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Schweiz Neue Gotthardstrecke: Verwechslungsgefahr bei Signalen

Die Signalisation für den Eisenbahnverkehr auf den Zufahrtsstrecken zum Gotthard-Basistunnel der Neat stösst auf Kritik. Die neuen Rangiersignale können leicht mit anderen Signalen verwechselt werden. Der Lokpersonalverband spricht von einem «absolut untauglichen» Signal, berichtet «10vor10».

Legende: Video Signal-Verwirrung auf dem Weg zum Gotthard-Basistunnel abspielen. Laufzeit 04:18 Minuten.
Aus 10vor10 vom 16.02.2016.

Ein Signal auf «Halt» bedeutet für den Lokführer, dass er schnellstmöglich seinen Zug abbremsen muss. Doch auf den Zufahrtstrecken zum neuen Gotthard-Basistunnel der Neat sollen die Lokführer sehr ähnlich aussehende Signalbilder ignorieren.

Die SBB haben als «zeitlich befristete Übergangslösung» ein sogenanntes ETCS-Rangiersignal (European Train Control System) im Einsatz, das mit den auf anderen Strecken üblichen Zwergsignalen fast identisch ist. Nur ein weisses Kreuz und blaue Farbflächen lassen es bei guter Sicht etwas anders aussehen – bei Dunkelheit wird auch dieser Unterschied hinfällig. ETCS-Rangiersignale gelten nur für Rangierfahrten, Zwergsignale hingegen für alle Zugfahrten.

Signal
Legende: Grosse Sorgen um ein kleines Signal beim Lokpersonalverband. SRF

«Bastellösung»

Eine «Bastellösung» nennt der Bahnsicherheits-Experte Hans-Peter Vetsch das neue Signal. Er war 22 Jahre für die Bahnsicherheit bei der Alptransit Gotthard AG tätig, die Bauherrin des Gotthard-Basistunnels. Er fordert, dass zwingend eine Anpassung gemacht werden müsse.

Vetsch selber hatte schon vor vier Jahren vorgeschlagen, die neuen ETCS-Rangiersignale für Streckenfahrten dunkel zu schalten. So würden die Lokführer die Signale nicht sehen und wären nicht irritiert. Auf den ETCS-Level-2-Strecken sind alle Lichtsignale demontiert, die Streckeninformationen werden dem Lokführer direkt auf ein Display gemeldet. Nur die ETCS-Rangiersignale leuchten noch seitlich am Schienenstrang.

«Absolut untauglich»

Der Lokpersonalverband LPV findet das ETCS-Rangiersignal «absolut untauglich». Das Signal könne nicht eindeutig erkannt werden. Auch LPV-Zentralpräsident Hans-Ruedi Schürch ist Lokführer. «Es besteht die Gefahr, dass ich mich daran gewöhne, an so geschlossenen Signalen vorbeizufahren und nicht mehr unterscheide, ob es ein ETCS-Rangiersignal oder ein Zwergsignal ist.»

«10vor10» liegen Dokumente vor, die klar zeigen, dass bereits im Sommer 2013 die Verwechslungsgefahr erkannt war: Die ETCS-Rangiersignale sollten blaue Lampen erhalten, damit sie von den Zwergsignalen «unterschieden werden können.» Doch weder diese noch andere Unterscheidungsmöglichkeiten wurden bis heute umgesetzt.

Die SBB verweisen darauf, dass die «jetzige Signalisierung als Übergangslösung bewilligt» sei. Man nehme das Thema ernst und arbeite an einer Änderung.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Es ist zu hoffen,dass die SBB die Aengste der Lockführer ernst nimmt und das Problem sofort angehen. Es darf nicht sein, dass Menschenleben zu schade kommen, weil es in gewissen SBB Etagen oder beim Bund nicht als gefährlich eingestuft wird. Ein dankeschön an die Lockführer, welche nicht einfach die Augen schliessen, sondern auf Missstände aufmerksam machen.
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  • Kommentar von Michel Brun (taucherli)
    Bundesamt für Verkehr (BAV). Das Organigram ist ersichtlich auf der Homepage. Wen es zum Unfall mit Todesfolge gibt wird woll der Lokführer Angeklagt werden.
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  • Kommentar von Mike Steiner (M. Steiner)
    Und welches B6ndesamt erteilt diesem gemeingefährlichen Schwachsinn eine Betriebsbewilligung? Welcher Chefbeamte nimmt das Risiko und die Verantwortung für den Fall von Toten bei einer 'Verkettung unglücklicher Umstände' auf sich? Liebes SRF, ich will Dienststellen und Namen!
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