Moritz Leuenberger warnt vor Lobbyisten im Bundeshaus

Alt Bundesrat Moritz Leuenberger warnt davor, dass der Einfluss von Lobbyisten und PR-Beratern in der Schweizer Politik zunehmend grösser wird. Die Frage, ob Interessenvertreter oder Volksvertreter im Bundeshaus das Sagen hätten, sei berechtigt, so Leuenberger in der «Rundschau».

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Gespräch mit alt Bundesrat Moritz Leuenberger

6:42 min, aus Rundschau vom 2.1.2013

Leuenberger richtete einen Appell an die Politikerinnen und Politiker, nicht dem Machtrausch zu verfallen: «Das ist eine grosse Gefahr». Er selbst müsse sich auch eingestehen, dass er sich wohl noch mehr von seiner früheren Aufgabe lösen müsse. «Ich muss lernen, mich zurückzunehmen und mir zu sagen: Ich gehöre nicht mehr dazu.» Der Zürcher Sozialdemokrat sass 15 Jahre in der Landesregierung.

Für das «Rundschau»-Interview kehrte Leuenberger erstmals nach seinem Rücktritt im Oktober 2011 ins Bundeshaus zurück. Verantwortung sei für ihn nie eine Last, sondern eine Freude gewesen, sagte er in dem Gespräch vor dem Bundesratszimmer: «Politiker sollten zu ihrer Macht stehen.» Er nehme für sich in Anspruch, seine Macht «nie missbraucht zu haben».

Raiffeisen-CEO widerspricht 

Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz sieht die Gefahr nicht, dass die Politik immer häufiger am Gängelband der Wirtschaft sei. Gerade bei der Weissgeldstrategie seien die Inputs für einen Richtungswechsel von beiden Seiten gekommen, so Vincenz in der «Rundschau».

Er habe selbst erfahren müssen, wie ihn die eigene Branche nach dem Vorstoss für einen automatischen Informationsaustausch kritisiert habe. «Das hat bei mir zu kurzen Nächten geführt», sagt Vincenz.