Zum Inhalt springen

Schweiz Nach ersten Abrechnungen: Kritik an Direktzahlungen

Seit diesem Jahr rechnet der Bund mit den Bauern neu ab. Betriebe erhalten keine pauschalen Beträge mehr für Tiere und Flächen, sondern für gemeinwirtschaftliche Leistungen wie etwa die Pflege der Landschaft. Nun sehen die Bauern erstmals, was das finanziell bedeutet. Einige erschrecken.

Zwei Bauern lehnen sich an ein Gitter, dahinter Kühe.
Legende: Der Bauernverband rechnet mit massiven Einbussen für seine Mitglieder. Keystone

In diesen Tagen ziehen die Schweizer Bauern die ersten Direktzahlungs-Abrechnungen aus dem Briefkasten, die nach neuer Methode erstellt worden sind. «Hier sehen die Bauern jetzt, wie viel Geld sie weniger bekommen, und das ist teilweise sehr viel», erklärt der Präsident des Bauernverbands, Markus Ritter.

Bluten müssten besonders kleine und mittlere Betriebe. Diese müssten Einbussen von 25'000 bis 30'000 Franken hinnehmen, sagt Ritter. Betroffen seien wohl einige Tausend landwirtschaftliche Betriebe.

Warten bis im Januar

Doch dieser Aufschrei komme zu früh, sagt der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, Bernard Lehmann. Denn genau für solche Fälle seien Übergangsbeiträge vorgesehen. Diese federten Verluste der Bauern ab, seien in den jetzigen Berechnungen aber noch nicht enthalten und würden erste Ende Jahr bekannt. «Das muss man dann wirklich Ende Jahr und im Januar beurteilen. Dann wird man auch feststellen, dass es eine relativ sanfte Landung gewesen ist.»

Jammern die Bauern also auf Vorrat? Nein, sagt Markus Ritter. Denn die Höhe der Übergangsbeiträge lasse sich bereits jetzt abschätzen. Und so prognostiziert der Bauernverbandspräsident die Verluste unterm Strich: «Das werden Betriebe sein, die 10'000 bis 15'000 Franken weniger Einkommen haben werden in diesem Jahr.»

Umfrage im Frühjahr

Das sei sehr viel Geld für diese Betriebe, so Ritter, bei der eine Familienarbeitskraft durchschnittlich 43'000 Franken verdiene. Kaum zu trösten vermögen die Bauern da die letzten Zahlen des Bundesamts für Statistik, das den Bauern für 2014 um 12 Prozent höhere Einkommen voraussagte. Es habe da etwas gar übermütig gerechnet, sagt Bauernverbandspräsident Ritter.

Er möchte nun Fakten. Um zu erfahren, was das neue Direktzahlungssystem die kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetriebe tatsächlich kostet, startet der Bauernverband im nächsten Frühling eine Umfrage.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

44 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A.Reinhard, Flawil
    Ich habe nicht behauptet, dass konventionelle LW umweltfreundlicher ist. Ich sage nur, dass auch (!) in der konventionellen Landwirtschaft Nährstoffbilanzen eingehalten werden müssen. Werden mehr Nährstoffe zugeführt als benötigt, werden die Direktzahlungen radikal gekürzt/ganz gestrichen. Und zu Ihren subventionsfreien Lebensmittel: Wieviel Franken wären Sie bereit pro Liter Milch zu bezahlen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Das ist gut reicht aber nicht. Der Einsatz von Pestiziden und Fungiziden zerstört Böden und verschmutzt Trinkwasser. Die Gifte sind überall in der Nahrung messbar. ...Sie finden es also besser, wenn jemand 1 Franken Steuern zahlt damit ich die Milch für 1 statt 2 Franken kaufen kann? Warum muss jemand mein Essen zahlen? Und wenn niemand die Milch kauft besteht vielleicht einfach keine Nachfrage... der Selbstversorgungsgrad der CH mit Milchprodukten ist 116% (!!!). Wir produzieren das Falsche.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von J.Baltensperger, Zürich
    Ich bin für die Einführung eines Labels "Garantiert CH-Subventionsfrei" für landwirtschaftliche Produkte, welche vom Staat nicht subventioniert wurden. Als Konsument und solidarischer CH Bürger möchte ich nicht, dass andere Bewohner dieses Landes für mein Essen zahlen müssen und würde, wenn immer möglich, subventionsfrei einkaufen. Mehr Transparenz wäre begrüssenswert - so kann jeder bewusst einkaufen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Bauern sind nunmal die grössten Landbesitzer. Sie werden aber kaum einen finden, welcher wertvolle Ökoausgleichsflächen schafft, ohne dafür bezahlt zu werden. Es interessiert die meisten nicht, wie es ihren Helfer vom Regenwurm bis zur Wildbiene, vom Tagfalter bis zum Vogel geht. sie kennen die meisten gar nicht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Also alle anderen Bewohner dieses Landes müssen von Gesetzes wegen der Natur Sorge tragen. Warum muss man den Bauern bezahlen, damit er das Land nicht kaputt macht? Es sollte selbstverständlich sein. Und ja, es gibt heute sehr gute und effiziente Methoden, wie man nachhaltig und ohne Gifteinsatz produzieren kann.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      J..Baltensperger,sprach von Ausgleichsflächen.Ob Bio od.IP,wertvolle,naturbelassene Lebensräume auszuscheiden wie Blumentrockenwiesen,Buntbrachen,Hochstämmer,Heckenreihen usw für all die Nützlinge wie Wildbienen,Tagfalter uva Insekten,Vögel (spez. Bodenbrüter wie Feldlerchen usf) ist nicht obligatorisch.Bauern können auch einfach nur Ackerbau od.artenarme Fettwiesen anbauen,ihr Land bis in den letzten Winkel nutzen.Deshalb werden Gelder nur noch denen gezielt ausbezahlt,die Wildnis schaffen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B. Häfeli, Seon
    In einem Gespräch hat mir ein älterer, sich im Ruhestand befindenden Landwirt gesagt, Zitat: " Ich hätte nie gedacht, dass wir (Bauern) fürs Nichtstun je einmal Geld bekommen würden...."
    Ablehnen den Kommentar ablehnen