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Schweiz Nationalratskommission will Komatrinker zur Kasse bitten

Wer sich so stark betrinkt, dass er im Notfall landet, soll die Spitalkosten künftig selber bezahlen. Das hat die Gesundheitskommission des Nationalrates soeben entschieden. Dies wäre ein grundsätzlicher Wechsel im Gesundheitssystem, der aber auch im Parlament durchaus gute Chancen hat.

Wer sich vorsätzlich einen schlimmen Rausch antrinkt und deshalb ins Spital muss, der strapaziert die Solidarität zu stark. Diese Meinung hat sich heute in der Gesundheitskommission des Nationalrates im Verhältnis deutlich durchgesetzt.

«Paradigmenwechsel»

Die Kosten von bis zu 1000 Franken für so einen Spitalaufenthalt sollen die meist jugendlichen Trinkerinnen und Trinker künftig selber berappen, so der Entscheid der bürgerlichen Mehrheit. Mit dem deutlichen Stimmenverhältnis von 2:1 hat diese Parlamentarische Initiative von SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi gute Chancen, auch im Parlament eine Mehrheit zu finden.

Die Ärztin Yvonne Gilli von den Grünen bedauert das sehr. Sie spricht von einem Paradigmenwechsel im Sozialversicherungssystem. «Das wird auch so gesagt von den Befürwortern», so Gilli. «Damit führen wir das Verursacherprinzip ein.»

Gilli hält die Initiative für bedenklich, weil sie nicht glaubt, dass sich die Jugendlichen so vom Rauschtrinken abhalten lassen. Oft sei Rauschtrinken in jungen Jahren auch der Ausdruck einer Krise. Und eine solche Krise lasse sich nicht durch eine Drohung mit dem Portemonnaie aus der Welt schaffen.

Auch für andere Verhaltensweisen?

Zudem müsste man das Verursachersystem konsequenterweise auch auf andere Verhalten ausdehnen. Also auch Raucher oder Übergewichtige müssten für ihre Gesundheitskosten aufkommen – oder Menschen, die Risikosportarten betreiben und sich dabei schwer verletzen. Als nächstes diskutiert nun der Nationalrat über diese parlamentarische Initiative.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Vögelin, Basel
    Und schon wieder habe ich ein Widerspruch entdeckt bei den bürgerlichen die ja nicht wollen dass man den Verkauf ab 10 Uhr verbietet und handkehrum sollen die besoffenen das ganzer selber zahlen wer das verstehen will ich nicht
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  • Kommentar von W. Pip, ZH
    Ich begrüsse das Ansinnen. All die kritischen Stimmen bezügl. Überwachung und Vorschriften mögen zwar zutreffen, doch unsere masslose und verantwortungslose Egogesellschaft hat keine selbstregulierenden Mechanismen mehr. Drakonische Massnahmen scheinenmir deshalb durchaus angezeigt. Wer nicht gut tut, der kriegt eben eine an den Grind. Etwas anderes verstehen die meisten heute leider nicht mehr.
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  • Kommentar von Gunnar Leinemann, Teuffenthal
    Was auf den ersten Blick logisch erscheint, ist brandgefährlich. Die Versicherer werden solange Druck machen, bis auch das kleinste Wehwechen als selbstverschuldet eingestuft und nicht mehr bezahlt wird. Wir nähern uns immer mehr einem totalitären Staat – irgendwann werden wir überwacht, ob wir uns gesund verhalten haben, oder nicht. @ Muller, Zürich: Normaldenkende erkennen das!
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    1. Antwort von Josef Doepfel, Bachwangen-Rüti
      Möglicherweise haben Sie ja recht - aber wollen wir nicht zuerst bei den grossen Wehwechen beginnen, die Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen? Etwas mehr totalitärer Staat wäre schon nicht schlecht. Es ist ja schliesslich nicht einzusehen, warum die Allgemeinheit die Exzesse einzelner bezahlen muss. Es ist wie immer: wer nichts angestellt hat braucht ein wenig Kontrolle auch nicht zu fürchten.
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