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Tagesschau vom 23.06.2021: Hauptausgabe
Aus Tagesschau vom 23.06.2021.
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Nach Lockerungen Darum wird es für Ungeimpfte jetzt heikel

Am Mittwoch hat der Bundesrat den bisher grössten Öffnungsschritt beschlossen: Im Freien müssen keine Masken mehr getragen werden, die Clubs können wieder öffnen und es sind wieder Veranstaltungen über 10'000 Zuschauer erlaubt. SRF-Wissenschaftsredaktor Christian von Burg erklärt, wieso nun für Ungeimpfte Vorsicht geboten ist.

Christian von Burg

Christian von Burg

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Der 1972 geborene Journalist arbeitet für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Angefangen hat er bei der Zeitung «der Bund», zuerst bei der Lokalredaktion, anschliessend im Inland.

SRF News: Wie riskant ist die Öffnung von Clubs und Stadien?

Christian von Burg: Wenn die Maskenpflicht am Arbeitsplatz, an Grossveranstaltungen und in Clubs jetzt fällt, dann ist das für die Geimpften eine schöne Erleichterung. Für alle Ungeimpften hingegen bedeutet es ein deutlich gesteigertes Risiko, sich untereinander anzustecken. Die Fallzahlen sind derzeit zwar nicht hoch, aber wenn viele Leute in Innenräumen zusammenkommen, laut lachen, rufen oder singen, dann ist die Chance für ein Superspreading-Event unter Ungeimpften nach wie vor vorhanden. Denn der Schnelltest, den man für ein Covid-Zertifikat machen muss, hat eine gewisse Fehlerquote.

Einen hundertprozentigen Schutz bietet die Impfung übrigens nicht.

Wie wahrscheinlich ist eine Ansteckung durch Geimpfte?

Einen hundertprozentigen Schutz bietet die Impfung nicht, aber die Wahrscheinlichkeit auch nach einer Impfung noch schwer krank zu werden, ist sehr klein.

Noch sind nicht alle Impfwilligen geimpft

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Die Impfkampagne in der Schweiz läuft auf Hochtouren, aber noch sind nicht alle Impfwilligen geimpft. Es bleibt laut Christian von Burg eine beträchtliche Zahl von Menschen, für die es besonders ärgerlich wäre, sich gerade jetzt, kurz vor der Impfung, noch mit Corona anzustecken.

Von den Erwachsenen haben gut 57 Prozent mindestens eine Dosis erhalten. Auf die gesamte Bevölkerung betrachtet sind 31 Prozent vollständig und 17 Prozent einfach geimpft. Impfen lassen wollen sich gemäss Umfragen derzeit aber gut drei Viertel der Bevölkerung.

Auch die Wahrscheinlichkeit, das Virus als geimpfte Person trotzdem zu übertragen, ist sehr klein, wie neuere Studien zeigen.

Und die Virusvarianten?

Die Rolle des möglichen Spielverderbers spielt vor allem die sogenannte Delta-Variante. Sie ist rund 50 Prozent ansteckender als die bisher dominante (britische) Alpha-Variante. Ob sie auch gefährlicher, sprich krankmachender ist als die bisherige Variante ist noch unklar, es gibt aber Hinweise darauf. Tatsache ist, dass diese Variante in England, in Portugal und vermutlich auch in Russland jüngst zu einem deutlichen Anstieg der Ansteckungen geführt hat.

Wer noch nicht geimpft ist und in Kontakt kommt mit einer infizierten Person, hat bald ein grösseres Risiko sich anzustecken als je zuvor.

In der Schweiz liegt der Anteil der Delta-Variante bereits bei über zehn Prozent und dieser Anteil dürfte relativ rasch weiter steigen. Wie schnell und wie stark sich diese neue Delta-Variante auf die Fallzahlen auswirken wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Es lässt sich aber sicher sagen: Wer noch nicht geimpft ist und in Kontakt kommt mit einer infizierten Person, hat bald ein grösseres Risiko sich anzustecken als je zuvor.

Wie könnten sich die Lockerungen im Herbst auswirken?

Die sinkenden Fallzahlen sind höchst erfreulich – aber sie können auch trügerisch sein, denn das Blatt kann sich wieder wenden. Das hat der Sommer 2020 gezeigt. Da kam es zu einem zuerst langsamen, aber leider exponentiellen Anstieg der Fallzahlen. Die meisten unterschätzten die Situation und waren überrascht von der Heftigkeit der zweiten Welle im Herbst, die in der Schweiz am meisten Todesopfer forderte.

Die Geimpften bilden eine Art Schutzschild, der auch den Ungeimpften zugutekommt.

Dank der Impfung ist die Situation in diesem Sommer zum Glück ganz anders. Das Coronavirus hat es unterdessen viel schwerer, sich zu verbreiten. Die Geimpften bilden eine Art Schutzschild, der auch den Ungeimpften zugutekommt. Aber die Ungeimpften dürfen sich nicht in falscher Sicherheit wähnen: Spätestens im Herbst dürfte die Zahl der Fälle wieder ansteigen, vielleicht aber auch schon früher.

Das Gespräch führte Saya Bausch.

SRF 4 News, 24.06.21, 14:00 Uhr;

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208 Kommentare

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  • Kommentar von VIKTOR KRUMMENACHER  (vk4103)
    Zur Frage von Theresia Weber:
    Sind die Fallzahlen wegen den Impfungen so stark gesunken?
    Vor einem Jahr sind die Fallzahlen im Sommer ebenso stark gefallen, sodass es unklar ist, welchen Anteil die Impfungen dazu beitragen. Das wird sich im Herbst dann zeigen, wenn die Gefahr des Anstieges besteht. Diese Gefahr sollte bis dann ja nicht mehr vorhanden sein mit soviel geimpften.
    1. Antwort von Hans Müller  (HMU)
      Den genauen Anteil der Auswirkungen kennt natürlich niemand, aber letzten Sommer hatten wir jedenfalls viel strengere Massnahmen als jetzt.
  • Kommentar von Theresia Weber  (Resi)
    Die "Rechnung" geht bei mir nicht auf. In den letzten Wochen sind die Fallzahlen stark gesunken, wobei lediglich 30 % der Bevölkerung geimpft wurde. Die Fallzahlen sind Dank Impfung gesunken?
    1. Antwort von Ernst Baumann  ()
      Das wollen uns die Medien vermitteln. Wenn man aber das Interview von Mr. Corona Daniel Koch gestern im 10vor10 anhörte, dann ist es nicht so. Der Sommer ist halt nicht die Jahreszeit für respiratorische Viren. Wie Recht er doch hat.
      Der nächste Herbst kommt ganz bestimmt, mit, oder ohne Impfung.
    2. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      ersthaft jetzt? ich bin ausgelaugt und mags nicht mehr erklären... schauen sie sich die bericherststtung, massnahmen und Statistiken seit märz 2020 an. vielleicht kommen sie drauf...
    3. Antwort von Paul Dodd  (PaulDodd)
      Die Massnahmen und Impfungen zusammen haben es gebracht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zahlen in Herbst wieder exponentiell steigen ist viel kleiner wegen die Impfungen.
    4. Antwort von Hans Peter  (HPet)
      @Dodd
      Kann ich nicht zustimmen. Bisher haben wir eher das Gegenteil gesehen (siehe Israel). Oder gibts es bereits ein Praxisbeispiel wo die Mehrheit der Bewohner bereits geimpft wurde und der Herbst/Winter ohne Corona überstanden werden konnte? Denke nicht. Woher sie ihre Grundlagen für diese Wahrscheinlichkeiten nehmen ist mir fremd.
  • Kommentar von Mark Rickenbacher  (RickMa)
    Ich hätte schon den Anspruch an die Wissenschaftsredaktion, dass sie ganz genau nach Israel und UK schaut. Dann nähmlich sollte hier auch erwähnt sein, dass sich viele vollständig geimpfte unter den Neuinfizierten befinden. Auch sagt UK, dass 1/3 der Coronatoten geimpft waren. Hier ist allerdings unklar ob einfach oder doppelt geimpft. Ich erwarte eine präzisere und vorallem ehrlichere Berichterstattung!
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Mark Rickenbacher
      Guten Tag Herr Rickenbacher
      Laut der SRF Wissenschaftsredaktion betreffen ca. 30 Prozent der Neuansteckungen Personen, die schon geimpft sind. Das heisst umgekehrt: Es sind mehr als zwei Drittel ungeimpft. Zur Hälfte sind das übrigens Kinder, die nicht geimpft sind. Bis jetzt gab es zwar Neuinfektionen, aber noch keine schweren Verläufe. Wenn man sich trotz Impfung ansteckt, dann ist der Verlauf meistens milder. Da zeigt sich auch in anderen Länder wie zum Beispiel der USA. Eine neue Studie zeigt, dass von den Todesfällen im Monat Mai, 99 Prozent ungeimpfte Personen waren. Liebe Grüsse, SRF News