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Schweiz «Neue Rentenvorlage in jetziger Form chancenlos»

Unterschiedlicher könnten die Reaktionen auf die Details zur Rentenreform kaum ausfallen. Die Pensionskassen unterstützen die Eckwerte vollumfänglich. Die Gewerkschaften lehnen sie ebenso deutlich ab. Auch bei den Parteien hält sich die Begeisterung in Grenzen. Was heisst das nun für die Reformen?

Die von Bundesrat Alain Berset vorgestellten Eckwerte der Rentenreform haben bei den Parteien Stirnrunzeln ausgelöst. «In der jetzigen Form hat die Vorlage Null Chance», sagt Hanspeter Forster, Redaktor SRF im Bundeshaus.

Da werden noch massive Abstriche und Kompromisse eingegangen werden müssen, so Forster weiter. «Der Knackpunkt: Die radikale Senkung des Rentenumwandlungssatzes wird von Linken und Gewerkschaften massiv bekämpft werden», erklärt der Bundeshausredaktor. Und auch an der Urne gibt Forster der Vorlage keine grossen Chancen.

Pensionskassen reagieren positiv

Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP reagierte durchwegs positiv auf die von Berset vorgestellten Eckwerte der Rentenreform. Der Verband schreibt, es handle sich um ein ganzheitliches Reformpaket, bei dem niemandem etwas weggenommen werde. Damit werde die Altersvorsorge langfristig gesichert und die ungerechte Umverteilung von Jung nach Alt im Bereich der zweiten Säule beendet. 

Notwendig sei auch die vorgesehene Senkung des Umwandlungssatzes. Die weiterhin ansteigende Lebenserwartung mache diesen Schritt notwendig. Denn bereits heute reiche das während eines normalen Arbeitslebens angesparte Kapital nicht mehr aus, um die Rente bis zum Lebensende zu finanzieren.

Für den ASIP ist es aber auch wichtig, dass eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes sozialverträglich erfolgt. Deshalb brauche es flankierende Massnahmen, die je nach Tempo der Senkung unterschiedlich zu definieren seien. 

Gewerkschaften poltern

Ganz anders tönt es vonseiten des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB). Er lehnt den «neu aufgelegten Rentenklau» ab. «Die AHV darf nicht geschwächt werden», schreiben die Gewerkschafter in ihrem Communiqué. Das Vorgehen sei zum Scheitern verurteilt. 

Der Bundesrat schlage mit der Senkung des Umwandlungssatzes die grösste Rentensenkung aller Zeiten vor. Über 12 Prozent würden die Renten sinken, befürchtet der SGB. Diese krasse Senkung von 6,8 auf 6 Prozent des Mindestumwandlungssatzes könne er nicht akzeptieren.

Der SGB kündigte deshalb an, die Reform zu bekämpfen. Dass sich diese einzig auf ein Tiefzinsszenario stütze, sei nicht seriös. Auch die Erhöhung des Rentenalters und der Mehrwertsteuer ist dem Gewerkschaftsbund ein Dorn im Auge. «Statt die teure und für tiefe Einkommen wenig attraktive zweite Säule weiter aufzublasen, sollten die Leistungen der AHV verbessert werden, so wie es die Volksinitiative AHVplus verlangt», schrieben die Verantwortlichen. 

Unia: «Nicht akzeptabel»

Auch die Unia lehnt die Vorschläge des Bundesrates zur Altersvorsorge ab. Eine Erhöhung des Rentenalters für Frauen und die Senkung des Umwandlungssatzes seien nicht akzeptabel, teilte die Gewerkschaft mit.

Sie schlägt deshalb vor, den Umwandlungssatz auf dem heutigen Niveau von 6,8 Prozent zu fixieren. Nur eine Fixierung des Umwandlungssatzes könne den Versicherten wieder Vertrauen in die zweite Säule und Klarheit über die Höhe ihrer zukünftigen Renten geben.

Berset gegen das «AHV-Loch»

Lesen sie mehr dazu hier.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von M. Keller, Thurgau
    Ganz ehrlich: wenn das mit den Umwandlungssätzen usw so weitergeht, soll man das Obligatorium für Pensionskassen aufheben! Zur Zeit bekäme ich, würde ich die Gelder die ich bisher in die PK einzalhen musste, mehr besser verzinst zurück, würde ich die Gelder in 1-Jahres-Kassenobligationen anlegen. Das ganze sogar noch ohne Börsencrash-Risiko! Es gibt eine AHV, aber wieviele Pensionskassen? ...die zahlen wir alle mit...
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  • Kommentar von Aebi Thomas, Embrach
    Es gibt ca. 2000 Pensionskassen in der Schweiz Jede mit ca. 1 Million Verwaltungskosten. = 2 Milliarden Da leben doch einige ganz gut von Geldern die nicht Ihnen gehören.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Frauen leben laenger, ihre Einzelrente ist hoeher als die der Maenner... obwohl meine zB praktisch nie Angestellt war aber mit dem Erziehungsbonus... Da bin ich dafuer dass man das Rentenalter der Frau auf 65 oder 67 erhoeht, sie profitiert ja auch statistisch viel laenger als der Mann Dann sollten Sucht- & Genussmittel drastisch hoeher zugunsten der AHV besteuert werden. Und allen Superreichen ohne Lohn (Buchhalterisch machbar) ein saftiger Solidaritaetsbeitrag belastet werden..und es laengt!
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Das tiefere Rentenalter der Frauen wird mit der schlechteren Entlöhnung bei gleicher Arbeit begründet. Richtig wäre die Anhebung auf 65 Jahre wie bei den Männer.
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