Mann hatte 2009 als Minderjähriger in Sessa (TI) eine 17-jährige Vietnamesin mit einem Holzscheit erschlagen. Das Jugendgericht Baden verurteilte ihn 2013 wegen Mordes zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren und zu einer geschlossenen Unterbringung.

Die jugendstrafrechtlichen Massnahmen sind bis zum Erreichen des 22. Altersjahrs befristet. Im Frühling 2015 wurde der Mann deshalb auf Antrag der Jugendanwaltschaft in der psychiatrischen Klinik fürsorgerisch untergebracht. Eine Beschwerde des Mannes dagegen wurde im Februar vom Aargauer Verwaltungsgericht abgewiesen.

Teure Betreuung

Die fürsorgerische Unterbringung des Mannes kostet die frühere Wohnsitzgemeinde Mägenwil AG so viel Geld, dass sie vor kurzem den Gemeindesteuersatz um sechs Prozentpunkte auf 96 Prozent erhöhen musste. Mägenwil muss jährlich für die Betreuung des jungen Mannes 264'000 Franken bezahlen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bernhard Kieliger (Kieliger)
    Warum gibts hier kein Fahndungfoto?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Ganz einfach, Herr Kieliger, weil der geflohene ein gefährlicher Mörder ist! Wäre der "Abgehauene" ein Politiker oder Industrie-Unternehmer, wären alle Medien-Erzeugnisse mit vielen Bilder vollgesetzt! Ja, auch ich staune immer wieder, warum solche kriminelle Menschen stets diesen "Datenschutz" geniessen dürfen und bei "bekannten Leuten" wird bei jeder Bagatelle der Datenschutz verletzt und möglichst ein "erzürnendes (negativ wirkendes) Passfoto-Bild" verbreitet!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Scheinbar harmlos ist am Rechten Rand ein Artikel mit dem Titel: Teure Betreuung. Ich frage mich was das soll? Gerade in der heutigen Zeit, wo mehrheitlich nur noch Egoisten rumlaufen, einen Artikel so zu Veröffentlichen, ich nenne es Zündeln! Man muss das veröffentlichen aber nicht so. Ich finde den Journalismus nur Billig & Voyeuristisch den Sie in letzter Zeit veröffentlichen. Der Journalismus wird so zu Grabe getragen. Freier Journalismus heisst auch, nicht vom Volk Missbraucht zu werden!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Wer Fakten beim Namen nennt, Herr Röthenmund, wird bei gewissen Ideologen schnell zum "Verräter" oder zum "ungeliebten Voyeur"! Das ist auch der Grund, warum (vorallem) die links/grünen Parteien und deren Wasserträger die wählerstärkste Partei so hassen, wie der Teufel das Weihwasser! Würde man übrigens einmal alle effektiven Kosten des Strafvollzuges und deren Kuschel-Institutionen, in der ganzen Schweiz zusammen zählen, würde uns allen "der Atem stocken", vor den schockierenden Tatsachen!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Patrik Schaub (Kripta)
      D. Röthenmund: Wen meinen Sie mit Egoisten? Sans papiers und Asylbewerber, die sich mit ihrer links/grünen Entourage in Kirchen und Kulturstätten verschanzen, und sich einen Dreck um Gesetze scheren? Aber nein, Sie meinen bestimmt den Steuerzahler, der diese völlig überzogenen, überflüssigen Psychotherapien für Kriminelle jeglicher couleur, berappen muss.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      Nein Herr Staub ich meine uns als Schweizer Gesellschaft. Die die sich immer mehr vor Freiwilligenarbeit drückt. Tatsache ist das immer mehr Probleme gibt Leute zu finden die sich fürs Gemeinwohl einsetzen, es gibt immer mehr Dörfer die keine Gemeinderäte mehr finden verschweige einen Ammann haben. jeder schaut nur noch für sich, optimiert sein Leben. Und die grösste Stärke geben wir damit auf. Da wird nur noch gemeckert und nicht mehr angepacktt, Das nennen SieHerr Bolliger Ideologisch!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    ..."grundsätzlich gut bewacht", was für ein Schwachsinn. Wenn einer abhauen kann, ist er grundsätzlich nicht gut bewacht. Das ist wieder typisch schweizerische Naivität und Stümperhaftigkeit i
    Ablehnen den Kommentar ablehnen