Neat-Tunnel: Transportbranche will Personenzüge ausbremsen

Die Transportbranche befürchtet, dass im Gotthard-Basistunnel ab 2016 der Personenverkehr bevorzugt wird, obwohl die Neat für die Verlagerung der Güter von der Strasse auf die Schiene gebaut wurde. Nun fordert SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner Vortritt für die Güterzüge in einem Neat-Tunnel.

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Transportbranche bringt sich in Stellung

3:35 min, aus 10vor10 vom 31.10.2014

Dank des Gotthard-Basistunnels 40 Minuten schneller von Zürich nach Lugano: Die Fahrzeit-Einsparungen durch den Gotthard-Basistunnel klingen verlockend. Eine Explosion der Fahrgastzahlen im Nord-Süd-Personenverkehr scheint vorprogrammiert. Keine guten Aussichten für Ulrich Giezendanner.

Jeder zusätzliche Personenzug auf der Gotthard-Achse verdränge einen Güterzug, befürchtet der Transport-Unternehmer und SVP-Nationalrat: «Es wird einen grosser Krieg geben, dass die Güter noch einigermassen Platz haben werden auf den Schienen.»

«Alle wollen mehr Platz»

Mit jedem Intercity, mit jeder S-Bahn-Verbindung mehr werde der Platz knapper für Güterzüge, beklagt die Transport-Branche. Personenzüge hätten auf dem Schweizer Schienennetz immer Priorität, der Güterverkehr komme erst ganz am Schluss.

Gerät der Güterverkehr zunehmend aufs Abstellgleis? Olivia Ebinger vom Bundesamt für Verkehr relativiert: «Auf den Schweizer Schienen hat es generell zu wenig Platz, alle hätten gerne mehr Platz.»

Lötschberg: 25 Prozent weniger Güterzüge

Güterzüge würden ausgebremst, sagt die Transportbranche. So im Lötschberg-Basistunnel, auf der zweiten schnellen Nord-Süd-Verbindung, die seit 2007 in Betrieb ist. Recherchen von «10vor10» zeigen: Im Lötschberg-Basistunnel wurden die Kapazitäten für den Güterverkehr um 25 Prozent reduziert.

Das Bahnunternehmen BLS, Betreiberin des Lötschberg-Basistunnels, bestätigt unumwunden: Der Personenverkehr verdränge den Güterverkehr. «Die Nachfrage im Personenverkehr hat stärker zugenommen als geplant», sagt Oliver Hilber, BLS-Sprecher.

Giezendanner fordert Vortritt für Güterzüge

Transport-Unternehmer Ulrich Giezendanner will in der kommenden Wintersession einen Vorstoss einreichen, der den Güterverkehr priorisieren soll. In einem der neuen Bahntunnels durch die Alpen, am Gotthard oder am Lötschberg, sollen die Güterzüge Vortritt erhalten.

«Der Personenverkehr muss hinten anstehen», sagt Ulrich Giezendanner. «Wir sollten 650‘000 Lastwagen verlagern. Und das ist mit der heutigen Situation, wo der Personenverkehr dem Güterverkehr Trassen wegnimmt, nicht möglich.» Darum müsse man das politisch zementieren.

Das neue Transportgesetz soll Abhilfe schaffen

Es brauche ein Miteinander von Güter- und Personenverkehr, entgegnet Olivia Ebinger vom Bundesamt für Verkehr. Ein neues Gütertransportgesetz, das voraussichtlich im Winter vom Parlament behandelt wird, solle den Güterverkehr auf dem Schweizer Bahnnetz stärken.