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Schweiz Morgenrot und Sternenheer – Schnee von gestern?

Die Verwalterin der Rütliwiese will eine neue Schweizer Landeshymne, zeitgemäss und eingänglich. Mehr als 100 Bewerber haben ihre Vorschläge geschickt.

Legende: Video «Grosses Interesse an neuer Landeshymne» abspielen. Laufzeit 1:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.06.2014.

Hand aufs Herz: Können Sie die erste Strophe der Landeshymne auswendig singen? Wenn nicht, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Weniger als ein Drittel der Schweizer können laut einer Umfrage den ersten Teil singen.

Zu schwülstig, zu religiös, zu staubig, findet auch die Schweizer Gemeinnützige Gesellschaft (SGG). Die Schweizer Landeshymne soll deshalb weg. Etwas Neues, Modernes, das stellt sich die SGG vor. Etwas, was die Schweiz repräsentiert, im Sinne der Präambel. Die alte Hymne könnte gut auch in einer neuen Version daher kommen (hören Sie die Beispiele unten).

Doch da fangen die Probleme bereits an. Welche Melodie, welcher Text steht denn für das Land? Die Anforderungen sind hoch: Den Massengeschmack soll die Hymne treffen, ein nationaler Hit soll sie sein, jedes Kind soll sie singen können. Ein bisschen Kruzifix, ein bisschen Innovation, ein bisschen Scholle – auch dies möchte man verpacken. Und zudem muss die Hymne glücklich machen, in Krieg wie in Frieden muss sie tauglich sein, das Herz erwärmen.

Eine einzige Hymne findet denn auch Slam-Poet und Rapper alias Kutti MC ein Ding der Unmöglichkeit. «Es müssten gleich mehrere Hymnen sein», befand der Berner schon vor einem Jahr gegenüber SRF. Eine Hymne reiche nicht, um die Bevölkerung, die in diesem Land lebe zu repräsentieren.

I stiege us em Wulche-Meer is Morgerot und hisse d’Flagge. Aber weisch, erscht, wenn z’Matterhorn ds’Japan steit, werdet ihr merka, dass me a Flagge nid cha ässe. Das isch Indianer-Weisheit.
Autor: Kutti MCDer Rapper schrieb fürs SRF den Anfang einer Hymne für die Deutschschweiz

Bürger, Parlamentarier oder eigens gegründete Komitees fordern regelmässig die Erneuerung des Psalms, der seit über 50 Jahren offiziell für die Schweiz steht. Es ist wohl kein Zufall, dass sich der Bundesrat noch nie für einen neuen Psalm begeistern konnte.

Der Grund ist einfach: Mit einer neuen Version kann man sich nur die Finger verbrennen, egal wie, allen kann es der Bundesrat nicht recht machen. Warum also das hehre Vaterland noch mehr stören, Gewitternacht und Grauen heraufbeschwören?

Die Sache mit der neuen Hymne ist also aussichtslos – oder doch nicht? Sängerin und Musikerin Erika Stucky präsentierte vor einem Jahr einen bestechend einfachen Vorschlag: Eine Hymne brauche keine Worte, Jodel, Jauchzer, Urlaute, in Halbtönen und Dissonanzen, so wie es die Appenzeller und Walliser machen. Ganz einfach: «Bei einer Hymne müssen mir die Tränen kommen. Ich muss bis in die Knochen Heimweh kriegen», so Stucky.

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    Viele Schweizer sind allerdings zufrieden mit ihrem Psalm. Der wurde schliesslich auch sorgfältig ausgewählt. Im Jahre 1841 entstanden, dauerte es ganze 140 Jahre bis zur offiziellen Einführung. Ganz im Gegensatz zu andern Staaten in Europa, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts eiligst ein nationales Symbol brauchten, die Nationalhymnen oft unter Zeitdruck entstanden, meist aus alten Volksliedern.

    Die heutige Schweizer Hymne konkurrierte lange mit einem andern beliebten Lied mit dem Namen «Rufst Du mein Vaterland». Beide Stücke wurden oft an politischen und militärischen Anlässen gesungen. Doch «Rufst Du mein Vaterland» hat dieselbe Melodie wie die Hymne Grossbritanniens, «God save the Queen». Dies führte zu peinlichen Situationen, wenn an internationalen Anlässen sowohl die schweizerische als auch die britische Hymne gespielt wurde. Der Bundesrat handelte und entschied sich 1981 nach einem Wettbewerb für das Stück von Alberich Zwyssig, dem heutigen Psalm.

    Geschichte hin oder her, bis spätestens Anfang 2015 wird die SGG definitiv eine Schweizer Hymne küren. Über 100 Bewerber haben am Hymnenwettbewerb teilgenommen. Bisher wurden 70 deutsche, 40 französische, 4 italienische
    Texte und ein rätoromanischer Beitrag für einen neuen
    Schweizerpsalm eingesandt.

    Auch ein portugiesischer Text sei eingetroffen, hiess es bei der SGG. Allerdings: Das Wettbewerbsreglement verlangt eine der vier Landessprachen für die neue Hymne.

    Bürgerliche Politiker sorgen sich derweil schon um die bestehende Hymne. Ob denn eine allfällige Abschaffung der alten Hymne referendumsfähig sei, wollten sie vom Bundesrat wissen. Dieser behielt sich eine Antwort vor.

    Nationalhymne im Balkan-Style. Ivica Petrusic mit Suma Covjek Orkestar feat.

    23 Kommentare

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    • Kommentar von Nick, SO
      Also ja, mit der Trennung von Staat und Kirche könnte ich auch noch leben. Dann müsste halt die erste Zeile der Pre raus, und der Psalm einen neuen Text erhalten. Doch bitte lasst wenigstens die Melodie intakt. Es muss nun wirklich nicht alles geändert werden was etwas staubig scheint. Tolleranz & Tradition sind die Stichworte. Früher hielt man vieles eben etwas anders als heute.
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    • Kommentar von B. Küng, Biel
      Warum nicht eine Hymne ohne Text wie in Spanien? Dann würden diese Diskussionen gegenstandslos und auch das Problem der nicht mitsingenden Fussballern wäre aus der Welt geschafft. In diesem Land können viele Menschen mit diesem religiösen Brimborium nichts anfangen (siehe auch die vielen Kirchenaustritte). Deshalb sollte auch die Präambel der Bundesverfassung endlich geändert werden. Auch eine vollständige Trennung von Kirche und Staat (Beispiel Frankreich) wäre vonnöten.
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    • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
      Bei allen Kommentaren handelt es sich um eine Hymne, die rückwärtsgewandt sich orientiert ... wo wir herkommen, Geschichte der Nation ... .... Warum nicht eine Hymne, die nach vorne gewandt ist? So etwa die Europahymne (ja, ja die böse EU) mit Schillers Ode und dem Finale der 9. Beethoven.
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      1. Antwort von M.Kaiser, Rebstein
        Unsere zweite Strophe wird nach vorne gewandt sein , weil wir Schweizerische Europäer sind aber kein Mitglied der EU .
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