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Nach Postauto-Skandal Buchhaltungstricks auch bei den Poststellen?

Nach den mutmasslich illegalen Buchungen bei Postauto beginnt die nächste Diskussion über die Buchhaltung bei der Post.

Legende: Audio Buchhaltung bei den Poststellen unter der Lupe abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
01:55 min, aus HeuteMorgen vom 15.02.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Jahr 2016 verdoppelte sich das Minus aus dem Schaltergeschäft der Post auf einen Schlag. Mitverantwortlich dafür war eine neue Rechnungslegung.
  • Jetzt will die Präsidentin der zuständigen Fernmeldekommission die Post-Chefin dazu befragen.
  • Die Frage steht im Raum, ob Poststellen geschlossen werden, weil sie «schlechtgerechnet» werden. Die Post wehrt sich gegen diesen Vorwurf.

Mit dem klassischen Geschäft am Schalter schreibt die Post Verluste. Jahr für Jahr betrug das Minus rund 100 Millionen Franken. 2016 war das Defizit dann auf einen Schlag doppelt so gross. Die Post führt dafür drei Gründe auf: der Rückgang des Geschäfts am Schalter, eine Neuorganisation – und eine neue Rechnungslegung.

Das macht nun die Präsidentin der zuständigen Fernmeldekommission, SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher, hellhörig. Und dies gerade jetzt, als ihre Kommission Post-Chefin Susanne Ruoff ohnehin zur Buchhaltungsaffäre bei Postauto anhören will.

Poststellen künstlich «schlechtgerechnet»?

Die Kommission werde Ruoff nun auch zur Buchhaltung beim Poststellennetz befragen, bestätigt Graf-Litscher gegenüber SRF. «Die neue Rechnungslegung werden wir mit der Post am 19. März diskutieren.» Es könne nicht sein, dass Poststellen nur deshalb geschlossen würden, weil sie durch eine neue Rechnungslegung einen schlechteren Kostendeckungsgrad hätten.

Es stellt sich also die Frage, ob Poststellen geschlossen werden, weil sie künstlich «schlechtgerechnet» werden. Post-Sprecherin Léa Wertheimer wehrt sich: Die Post rechne bereits heute mit ihrem künftigen Netz von nur noch 800 bis 900 Poststellen statt wie heute etwas über 1200.

Mehr Poststellen, mehr Aufwände

Der Zielwert, mit dem die Post die einzelnen Dienstleistungen innerhalb des Konzerns verrechne, beruhe auf dem künftigen Netz mit 800 bis 900 Poststellen, sagt Wertheimer. «Aktuell sind es aber mehr Poststellen. Das heisst, es fallen mehr Aufwände an.»

Es kann nicht sein, dass Poststellen geschlossen werden, weil sie durch eine neue Rechnungslegung einen schlechteren Kostendeckungsgrad haben.
Autor: Edith Graf-LitscherPräsidentin Fernmeldekommission

Die Post rechne also schon heute mit einem kleineren, effizienteren Netz, erklärt Wertheimer. Auch deshalb habe sich das Defizit bei den Poststellen schlagartig vergrössert.

«Nicht wie bei Postauto»

Wie sinnvoll es ist, bereits jetzt mit einem geplanten Wert aus der Zukunft zu rechnen, wird die Fernmeldekommission nächsten Monat diskutieren. Die Post betont: Es handle sich hierbei auf keinen Fall um mutmasslich illegale Praktiken wie bei Postauto.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Gregor Semp (Gregor3)
    "Die Post rechne also schon heute mit einem kleineren, effizienteren Netz, erklärt Wertheimer. Auch deshalb habe sich das Defizit bei den Poststellen schlagartig vergrössert." Somit war das Defizit beim grossen, alten und ineffizienteren Poststellennetz viel kleiner???
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Eine absolute "Schande" und offensichtliche Unfähigkeit und "laisser faire-Strategie" der zuständigen - von den Volks-Steuergeldern entlöhnten - Verantwortlichen!! Missbrauch von Volks-Steuergeldern - Subventionen! "Falsche Leute, in falschen Positionen"!! Minutiöse Aufklärung dieses Desasters und anschliessend, rigide, klare Konsequenzen für die Täterschaft, sowie für die Mitwisser-Mittäterschaften: rechtlich, finanziell, beruflich!!
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Diese Tricksereien passen in das politische Bild der Linken. Bei massgebenden Anhängern der linken Parteien gilt auch öffentlich: "Gemeinwohl vor dem Individualwohl". Auch ein Gemeindepräsident hat sich öffentlich dazu bekannt, diese Strategie zu vertreten. Somit werden solche "Verteilungsaktionen" vom einzelnen rentablen "Postbereich" zur Allgemeinheit gerechtfertigt. Ich verlor mein Elternhaus, weil ich fand, dass ich nicht teilen muss, wenn das Haus mir gehört. Die Anwälte sprachen sich ab!
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    1. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Das mit Ihrem Elternhaus tut uns ja leid, aber wo Sie den Zusammenhang zum Thema dieses Artikels sehen? Frage mich gerade, ob der demokratische, ja urschweizerische Grundwert des Allgemeinwohles in im Leitbild der SVP tatsächlich nicht vorkommt.
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    2. Antwort von Patric Huber (Patric Huber)
      Ich will ja nicht irgendwelche Hypokriten von Links in Schutz nehmen, die gibt es bestimmt... Aber anzunehmen die Rechtsparteien würden sich auch nur im geringsten für Arbeitnehmer/innen, das Allgemeinwohl das Volk oder für das Individualwohl ausser für sich selbst oder Ihre Firma interessieren ist falsch. Unabhängig ob Privatwirtschaft oder Bundesangestellte, Personal und Kundenfreundlichkeit sind für die alten Herren nur noch eine Last.
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