Zum Inhalt springen

Schweiz Nationalbank mit 30 Milliarden Franken Verlust

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) weist für das erste Quartal 2015 einen Verlust von 30 Milliarden Franken aus. Das liegt vor allem an der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Für Bund und Kantone heisst das, dass sie 2015 möglicherweise auf die SNB-Milliarde verzichten müssen.

Legende: Video Nationalbank schreibt 30 Milliarden Franken Verlust abspielen. Laufzeit 0:54 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 30.04.2015.

«Rekordgewinn von 38 Milliarden Franken»: Diese Schlagzeile zur Schweizerischen Nationalbank ist gerade mal ein paar Monate alt. Heute heisst es nun: «Rekordverlust von 30 Milliarden Franken». So gross war der Verlust in einem einzelnen Quartal noch nie. Der Grund für die roten Zahlen: Die Aufhebung des Mindestkurses – und als Folge davon der starke Franken.

So beträgt der Verlust auf den Fremdwährungspositionen der Nationalbank 29,3 Milliarden Franken. Auf dem Goldbestand resultierte ein Bewertungsverlust von einer Milliarde Franken. Wie SRF-Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler erklärt, hat sich der Franken nicht nur im Verhältnis zum Euro aufgewertet, sondern auch gegenüber dem Dollar und anderen Währungen. «Wenn man die Währungsreserven mit den neuen Kursen umrechnet, ergibt das die grossen Währungsverluste», so Kobler.

Starkes Auf und Ab

Das negative Quartalsergebnis bedeute nicht unbedingt, dass die Nationalbank auch während dem Rest des Jahres Verluste einfahren werde, sagt Kobler. «So grosse Kurssprünge wie im Januar sind nicht mehr zu erwarten. Der Euro-Kurs ist weg und der Franken hat sich zu verschiedenen Währungen auf einem neuen Niveau eingependelt.»

Gleichzeitig seien die Fremdwährungsreserven der Nationalbank nach wie vor enorm; sie betragen über 500 Milliarden Franken. «Weil die Wechselkurse weiter schwanken werden, wird auch das Quartalsergebnis der SNB weiter stark schwanken.»

Die Milliarde bleibt möglicherweise aus

Was heisst das Ergebnis nun für Bund und Kantone? Diese konnten in den letzten Jahren regelmässig darauf zählen, von der SNB eine Milliarde Franken zu erhalten. Im letzten Jahr waren es gar zwei Milliarden Franken; 2013 hingegen war der Topf leer und es gab gar kein Geld.

«Die Abrechnung mit Bund und Kantonen erfolgt erst Ende Jahr», sagt Kobler. «Klar ist aber, dass das Geld in diesem Topf auch dafür aufgewendet werden muss, Quartalsverluste aufzufangen.» Bund und Kantone täten deshalb gut daran, nicht allzu fest mit der SNB-Milliarde zu rechnen.

Gewinn oder Verlust darf keine Rolle spielen

Übrigens wäre das Ergebnis der Nationalbank noch schlechter ausgefallen, wenn sie auf gewisse Positionen nicht auch Gewinn gemacht hätte. So milderten Zinserträge, Dividendenerträge, Kursgewinne auf Zinspapieren und -instrumenten sowie Beteiligungspapiere den Verlust ab – von 41,1 Milliarden Franken auf 30 Milliarden Franken.

Ob Gewinn oder Verlust, dies dürfe die Währungshüter ohnehin keine Rolle spielen, führt Kobler aus: «Ihr oberstes Ziel ist, eine Geldpolitik zu betreiben, die im Interesse der Schweizer Volkswirtschaft liegt. Dazu gehört aus Sicht der Währungshüter offenbar auch der unpopuläre Entscheid vom Januar, den Euro-Mindestkurs aufzuheben.»

20 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Franco Monaco, münchenbuchsee
    30 Mrd. was soll's!!!! Wir und Allgemeinheit schaut einfach zu wie unsere SNB wirtschaftet, es ist an der Zeit, dass auf die großen Lohnbezieher auf die Finger geschaut wird. Die Kantonen lassen grüßen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Sandra Sutter, Erlenbach
    Man hätte mit den Euros Werte in Deutschland kaufen können. Aber der Plan war uns zu verarschen. Vertrauen in die Politik? Nie mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Rico Meier, Flawil
      Wie wäre es mit Werten in der Schweiz gewesen, um die CH Wirtschaft zu unterstützen und nicht das Ausland? (wobei ich nicht für eine derartig massive Aufblähung der Bilanz plädiere). Die SNB hat gerade mal 4 Mia. in der Schweiz investiert! Sie hält aber per E 3/15 532 Mia. spekulative mit Fremdkapital finanzierte Devisenanlagen im Ausland. Dies ist gegen ihren Verfassungsauftrag.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rico Meier, Flawil
    Es sind keine Devisenreserven (Reserven = Eigenkapital) sondern spekulative auf Pump gekaufte Devisenanlagen (über 500 Mia.). Diese sind mit Fremdkapital = Schulden finanziert (Giroguthaben der Banken bei der SNB). Die SNB hat durch ihr unüberlegtes Mindestkursabenteuer unnötig Milliarden an Volksvermögen verzockt. Für die Bilanzrisiken haftet am Ende der Steuerzahler (Bilanzsumme E 02/15 568 Mia! EK 44,4 Mia. = 7.8%). Die SNB verschleiert und beschönigt die Situation massiv.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      R.M./Profiteure des Mindestkurses?Aufhebung ist absolut in Ordnung.Hätte gar nie eingeführt werden sollen.Schliesse mich aber Fr.Sandra Sutter an.Vertrauen?Quo vadis?Welche Kräfte stehen hinter was? Finanzökonomie,neue Religion einer(angeblich)fortschrittlichen,modernen Gesellschaft.Lenkungsmechanismus mit einem riesige Manipulations- und Täuschungspotential.Insider und Co.grüssen.Was soll's.Das letzte Hemd hat keine Taschen.Wir hinterlassen das Erbe,welches wir dereinst selbst antreten werden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen