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Nach Diesel-Entscheid Gibt es bald auch in der Schweiz Fahrverbote?

Legende: Video Auswirkungen des Diesel-Urteils auf die Schweiz abspielen. Laufzeit 2:36 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.02.2018.
  • Die Grünen fordern, dass Abgasschleudern in Städten temporär die Zufahrt verwehrt werden kann.
  • Der Umweltverband VCS will nur noch Diesel der neuesten Abgasnorm erlauben.
  • Städte- und Autovertreter treten auf die Bremse.

Das deutsche Bundesverwaltungsgsgericht hat entschieden: Fahrverbote für Diesel in den Städten sei zulässig. Fraglich ist, ob solche Verbote auch in der Schweiz bald Tatsache sind. Die Debatte wird hierzulande weitaus weniger intensiv geführt. Dennoch: auch in der Schweiz sehen grüne Kreise Handlungsbedarf.

Die Stickstoff-Dioxid-Werte in der Schweiz sind weniger akut als etwa in Deutschland. Aber auch in der Schweize werden die Grenzwerte regelmässig überschritten – und zwar an nicht weniger als 21 Messstationen im ganzen Land.

Umweltzonen in den Städten

Geht es nach den Grünen, soll der Bund die Grundlagen für sogenannte Umweltzonen in den Städten schaffen. In diesen könne man Fahrzeugen mit sehr hoher Luftbelastung zwischenzeitlich ein Fahrverbot erteilen. «So würde die Bevölkerung sehr wirksam von einer zu hohen Luftbelastung geschützt. Heute sterben deswegen rund 3'000 Menschen,» sagt Bastien Girod, Nationalrat der Grünen gegenüber SRF.

Zwar haben sich grössere Städte auch schon positiv gegenüber dem Anliegen ausgesprochen. Gefordert wurden solche Umweltzonen bisher aber nicht, wie aus einer Umfrage des Städteverbands hervorgeht. Kleinere Städte sind tendenziell dagegen. Der Präsident des Städteverbandes, Kurt Fluri, verortet deshalb keinen Handlungsbedarf. In Agglomerationen müssten solche Fahrverbote zudem von jeder Gemeinde einzeln abgesegnet werden, was politisch schwer machbar wäre, so Fluri.

Abgasvorschriften verschärfen

Ein anderer Ansatz, um die Abgasbelastung zu verringern, läge in einer strengeren Zulassungspraxis. Das fordert der Verkehrsclub Schweiz (VCS). Konkret sollen nur noch Dieselautos der allerneusten Abgasnorm zugelassen werden. Pflicht für Neuwagen wäre dies erst ab Ende 2019. «Ein Zulassungsstopp für Fahrzeuge, welche die geltende Abgasnormen nicht erfüllen, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit», meint VCS-Präsidentin Evi Allemann.

Die Autolobby tritt auf die Bremse. Der Automobil-Club Schweiz (ACS) hält solche Forderungen aus dem links-grünen Lager für übereilt. Es brauche nun Lösungen, die für die gesamte Branche verträglich seien. Der Diesel habe auch zur CO2-Reduktion beigetragen, gibt Thomas Hurter, Präsident des ACS, zu bedenken.

Diesel-Hype knickte 2017 ein

Die Schweizer Konsumenten haben letztes Jahr auf den Diesel-Skandal reagiert. In der Schweiz wurden im vergangenen Jahr fast 10 Prozent weniger Diesel-Autos zugelassen als im Vorjahr – alle anderen Antriebsarten haben im selben Zeitraum bezüglich Zulassungen zugelegt. Das geht aus den neuesten Zahlen des Bundesamts für Statistik hervor.

Legende:
Neuzulassungen Personenwagen 2017 wurden insgesamt 412 827 motorisierte Strassenfahrzeuge neu in Verkehr gesetzt, davon 315 032 Personenwagen. Damit sind 1.3 Prozent weniger Personenwagen neu zugelassen worden als noch im Vorjahr. Gesunken ist in erster Linie die Neuzulassung von Diesel-Personenwagen. Mit knapp 10 Prozent Rückgang verzeichnet diese Antriebsklasse einen regelrechten Einbruch. Bundesamt für Statistik

Der Anteil Dieselfahrzeuge an den neu immatrikulierten Personenwagen 2017 liegt aber immer noch über dem langjährigen Mittel. Was dazu führt, dass die relative Bedeutung des Diesels in den letzten Jahren trotzdem zunimmt. Rund 30 Prozent der Personenwagen in der Schweiz waren 2017 mit Diesel betrieben.

Legende:
Bestand Personenwagen Erstmals waren in der Schweiz 2017 mehr als 6 Millionen Strassenfahrzeuge eingelöst, davon rund 4.5 Millionen Personenwagen. Immer noch dominieren Autos mit Verbrennungsmotoren - vor allem die Benziner. Der Trend zu mehr Diesel schwächte zuletzt ab. Elektroautos nehmen auf kleinem Niveau rasant zu. Bundesamt für Statistik

Roms Bürgermeisterin will Diesel-Verbot

Die Bürgermeisterin von Rom, Virginia Raggi, will Diesel-Fahrzeuge ab 2024 aus der ewigen Stadt verbannen. Gemäss Raggi werde sich das Verbot auf das Zentrum der Stadt beschränken.

Die Ankündigung Raggis kommt wenige Tagen vor den italienischen Parlamentswahlen. Raggi war zuletzt in die Kritik gekommen, die Dauerprobleme der italienischen Hauptstadt, wie das Müllproblem, ungenügend anzugehen.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Ich wohne in der Stadt und habe einen Diesel VW Bus. Wenn dieser verboten wird, kommt dies einer Enteignung gleich. Zahlt mir die Stadt (Bern) eine Entschädigung?
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Leider hat die Autolobby verschwiegen, dass der Diesel due "grössere Dreckschleuder" ist als der Benziner!
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    1. Antwort von Achim Frill (Afri)
      Glauben Sie doch nicht einfach blind alles, was linksgrün-gesteuerte Mainstream-Medien so alles verbreiten. Namhafte Forschungsinstitute wie z.B. das renomierte Fraunhofer-Institut haben genau das Gegenteil bewiesen.
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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Strengere Zulassungspraxis: Ja, klar, je schneller desto besser. Fahrverbote für bereits zugelassene Fahrzeuge: Nie und nimmer, solche Skandalentscheide mag man in Deutschland treffen; bei uns haben sie nichts verloren. So liesse man gutgläubige Käuferinnen und Käufer für die Versäumnisse und Betrügereien der Hersteller büssen - ein absolutes No-Go. - P.S. Als Nicht-Autobesitzer (sondern Mobility-User) wäre ich selbst nicht betroffen - aber mein Gerechtigkeitssinn reicht über mein Ego hinaus!
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