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Schweiz Neue Gentech-Tests in Zürich-Affoltern

Das landwirtschaftliche Forschungsinstitut Agroscope hat eine Bewilligung bekommen, um gentechnisch veränderte Kartoffeln anzupflanzen. Die Versuche laufen bis im Oktober 2019. Bereits hagelt es Kritik.

Menschen arbeiten auf einem Weizenfeld
Legende: Auf dem Versuchsareal in Zürich-Affoltern wurden bereits Tests mit gentechnisch verändertem Weizen durchgeführt. Keystone

Grünes Licht für Versuche mit gentechnisch veränderten Kartoffeln: Die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope kann auf dem Versuchsareal Reckenholz in Zürich-Affoltern sogenannte cisgene Kartoffeln pflanzen. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat die Versuche bewilligt, wie der Bund mitteilte.

Ziel der Versuche ist es, Kartoffeln zu züchten, die resistent sind gegen die Kraut- und Knollenfäule. Dabei handelt es sich um eine Pilzinfektion, die weltweit grosse Ernteausfälle verursacht. Forschenden in den Niederlanden gelang es bereits, Resistenzgene von Wildkartoffeln in essbare Kartoffeln einzufügen.

Versuche starten schon nächste Woche

Diese Knollen zeigten in Feldversuchen bereits eine gute Resistenz gegen die Krankheit. In einem eigenen Feldversuch wird nun getestet, ob diese veränderten Kartoffeln auch gegen die in der Schweiz vorkommenden Stämme des Krankheitserregers resistent sind. Die Verwendung solcher Kartoffeln könnte den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich reduzieren.

Die Versuche starten bereits in der kommenden Woche – vorausgesetzt die Witterung spielt mit, wie es bei Agroscope auf Anfrage hiess. Im ersten Jahr sollen die Kartoffeln auf einer Fläche von etwa 10 bis 20 Quadratmetern angepflanzt werden. Ab 2016 sind dann grössere Flächen geplant. Die Bewilligung des Bundes läuft bis Oktober 2019.

Pflanzungen finden auf offenem Feld statt

Was die unerwünschte Verbreitung von gentechnisch veränderten Pollen betrifft, besteht bei Kartoffeln gemäss Agroscope ein deutlich geringeres Risiko als bei anderen Arten. Kartoffeln haben im Gegensatz etwa zu Weizen praktisch keinen Pollenflug.

Wie auch schon die bereits stattfindenden Weizen-Versuche sollen auch die Kartoffel-Pflanzungen auf dem offenen Feld der Versuchsanstalt Reckenholz stattfinden. Der Acker ist allerdings eingezäunt und wird bewacht, um Zerstörungsaktionen vorzubeugen.

Greenpeace fordert natur-orientierte Forschung

Greenpeace kritisierte die geplanten Kartoffel-Versuche bereits im vergangenen November, als Agroscope das Gesuch beim Bund einreichte. Diese Versuche zielten an den Bedürfnissen von Landwirtschaft und Konsumenten vorbei, schrieb die Organisation damals.

Statt einer Landwirtschaft, die auf Gentechnik und Pestizide angewiesen sei, brauche es ökologische Produktion. Nötig sei deshalb eine Neuausrichtung der Forschung. Sie müsse sich an der Natur orientieren und nicht an Labor-Technologie.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Müller, Zürich
    In dem Zusammenhang spannend: Forscher haben herausgefunden dass die Süsskartofeln vor ca vielen Jahren genmanipuliert wurden - und zwar von Bakterien (ohne das Zutun von Menschen). DNA-Sequenzen aus den Kartoffeln wurden zurückverfolgt zu den Bakterien des Genus Agrobacterium.
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    1. Antwort von Jens Brügger, Schaffhausen
      Darum wird Agrobacterium ja auch regelmässig in der Forschung zur Transformation von Pflanzenzellen eingesetzt. Ich sehe das Problem viel mehr bei den internationalen Konzernen, die viel zu viel Macht und Geld vereinen....
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  • Kommentar von Frieda Hug, Adligensil
    Das darf doch nicht war sein! Wer kennt den Spruch nicht, die Geister die man rief wird man nicht mehr los. Befürworter stellen alles so harmlos dar. Wieso muss der Mensch alles was möglich ist machen? Gibt es keine ethischen Grundsätze mehr? Man stelle sich vor, ein verändertes Gen kommt in die falsche Schlaufe in der Natur. Pflanzen, Tiere und wir Menschen sind davon betroffen. Der Schaden kann nie mehr rückgängig gemacht werden! Es ist wirklich traurig wie wir mit der Erde umgehen. f.hug
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  • Kommentar von Jim James, Zürich
    Was meint Greenpeace mit "ökologischer Produktion"? Wie soll man die Forschung "an der Natur ausrichten"? Wenn man eine Nutzpflanze hat, die sich rein vegetativ fortpflanzt (Banane, Maniok) und ein Pilz der diese Pflanze befällt und Ernten vernichtet auftaucht, was kann man dagegen machen ausser Gentechnologie? Chemikalien sind keine Alternative, was also ist die Antwort ausser Gentech?
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    1. Antwort von Rolf Künzi, Winterthur
      Gentechnologie kann man so einsetzen, dass man resistente Pflanzen nimmt und deren Gene einbaut oder man richtet die Pflanzen auf die Chemie aus gegen die sie resistent sein soll. Der zweite Weg ist bedenklich weil das den Boden zerstört, die Erde. Die Kartoffelhüter aus den Anden selektieren auch aber ganze Kartoffeln. Eine Selektion findet immer statt aber nicht von Genen und auf Chemie ausgerichtet. So verstehe ich das.
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    2. Antwort von Jens Brügger, Schaffhausen
      Sie übersehen das wahre Problem, die Monokulturen...welche wiederum nur aus wirtschaftlicher Sicht Sinn machen...
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    3. Antwort von Jim James, Zürich
      Es ist nett, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, mir Gentechnologie zu erklären. Was Sie schrieben, wusste ich bereits, trotzdem Danke. Ich meinte eher, dass Greenpeace erklären soll, wie Greenpeace ein konkretes Problem (Pilz befällt Maniok), ohne Gentechnologie nur mit "an der Natur ausgerichteter" Forschung lösen will, was ist die Alternative von Greenpeace? Greenpeace soll konkrete Alternativen zur Gentechnologie vorschlagen.
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