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Schweiz Nach F/A-18-Unglück: «Die Perspektive ist schlecht»

Der Unfall der F/A-18 über dem Sustenpass ist der vierte bei der Schweizer Luftwaffe innerhalb von drei Jahren. Gibt es eine Erklärung für diese Häufung? Und was bedeutet das für die Zukunft. Einschätzungen von Aviatik-Experte Hansjörg Bürgi.

Legende: Video Aviatik-Experte Hansjörg Bürgi zum F/A-18-Unglück abspielen. Laufzeit 1:53 Minuten.
Vom 29.08.2016.

SRF News: Drei Unfälle mit einer F/A-18 innerhalb von drei Jahren – wie erklären Sie sich das?

Hansjörg Bürgi: Ich habe keine Erklärung dafür. Zwischen 1998 und 2013 haben wir keinen solchen Unfall bei der Schweizer Luftwaffe erlebt. Nun sind es innerhalb von drei Jahren vier, wenn man den Absturz [des F-5-Tigers] der Patrouille Suisse hinzuzählt. Betrachtet man es hingegen über die gesamte Zeitspanne, liegt die Zahl der Unfälle etwa im internationalen Durchschnitt.

Könnte es denn am Material liegen oder hat sich an der Ausbildung der Piloten etwas verändert?

Vom Absturz im Jahr 2013 liegt der Unfallbericht inzwischen vor. Dabei handelte es sich um einen Pilotenfehler. Auch beim Absturz einer Patrouille-Suisse-Maschine kann man von einem Fehler des Piloten ausgehen, da sich die beiden Flugzeuge touchiert haben. Bei den anderen beiden Unfällen weiss man es bisher noch nicht. Die Unfälle werden sehr genau untersucht und man wird die Lehren daraus ziehen.

Derzeit befindet sich ein 24-Stunden-Luftpolizeidienst im Aufbau. Dafür sind die F/A-18-Jets ebenfalls im Einsatz. Gleichzeitig gibt es keine neuen Flieger, denn der Saab Gripen ist an der Urne abgelehnt worden. Ist die Belastung für das bestehende Material derzeit vielleicht zu gross?

Die Belastung ist im Moment sicher höher, aber der Flieger ist ja auch dafür gebaut. Die Kampfjets sind derzeit etwa in der Mitte ihrer Lebensdauer, sie sollten noch zehn Jahre fliegen. Aber die Perspektive ist schlecht. Man braucht die verbliebenen 30 Kampfjets nun intensiver und ein Ersatz ist nicht in Aussicht. Das ist schlecht für die Zukunft.

Das Gespräch führte Arthur Honegger.

Zur Person

Hansjörg Bürgi ist Luftfahrt-Experte. Er ist Chefredaktor des Aviatik-Portals skynews.ch.

17 Kommentare

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  • Kommentar von Katja Weingart (Katja Weingart)
    Häufung ist relativ: zw. 1996 und 1998 gab es 5 Unfälle, zw. 2001 und 2002 gab es 3 Unfälle und zw. 2013 und 2016 gab es 4 Unfälle.
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  • Kommentar von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
    In einem sehr unwahrscheinlichen Fall von einem Angriff auf die Schweiz gebe ich unserer Luftwaffe eine Stunde bis zu derer kompletter Vernichtung. Einfach nur sinnlos verschwendetes Geld.
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Thomas Steiner: Falls die Amerikaner, Russen oder Israelis mit Ihren Topjets angreifen, könnten Sie Recht habe, aber nur, falls diese geübt sind, den Luftkampf im alpinen Gebirge zu führen. Falls die Österreicher kommen, gibt es ein Unentschieden und kommen die Deutschen, dann sind die völlig verwirrt von den vielen Bergen und finden den Rückweg nicht mehr. Wir haben es aber selber in der Hand, die Luftwaffe, der heutigen Zeit anzupassen. Die Armee wollte das ja schon lange.
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    2. Antwort von Alex Kramer (Kaspar)
      @ Leu: ...falls diese geübt sind, den Luftkampf im alpinen Gebirge zu führen... Äh ja, genau darum geht es ja. Was Ihre Vorsehungen zu den Marschrichtungen einiger Nationen anbelangt, enthalte ich mich lieber eines wirklich scharfen Kommentars, denn ich lebe ausserhalb des Sandkastens recht gut, seit ich die recht rückständigen Spiele im feldgrünen Sandkasten miterleben durfte.
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    3. Antwort von Thomas Steiner (Tom Stone)
      @Thomas Leu: Phrasen aus dem Kalten Krieg! Die Deutschen fliegen Einsätze in Afghanistan. Von wegen Gebirge und sich verfliegen. Zudem: Welche Ziele sind denn im Gebirge? Sessellifte oder das Ressort in Andermatt? Einfach peinlich
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  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Jede Luftwaffe muss Abstürze in Kauf nehmen. In der Regel hört man nichts davon -auch die USA hatten in letzter Zeit solche Unfälle zu verzeichnen. Die beiden F-18-Maschinen waren im Blindflug und der Pilot muss sich auf sein Können und die Instrumente verlassen können. Ein Fehler wirkt sich in diesem Gelände fatal aus. Hoffen wir noch, dass sich der Pilot retten konnte.
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