Neue Gentech-Tests in Zürich-Affoltern

Das landwirtschaftliche Forschungsinstitut Agroscope hat eine Bewilligung bekommen, um gentechnisch veränderte Kartoffeln anzupflanzen. Die Versuche laufen bis im Oktober 2019. Bereits hagelt es Kritik.

Menschen arbeiten auf einem Weizenfeld

Bildlegende: Auf dem Versuchsareal in Zürich-Affoltern wurden bereits Tests mit gentechnisch verändertem Weizen durchgeführt. Keystone

Grünes Licht für Versuche mit gentechnisch veränderten Kartoffeln: Die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope kann auf dem Versuchsareal Reckenholz in Zürich-Affoltern sogenannte cisgene Kartoffeln pflanzen. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat die Versuche bewilligt, wie der Bund mitteilte.


Agroscope pflanzt Gentech-Kartoffeln

4:22 min, aus Echo der Zeit vom 21.04.2015

Ziel der Versuche ist es, Kartoffeln zu züchten, die resistent sind gegen die Kraut- und Knollenfäule. Dabei handelt es sich um eine Pilzinfektion, die weltweit grosse Ernteausfälle verursacht. Forschenden in den Niederlanden gelang es bereits, Resistenzgene von Wildkartoffeln in essbare Kartoffeln einzufügen.

Versuche starten schon nächste Woche

Diese Knollen zeigten in Feldversuchen bereits eine gute Resistenz gegen die Krankheit. In einem eigenen Feldversuch wird nun getestet, ob diese veränderten Kartoffeln auch gegen die in der Schweiz vorkommenden Stämme des Krankheitserregers resistent sind. Die Verwendung solcher Kartoffeln könnte den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich reduzieren.

Die Versuche starten bereits in der kommenden Woche – vorausgesetzt die Witterung spielt mit, wie es bei Agroscope auf Anfrage hiess. Im ersten Jahr sollen die Kartoffeln auf einer Fläche von etwa 10 bis 20 Quadratmetern angepflanzt werden. Ab 2016 sind dann grössere Flächen geplant. Die Bewilligung des Bundes läuft bis Oktober 2019.

Pflanzungen finden auf offenem Feld statt

Was die unerwünschte Verbreitung von gentechnisch veränderten Pollen betrifft, besteht bei Kartoffeln gemäss Agroscope ein deutlich geringeres Risiko als bei anderen Arten. Kartoffeln haben im Gegensatz etwa zu Weizen praktisch keinen Pollenflug.

Wie auch schon die bereits stattfindenden Weizen-Versuche sollen auch die Kartoffel-Pflanzungen auf dem offenen Feld der Versuchsanstalt Reckenholz stattfinden. Der Acker ist allerdings eingezäunt und wird bewacht, um Zerstörungsaktionen vorzubeugen.

Greenpeace fordert natur-orientierte Forschung

Greenpeace kritisierte die geplanten Kartoffel-Versuche bereits im vergangenen November, als Agroscope das Gesuch beim Bund einreichte. Diese Versuche zielten an den Bedürfnissen von Landwirtschaft und Konsumenten vorbei, schrieb die Organisation damals.

Statt einer Landwirtschaft, die auf Gentechnik und Pestizide angewiesen sei, brauche es ökologische Produktion. Nötig sei deshalb eine Neuausrichtung der Forschung. Sie müsse sich an der Natur orientieren und nicht an Labor-Technologie.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Freilandversuch mit gentechnisch verändertem Weizen

    Aus Tagesschau vom 19.3.2014

    Das Versuchsfeld ist gut bewacht, damit wirklich nichts passieren kann. Denn bei Agroscope in Reckenholz ist schon vor einigen Tagen ein neuer Freilandversuch mit gentechnisch veränderten Pflanzen gestartet worden.

  • Gentech beflügelt Agrarforschung

    Aus 10vor10 vom 17.12.2012

    Eine bestimmte Fruchtfliege ist vielen Landwirten ein Dorn im Auge: Das Weibchen legt seine Eier in die reifen Früchte und die Larven zerstören die Ernte dann von innen. Mit einer genetisch veränderten Fliege zieht die Firma Oxitec nun gegen die Schädlinge in den Kampf. Umweltorganisationen laufen gegen die Freisetzung der Gentech-Fliege sturm.