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Verkehrspolitiker verärgert Neue SBB-Doppelstockzüge: Weiteres Jahr Verspätung droht

Erneut Probleme beim SBB-Milliardenauftrag: Einsatz moderner Bombardier-Doppelstockzüge ab Dezember 2017 höchst fraglich.

  • 31 neue Doppelstock-Züge sollte die SBB seit 2013 im Einsatz haben. Der kanadische Produzent Bombardier hat aber noch keinen einzigen geliefert.
  • Wie Rundschau-Recherchen zeigen, könnte auch der Dezember-Termin 2017 als neues Lieferdatum platzen. Der SBB-Chef selbst hat Zweifel, ob die Züge im nächsten Jahr zum Einsatz kommen.
  • Bombardier soll Software-Probleme haben. Doch der Zugbauer hat auch den für den SBB-Auftrag zuständigen Projektchef wiederholt gewechselt.
  • Die 31 Züge sind Teil der grössten Zugbeschaffung der SBB – sie kostet die SBB 1,9 Milliarden Franken.

Massiv mehr Sitzplätze, behindertengerecht, schneller: 31 modernste Doppelstockzüge müssten Bahnfahrer bereits seit 2013 von St.Gallen nach Genf bringen. Geliefert hat der kanadische Konzern Bombardier aber bis heute keinen einzigen Zug.

Jetzt zeigen Rundschau-Recherchen: Der nächste von der SBB vorgesehene Termin für den fahrplanmässigen Einsatz im Dezember 2017 droht auch zu platzen. Mit 1,9 Milliarden Franken für total 59 Züge ist dies die grösste Zugsbeschaffung der SBB.

Wir sehen die ersten Bombardier-Züge vielleicht noch nicht 2017 im fahrplanmässigen Einsatz.
Autor: Andreas MeyerCEO SBB

SBB-Chef Meyer: «Bombardier hat Schwierigkeit mit Software»

Letzten Sonntag feierte die SBB-Spitze mit Andreas Meyer die fahrplanmässige Eröffnung des Gotthard-Basistunnels. Offiziell verschwieg der SBB-Chef die drohende weitere Verspätung seines Milliardenauftrages und Konsequenzen für Passagiere.

Auf die Frage der Rundschau, ob er mit den Bombardier-Zügen im Dezember 2017 rechne, sagt Andreas Meyer: «Bombardier hat Schwierigkeiten mit der Software – die SBB begleitet das Projekt auf allen Management-Ebenen, mehr als uns lieb ist. Wir sehen die ersten Bombardier-Züge vielleicht noch nicht 2017 im fahrplanmässigen Einsatz. Wir wollen kein Experiment am Kunden.»

Bahnmanager und Lieferanten bestätigen

Mehrere mit dem milliardenschweren Zugskauf vertraute SBB-Manager rechnen trotz Versprechen nicht mit dem fahrplanmässigen Einsatz ab Dezember 2017. Bombardier-Lieferanten wiederum sagen der Rundschau, man sei weit entfernt von der Serienreife.

Zudem: Bei Bombardier wechselte der Projektchef für den SBB-Milliardenauftrag – nicht zum ersten Mal. Bombardier steht wirtschaftlich in Schieflage, kündigte im Oktober die Entlassung von weltweit 7500 Mitarbeiter an.

Die neuen Doppelstockzüge sollen im Jahr 2017 in den Einsatz kommen. Seitens Bombardier gibt es keine Zweifel am Plan
Autor: Stephane WettsteinCEO Bombardier Schweiz

Bombardier: 90 von 436 Wagenkasten fertig

Bombardier-Schweiz Chef Stephane Wettstein verweist auf «gute Fortschritte» – trotz mittlerweile mindestens vier Jahren Verspätung. Es seien bereits 90 von 436 Wagenkasten fertig gebaut, erste Züge liefere man der SBB Ende Jahr/Anfang Januar 2017 ab, für – Zitat – «Ausbildungs- und Ertüchtigungsprogramme».

Wettstein zur Rundschau: «Die neuen Doppelstockzüge sollen im Jahr 2017 in den Einsatz kommen. Seitens Bombardier gibt es keine Zweifel am Plan.»

Verkehrspolitiker Giezendanner: «Züge kommen nicht»

In Bundesbern ist der Ärger bei Verkehrspolitikern von links bis rechts gross. Nationalrat Ulrich Giezendanner ist als Lastwagenunternehmer guter Kunde von SBB-Cargo. Auch der Kenner der SBB bestätigt die Rundschau-Recherchen.

Ulrich Giezendanner: «Lieferanten sagen mir: Die Züge kommen auch im Dezember 2017 nicht. Dies ist nicht akzeptabel bei einem milliardenschweren Geschäft mit finanziellen Folgekosten für den Steuerzahler. Ich will jetzt Antworten von Bund und SBB.»

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47 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Hoffen wir wenigstens,dass die Schweissnähte halten,wenn der Liefertermin aus dem Ruder läuft.Basels BVB hat da unangenehme Erfahrungen.Tatsache ist,dass Stadler seine Züge termingerecht und funktionierend ausliefert,und Bombardier verhindert hat,dass in Pratteln weiterhin Rollmaterial gebaut wird.
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    1. Antwort von Urs Müller (Confoederatio)
      Stadler ist ohne Zweifel eine gute Firma. Aber auch bei Stadler ist nicht alles Gold, was glänzt. Probleme mit termingerechter Zulassung, Ablieferung und Qualitätsprobleme kennt auch diese Firma.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    A propos "Behindertengerecht": Anfänglich war behindertengerecht noch kein Thema. Doch die Behindertenorganisationen wehrten sich zu Recht. Deshalb mussten einige Wagen nachträglich behindertengerecht umgerüstet werden, was zu den ersten Verzögerungen beitrug. Hätte man von Anfang an an die Behinderten gedacht, wären die Züge trotz der Software Problems früher fertig, da das nachträglich Einbauen der Behindertenplätze weggefallen wäre.
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    1. Antwort von Urs Müller (Confoederatio)
      Die Forderungen bzgl. Behindertengerechtigkeit waren von manchen Organisationen so weit reichend, dass Gerichte erst darüber urteilen mussten, wann der Gerechtigkeit genüge getan ist. Dies hat mit zur generellen Verspätung dwr Züge beigetragen.
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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Schon erstaunlich, wie viele Kommentatoren trotz Entlassungsmeldungen immer noch nicht gemerkt haben, dass Bombardier fast alle erfolglosen Schweizer Zugbauer geschluckt hat und damit wohl mehr Schweizer beschäftigt (hat) als Stadler. Und dass politisch berufene Pseudo-Manager ausser grossen Taschen kaum eteas vorzuweisen haben.
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