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Schweiz Nachfolgeproblem beschleunigt Bauernsterben

Für viele Schweizer Bauernhöfe gibt es keine Nachfolger mehr, und der neu ausgebildete Nachwuchs ist spärlich. Bauernpräsident Markus Ritter ist besorgt über das anhaltende Bauernsterben.

SRF News: Markus Ritter, letztes Jahr verschwanden jeden Tag mehr als drei Bauernbetriebe. Ist das nicht erschreckend?

Markus Ritter: Ja, schon. Wir stellen fest, dass der Strukturwandel in der Landwirtschaft sehr schnell vonstatten geht. Und es dürfte die nächsten Jahre auch so weitergehen.

Weshalb?

Die Zahlen zeigen, dass über die Hälfte aller Betriebsleiter auf Schweizer Bauernhöfen über 50 Jahre alt sind. Und die Hälfte von ihnen gibt an, keinen Nachfolger für den Hof zu haben.

Das heisst also, der Nachwuchs ist das Problem.

Ja, wir bilden zurzeit rund 1000 Lernende pro Jahr aus mit einer Generationendauer von 30 Jahren gerechnet ergibt das noch für 30‘000 Höfe eine Nachfolge. Wir sehen auch anhand der Ausbildungszahlen, dass in den kommenden Jahren noch sehr viele Betriebe verschwinden werden.

Kann dieser Trend nicht gestoppt oder zumindest verlangsamt werden?

Wir versuchen es. Wichtig ist, dass die Schweizer Bauern an die Zukunft der Landwirtschaft glauben und sehen, dass ihr Beruf konkurrenzfähig ist gegenüber vergleichbaren Berufen in der Schweizer Wirtschaft. Diese Einsicht ist mit Blick auf die Zukunft ganz wichtig auch für die Diskussionen an den Familientischen der Bauern.

Ganz konkret: Wo führt das hin, wenn immer mehr Bauern aufgeben?

Es zeigt sich schon jetzt, dass vor allem in Berggebieten jährlich 1400 Hektaren Kulturland verwalden. Es wachsen also Büsche, Sträucher und Wald, die Biodiversität verarmt und die Bauern ziehen sich aus den abgelegenen Tälern weiter zurück.

Ist aber nicht Bio die Zukunft der Bauern?

Das ist abhängig von der Nachfrage der Konsumenten. Heute werden rund zehn Prozent der Fläche biologische bewirtschaftet von rund zehn Prozent aller Bauern. Die biologische Produktion macht immer noch nur einen kleinen Anteil der gesamten Landwirtschaftserträge aus. Auch wenn dieser in den kommenden Jahren weiter steigen dürfte.

Markus Ritter, wie wird die Schweizer Landwirtschaftskarte in zehn Jahren aussehen?

Wir gehen davon aus, dass es noch einmal viel weniger Betriebe geben wird. Die Landwirtschaft wird aber gleichzeitig noch effizienter werden. Viele Bauern gehen heute schon einem Nebenerwerb nach, um ihr Einkommen aufzubessern. Die Weiterentwicklung der Schweizer Landwirtschaft ist sehr stark abhängig von den Produktepreisen. Und da gibt es derzeit Märkte, die sehr gut laufen und andere, die Probleme bereiten.

Das Gespräch führte Peter Maurer

Markus Ritter

Markus Ritter

Markus Ritter ist seit 2012 Präsident des Schweizer Bauernverbandes. Er sitzt für die CVP des Kantons St. Gallen im Nationalrat und ist selbst Bio-Landwirt in Altstätten.

6 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Bauern müssen mit mehr Dankbarkeit und mit der Einsicht behandeln werden, dass diese Leute unsere Lebensgrundlage bedeuten. So könnten Bauern stolz sein und es gäbe keine Nachfolgeprobleme. Wir dürfen die Bauern nicht zu einem "Wirtschaftszweig" verkommen lassen. Zu ihnen müssen wir sehr viel Sorge tragen, genau so wie wir zu den Familien mit Kindern Sorge tragen müssen. Die Regierung muss zusammen mit den Bauern deren Ansehen und Wert der Bevölkerung mit allen möglichen Mitteln klar machen.
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  • Kommentar von Toni Lauber, 6282 Escholzmatt
    Seit 1995 dauert das Bauernsterben an, der Milchpreis wurde halbiert und Emmi als Monopolist verdient doppelt und expandiert in der ganzen Welt, auch Nestlé freuts. Die Importnahrungsmittel drücken auf die Preise in der Landwirtschaft. Und den Schafbauern raubt der Wolf die Existenz. Vorschriften und Kontrolleure geben noch den Gnadenstoss. Die Bundesbehörden schauen zu. Wann kommt die Einsicht?
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  • Kommentar von P. Manser, St. Gallen
    Biodiversität? Aber Monokulturen fördern und Glyphosat spritzen was das Zeug hält. Magerwiesen gab es immer von Natur aus und ist kein Zauberwerk der Bauern. Viele Höfe werden eingehen und einige werden viel grösser als heute. Diese Umstrukturierung gab es im Ausland schon vor 50 Jahren. Wir fördern aber das Kleinbauerntum immer noch mit Milliarden im Jahr.
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