Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Nationalbank-Chef: Der schwierigste Job der Schweiz?

In seiner Haut möchte niemand stecken: Nach der Ankündigung, den Mindestkurs abzuschaffen, hagelte es für SNB-Präsident Thomas Jordan Kritik. Geht die jüngste Intervention der Nationalbank schief, steht einiges auf dem Spiel – auch für ihn selbst. Doch: Diesen Druck hält Jordan aus, sagen Experten.

Thomas Jordan ist seit 2007 im Direktorium der Nationalbank.
Legende: Der Entscheid, den Mindestkurs aufzuheben, hat weitreichende Konsequenzen. Von der Kritik, die auf SNB-Präsident Thomas Jordan einprasselt, zeigt er sich bisher unbeeindruckt. Keystone

«Erdbeben», «Tsunami», «Bombenzündung»: Die Aufhebung des Mindestkurses löste bei zahlreichen Politikern und Wirtschaftsgrössen Panik aus. Dass solche Reaktionen folgen würden, war Nationalbank-Präsident Thomas Jordan natürlich bewusst, als er am Donnerstag ans Rednerpult trat, um die Massnahme zu verkünden. Anmerken liess er sich nichts. Scheinbar gelassen wiederholte er immer wieder, wie überzeugt er und sein Gremium von diesem Schritt seien.

Der Auftritt passe zu Jordan, sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Reto Lipp. Der 51-Jährige wirke weniger brilliant oder weltmännisch als der frühere SNB-Präsident Philipp Hildebrand. «Jordan ist eher der bodenständige Typ, sehr bescheiden, sehr umgänglich.» Seine Kompetenz sei in Finanzkreisen aber absolut unumstritten, gleichzeitig gelte er als äusserst integer.

«Ihm war klar, dass er kurzfristig Schläge kassiert»

Jordan könne selbst in schwierigen Situationen Ruhe bewahren und vernünftig agieren, findet auch Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger von der Universität Freiburg. «Ihm war klar, dass er kurzfristig Schläge kassiert, gleichzeitig wusste er, dass es langfristig gesehen nur schlechtere Alternativen gibt.»

Zudem spreche es für Jordan und sein Gremium, dass rein gar nichts über die geplante Änderung an die Öffentlichkeit gelangte. «So ein Entscheid muss absolut überraschend kommen - dies ist ihm eindrücklich gelungen.»

Harris Dellas, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Bern, kennt Thomas Jordan persönlich. «In seinen Schuhen möchte ich im Moment zwar nicht stecken», gibt Dellas unumwunden zu. Trotzdem stehe für ihn fest, dass Jordan der richtige Mann sei für die turbulenten Zeiten, die der Nationalbank bevorständen. «Er ist clever, erfahren, geduldig und informiert sich immer genau, bevor er eine Entscheidung fällt.» Zudem sei Jordan ein «tough guy», wirft Harris ein. Schliesslich habe er sich in seiner Jugend auch als Wasserballer einen Namen gemacht. «Wer diesen Sport kennt, weiss: Dort bestehen nur die ganz harten Jungs.»

«Jordan sitzt keineswegs auf dem Schleudersitz»

Lobeshymnen hin oder her: Erst in nächster Zeit wird sich zeigen, ob es der gebürtige Bieler, der inzwischen mit seiner Familie in der Region Zürich lebt, schafft, seinen Kurs konsequent zu verfolgen. Dabei dürfe er sich nur von einem einzigen Ziel leiten lassen, analysiert Wirtschaftsredaktor Reto Lipp: Er müsse darauf achten, dass die Schweizer Währung stabil bleibe. «Eine der grössten Herausforderungen dürfte sein, dass sich Thomas Jordan trotz Druck aus verschiedenen Lagern nicht von dieser Kernaufgabe ablenken lässt.» Dafür bekommt er mit rund einer Million Franken pro Jahr auch einen Lohn, der deutlich höher ist als der eines Bundesrates.

Doch was geschieht mit Thomas Jordan, wenn sich der Franken nicht wie erhofft in nächster Zeit wieder abschwächt? Auf dem Schleudersitz befinde er sich keineswegs, sagt Lipp.«Die Nationalbank ist eine der renommiertesten Institutionen im Lande, die schon viele Stürme überlebt hat – so wird es auch diesmal sein.» Bei aller Kritik habe die SNB nun ihre Freiheit zurückgewonnen und könne wieder völlig frei vom Mindestkurs eine für die Schweiz richtige Geldpolitik betreiben.

«Märkte haben überreagiert»

Nationalbank-Direktor Jordan beurteilt die heftigen Kursbewegungen des Frankens als Überreaktion der Märkte. «Was wir jetzt beobachten, ist ein massives Überschiessen», sagte Jordan im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung». Der Franken sei nun gegenüber allen Währungen stark überbewertet und werde sich nach einiger Zeit wieder abschwächen.

Oberster Währungshüter

Thomas Jordan wurde 1963 in Biel geboren. Der studierte Volks- und Betriebswirtschafter ist seit 1997 bei der Nationalbank tätig, seit 2007 im Direktorium. 2010 wurde er Vizepräsident und nach dem Rücktritt von Philipp Hildebrand 2012 Präsident – zuerst interimistisch, bevor ihn der Bundesrat dann am 18. April 2012 definitiv wählte.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

70 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marco Francis, Zürich
    Ein Papierschein (Geldnote) ist nichts weiter als ein Versprechen. Da unsere Papierscheine im Moment ein hohes Versprechen sind und das als Problem angesehen wird könnte der Staat ganz einfach mehr Geld drucken und jedem Schweizer Bürger einen Nachlass auf die Steuern geben. Dadurch würde der Schweizer Franken an Wert verlieren, jeder Bürger hätte trotzdem einen Gewinn daraus gemacht und die Wirtschaft wird webbewerbsfähiger. Win-Win-Win. Also, los, Geld drucken!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marcel Chauvet, Neustadt
    Also dieser SNB-Banker tat mit seiner Entscheidung einen riskanten Griff in die Kloschüssel, ich finde keine Gründe dafür. Sie SNB druckte CHF aus dem Nichts und kaufte damit €,. All das kostete sie doch, von den Druckkosten abgesehen, 0,00, selbst bei Totalausfall des € würde kein Schaden entstehen. Durch Wegfall dieser Interventionen schießt jetzt der CHF durch die Decke, was die CH-Wirtschaft bei ihrem extrem hohen Handelsbilanz-Exportüberschuss erheblich in die Bredouille bringen wird.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kurt Vollmer, Zürich
    Th. Jordan hat mit dem Euro-Entscheid nicht nur die Finanzwelt aufgemischt & einen mutigen Schritt in die richtige Richtung getan, nein,er hat auch ein politisches Problem gelöst: Er hat die Umsetzung der MEI hinfällig werden lassen.Mit dem Euro-Entscheid werden die Exporte sinken & somit auch die Produktivität reduziert. Dies ruft nach weniger Personal & somit auch zu weniger Zuwanderung. Keine vollen Strassen mehr, keine vollen Züge mehr, keine unbezahlbaren Mieten mehr. Gratuliere Th. Jordan!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      aus Ihren Äußerungen schließe ich, dass Sie Verarmung und Arbeitslosigkeit in der Schweiz herbeisehnen und meinen, dass man so auf ausländische Arbeitskräfte verzichten könne, also das nur letztere betrifft. Das dürfte allerdings Querbeet alle betreffen, CHler und NIchtCHler.Ihre Wünsche könnten schneller als Sie es ahnen in Erfüllung gehen, sollte beispielsweise der € erodieren und weiter an Wert verlieren, dann werden Käufe in der CH unbezahlbar und sie wird deindustralisiert wie weiland GB.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      Sehen Sie, bei Ihren Volksabstimmungen lässt man doch nur die Puppen tanzen, die auch noch tatsächlich meinen, sie hätten das Sagen. Aber bestimmen tun letztlich doch alles die, die das Sagen über das Geld haben, also hier Ihr SNB-Bankster hinter denen bestimmt noch gewisse interessierte (Partei?)Strategen die Strippen gezogen haben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen