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Schweiz Nach Urteil: Jetzt muss Varone sich erklären

Die türkische Justiz hat den Walliser Polizeikommandanten Christian Varone wegen der Stein-Affäre zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und 15 Tagen auf Bewährung verurteilt. Varone muss jetzt vor dem Walliser Staatsrat Stellung beziehen. Der Verurteilte selbst ist froh, dass alles vorbei ist.

Varones Anwältin in der Türkei, Yasemin Mataraci, hatte vergeblich auf einen Freispruch für ihren Mandanten gehofft. Ein Jahr und 15 Tage Haft auf Bewährung, lautet das Urteil aus der Türkei. Matarci will es nicht weiterziehen. Sie ist froh über das Urteil: «Das ist das, was wir erwartet haben, wir sind zufrieden.»

Legende: Video «Varone wegen Stein-Affäre verurteilt» abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.03.2013.

Die Richter in Antalya sprachen das Urteil auch unter einem so genannten Aufschub aus. Das heisst: Varone muss die Strafe nicht antreten. Das Urteil wird nicht im schweizerischen Strafregister auftauchen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Verteidigung, das Urteil zu akzeptieren.

Varone froh über das Urteil

Das Urteil bleibt im internen Verzeichnis der türkischen Justiz vermerkt und würde einzig bei einem Wiederholungsfall innert fünf Jahren aktiviert. Bei dieser Strafe handelt es sich um eine Besonderheit der türkischen Justiz. Das Schweizer Recht kennt diese Möglichkeit nicht.

Für Christian Varone selbst ist das Urteil wie ein Freispruch, wie er zu «Schweiz aktuell» sagte. Er weilt gerade im Ausland und feiert mit seiner Frau den 20. Hochzeitstag. Er sei froh, dass das Kapitel jetzt abgeschlossen sei. Noch bis Ende März ist Varone als Walliser Polizeikommandant beurlaubt. Für ihn sei es durchaus eine Option, in das Amt zurückzukehren, sagt er.

Dem Walliser Staatsrat liegt der Urteilsspruch noch nicht vor, wie er in einer Stellungnahme schreibt. Doch Christian Varone sei von der Departementsvorsteherin Esther Waeber-Kalbermatten aufgefordert worden, Stellung zum Urteil und dessen Folgen für die berufliche Zukunft zu beziehen.

Der Walliser Polizeikommandant Christian Varone war am 27. Juli 2012 in Antalya festgenommen worden, als er mit seiner Familie aus den Ferien heimreisen wollte. Flughafenbeamte hatten in seinem Gepäck einen Stein gefunden.

Prozess mehrmals vertagt

Zum Stein wurden drei Gutachten verfasst. Während die ersten Gutachten zu gegensätzlichen Schlüssen kamen, bezeichnete ein drittes den Stein als antikes Säulenfragment und damit als «schutzwürdiges Kulturgut». Dieses darf nicht ausgeführt werden.

Der Prozess gegen Varone wurde seit September mehrmals vertagt. Varone befindet sich seit dem 23. November in einer Auszeit als Polizeikommandant, die noch bis am 30. April dauert.

Er trat trotz der Stein-Affäre bei den Walliser Staatsratswahlen an. Nach dem ersten Wahlgang vom 3. März zog er seine Kandidatur jedoch zurück.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Margrit Holzhammer, 8903 Birmensdorf
    Wie kann man wegen einem solch gesch....... Stein ein solches Theater machen. Kein Mensch kam dabei zu Schaden. In der Zwischenzeit geht es im eigenen Schweizerland auf's Übelste zu und her. Noch ist der Supergau nicht an der Öffentlichkeit....
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    1. Antwort von Yılmaz Kara, Antalya
      Dieser Stein ist teil des Kulturgutes der Türkei. Die Türkei wird Jaehrlich von 20 mil. Touristen besucht. Wenn jeder einen Stein mitnehmen würde haette das Land in zwei Jahren nichts historisches mehr zum praesentieren.
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    2. Antwort von Margrit Holzhammer, 8903 Birmensdorf
      Herr Yilmaz Kara, Antalya, sooooooooooooooooooooooo wertvolle Kulturgüter lässt man nicht einfach herumliegen. Gopfried Stutz
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  • Kommentar von H.m., Basel
    Was will sich der als verurteilter Verbrecher noch erklären ? Ausser zu kündigen ,hat der nicht's mehr zu tun ..!!! Oder kann ich als verurteilter in Zukunft auch als Bundesrat kandidieren ?
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  • Kommentar von Paul Bürger, Schweiz
    Enttäuschendes Urteil! Herr Varone ist wohl eben gleicher vor dem Gesetze! Jeder andere wäre hart angegangen worden. So viel Aufhebens & dann das! Keiner wollte sich hier wohl die Finger verbrennen. Wenn das so ist, los, liebe Touristen! Ihr habt nichts zu befürchten. Ein zahnloser Tiger & ein Gesetz, das die Türken auch gleich wieder abschaffen können. Herr Varone bleibt aber unter der Optik eines gesunden Gerechtigkeitsverständnisses SCHULDIG. Nun, er ist ja Polizeikommandat, alles ander...
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    1. Antwort von Yılmaz Kara, Antalya
      Hallo, ich übersetze für die gerichte von Antalya. Bei drei weiteren gleichen rechtsachen haben die gerichte ca. gleichen Urteil ausgesprochen. Die Türkei schütz ihr Kulturgut aber möchte dafür auch nicht direkt eine Gefaengnisstrafe anwenden, solange es kein organisiertes verbrechen ist.
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    2. Antwort von Roman Banholzer, Schweiz
      Lieber Herr Yilmaz Kara. Nehmen Sie bitte mit mir unter der Emailadresse SchweizAktuellRedaktion@srf.ch Kontakt auf. Herzlichen Dank
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