Nach Kölliken warten noch andere Deponien auf eine Sanierung

Nach jahrelanger Arbeit ist das Ziel erreicht: Die Sondermülldeponie im aargauischen Kölliken ist fertig saniert. Sie war eine der grössten Altlasten der Schweiz, aber bei weitem nicht die einzige: Immer noch warten tausende Altlasten-Standorte auf eine Sanierung.

Zerbeulte Fässer stehen herum.

Bildlegende: In Kölliken ausgegrabene Fässer: Hier ist die Sanierung nun abgeschlossen. Keystone Archiv

Altlasten in der Schweiz: Das sind Orte, an denen in der Vergangenheit Abfälle aus der Industrieproduktion oder aus Haushalten deponiert wurden und nun im Boden versickern.

4000 sanierungsbedürftige Altlasten

Noch immer gibt es viele solcher Orte in der Schweiz, sagt Bettina Hitzfeld, Leiterin der Abteilung Boden und Biotechnologie im Bundesamt für Umwelt. Insgesamt gebe es 38'000 mit Abfällen belastete Standorte, von denen rund 4000 sanierungsbedürftig seien.

Dazu gehören neben grossen Sondermüll-Deponien auch kleinere Gemeindedeponien, Industrieareale oder Schiessplätze. Die zuständigen Stellen seien aber nicht untätig gewesen, betont Hitzfeld: «900 belastete Standorte sind bereits saniert worden.» Die Sondermülldeponie Kölliken ist sicher das prominenteste Beispiel. Und auch die frühere Deponie im jurassischen Bonfol soll nächstes Jahr fertig saniert sein.


Es gibt noch viel zu tun

1:46 min, aus HeuteMorgen vom 25.06.2015

Kantone und Industrie in der Pflicht

Aber andernorts warten auf die Fachleute noch grosse Aufgaben. Zum Beispiel im Kanton Freiburg. Dort liegt bei Hauterive die Deponie La Pila. «Sie liegt direkt an der Saane in einem Flussknie», sagt Hitzfeld. Der Austritt von Schadstoffen in den Fluss – es geht um dioxinähnliches PCB – habe durch Sofortmassnahmen gestoppt werden können. «Nun stehen wir am Anfang des Sanierungsprozesses.»

Bei den Sanierungen sind in erster Linie die Kantone und die Industrie in der Pflicht. Das Bundesamt für Umwelt koordiniert die Arbeiten und beteiligt sich in gewissen Fällen an der Finanzierung.

Für Umweltschützer geschieht noch zu wenig

Umweltschützer wie der Altlasten-Spezialist Martin Forter verlangen von den verantwortlichen Stellen ein noch stärkeres Engagement. Es brauche von den Behörden mehr Nachdruck, schliesslich gehe es um den Schutz der Bevölkerung. Und von der Industrie brauche es mehr Einsicht, «dass die Beseitigung dieser Deponien der einzige Weg ist», sagt er.

Zwar gebe es tatsächlich ein paar gute Beispiele für erfolgreiche Sanierungen. Aber die reichten noch nicht aus.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Endspurt in der Sondermülldeponie Kölliken

    Aus Schweiz aktuell vom 5.1.2015

    Die Sondermüll-Deponie in Kölliken im Kanton Aargau wird Mitte 2015 leer sein. Rund 650'000 Tonnen hochgiftiger Abfall wurden in der grössten Altlast der Schweiz ausgebaggert und sachgerecht entsorgt. Die Arbeiten in der Halle werden trotzdem weitergehen. Erst wenn der Fels von den Schadstoffen gereinigt ist, kann auch die Halle zurückgebaut werden. Dies dürfte noch mehrere Jahre dauern.

  • Tiefster Punkt erreicht

    Aus 10vor10 vom 21.7.2014

    In diesen Tagen sind die Arbeiten am tiefsten Punkt der Sondermülldeponie in Kölliken angelangt. 457‘000 Tonnen Giftmüll sind hier eingelagert und werden seit sieben Jahren wieder ausgebaggert. Weil oft nicht klar ist, welche Stoffe in der Sondermülldeponie gelagert sind, ist der Rückbau oft schwierig.

  • Wiederverwertung aus Sondermüll

    Aus Einstein vom 11.4.2013

    Heute gilt Abfalltrennung als Bürgerpflicht. Früher war das anders. Vieles landete kurzerhand auf Deponien, noch heute teils hochgiftige Stoffe lagern dort. Doch auch im Sondermüll gibt es viel Wiederverwertbares, wie Metalle. In Oberglatt steht die erste Anlage weltweit, in der giftiger Sondermüll in einzelne Bestandteile zerlegt wird. Im Moment beschäftigen sich die Spezialisten hauptsächlich mit Giftmüll aus der Deponie Kölliken.

  • Sondermülldeponie feiert Halbzeit

    Aus Schweiz aktuell vom 23.1.2013

    Der Rückbau der Sondermülldeponie im aargauischen Kölliken feiert Halbzeit: Bis jetzt wurden mit 330'000 Tonnen etwas mehr als die Hälfte des giftigen Chemie-Cocktails ausgegraben, welcher das Grundwasser bedroht.