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Nach jahrelangem Tauziehen Armenier-Denkmal in Genf eingeweiht – trotz Kritik der Türkei

Legende: Video Mahnmal sorgt noch für Streit abspielen. Laufzeit 2:25 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.04.2018.

Wenn es um die Greueltaten an den Armeniern zwischen 1915 und 1917 geht, sprechen Armenien und andere Staaten von Völkermord. Für die Türkei sind es hingegen «kriegsbedingte Ereignisse». Man habe die Armenier deportieren müssen – wegen Kollaboration mit dem Kriegsgegner Russland. Dass dabei viele ums Leben gekommen seien, sei zwar betrüblich, aber kein «Völkermord». Damals starben bis zu 1,5 Millionen Menschen. Auch der Schweizer Nationalrat stufte die Greueltaten als Genozid ein.

Nun steht nach jahrelanger Diskussionen in Genf ein Mahnmal im Parc Trembley. Es besteht aus neun Laternen im Stile der 1920er Jahre. Am Werk des armenisch-französischen Künstlers Melik Ohanian hängen aber an den Laternenarmen an Stelle von Glühbirnen Tränen aus Stahl. Damit will man dem Völkermord an den Armeniern gedenken.

Jahrelanges Tauziehen

Besonders umstritten war der Standort des Mahnmals. Als erster Standort war die Bastion de Saint-Antoine vorgesehen gewesen. Dieser Ort wurde nach der Entdeckung von archäologischen Funden jedoch rasch verworfen.

Die Stadtregierung schlug danach den Park des Museums Ariana vor. Dieser neue Standort sorgte wegen seiner Nähe beim Sitz der Vereinten Nationen für diplomatische Spannungen mit der Türkei. Es folgte sogar diplomatischer Druck aus Ankara.

Anwohner wehrten sich

Darauf hielt die Schweizer Landesregierung die Stadt Genf im Namen der Neutralität und des internationalen Genf dazu an, den Standort zu überdenken. So entschied sich die Stadt Genf für den Park Trembley. Aber auch dort wehrten sich Anwohner dagegen.

Deren Anwalt und SVP-Nationalrat Yves Nidegger machte geltend, dass das Argument der Neutralität auch für den Park Trembley gültig sei. Das Genfer Kantonsgericht trat jedoch nicht auf die Beschwerden der Anwohner ein und hob zudem deren aufschiebende Wirkung auf.

Obwohl Nidegger den Entscheid vor dem Bundesgericht angefochten hat, wurden die «Réverbères de la mémoire» inzwischen aufgebaut und eingeweiht. Das provozierte erneut Protestnoten der Türkei.

«Neutralität der Schweiz ist überschattet worden»

Der Verband der türkischen Vereine der Westschweiz sprach in einem zweiseitigen Inserat in der Zeitung «Tribune de Genève» von einer «Beleidigung für die internationale Bedeutung von Genf».

Auch die türkische Botschaft in Bern ärgert sich über das Mahnmal. Sie kritisiert in einer Mitteilung die «einseitige Geschichtserzählung». Mit der Einweihung des Denkmals sei die Neutralität der Schweiz überschattet worden.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Herr Orchsli: Armenier litten unter dem Völkermord der Türken. Die Kurden leiden heute unter der Unterdrückung der Türken in der Türkei und in Syrien. Nach Ihnen sollte man also vor den Türken kuschen und zur Tagesordnung übergehen und Herrn Erdogan weiter stillschweigend wüten lassen. Bin da klar anderer Meinung.
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  • Kommentar von Alp Oechsli (Ochsli)
    Mit solchen Aktionen verliert die Schweiz international nur ihre Glaubwürdigkeit bzgl. Neutralität. Sonst nichts. Wie armselig, dass man sich von Minderheiten (Armeniern, Kurden, ..etc) instrumentalisieren lässt. Da fragt doch jeder Türke zu recht, was die Eidgenossen damit zu tun haben. Fürs Steinewerfen im Galshaus sind doch beim Thema Völkermord eigentlich die Deutschen zuständig...!?
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Bitte an die Weltkarte schauen und den Staat Armenien suchen. Unglaublich, dass man das noch sagen muss...
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    1. Antwort von martin blättler (bruggegumper)
      Nach dem Ende des Osmanischen Reichs versprach der Völkerbund 1921 den Armeniern einen eigenen Staat.Das machte die Sowietunion zunichte, weitere fast 70Jahre Knechtschaft bis zu deren Zusammenbruch folgten. Erst seither ist Armenien ein Staat.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Vor 1921 gab es ja schon Armenien, nur verschiedene Königshäuser und Kaiserreichen herrschten über das Land. Das passierte den meisten Ländern in Europa: entweder waren die Nationalstaaten Herrscher oder wurden die Beherrscht. Die meisten haben danach ihre Unabhängigkeit selber erlangt. Armenien geriet unter dem Einfluss der Sowjetunion. Wobei die SU ein föderalistisches Staatsbündnis war und somit wurde Armenien (und andere SU-Staaten) nicht einfach von der Weltkarte ausradiert.
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