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Weidetötung künftig für alle Bauern möglich
Aus Echo der Zeit vom 08.01.2020.
abspielen. Laufzeit 05:11 Minuten.
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Neue Schlachtverordnung Weiden- und Bolzenschuss statt Transport zum Schlachter

Kein Transportstress: Der Bund lässt 2020 die Hof- und Weide-Tötung zu. Tierschutz und Fleischbranche reagieren positiv.

Täglich werden in der Schweiz 2000 Rinder, Kühe oder Kälber geschlachtet. Sie werden in einen Schlachthof transportiert, per Bolzenschuss betäubt, entblutet und ausgenommen. Tierschützer kritisieren seit langem, dass der letzte Tag im Leben eines Nutztiers mit grosser Angst und Stress verbunden sei.

Gewisse Bauern wollen deshalb die Tiere in gewohnter Umgebung schlachten. Diese «Hof- und Weide-Tötung» ist bisher bis auf einige Ausnahmen verboten.

Ein Biobauer als Pionier

Er wolle das Töten nicht an den Schlachthof delegieren, sagt Nils Müller, der als einer von sechs Bauern eine kantonale Spezialbewilligung hat. Seine Angus-Rinder kommen auf dem Hof im zürcherischen Forch zur Welt und sterben auch dort.

Die Hof- und Weide-Tötung.
Legende: Bereits 2015 erhielt Nils Müller die Bewilligung für zehn Hof- und Weide-Tötungen auf seinem Bauernhof «Zur Chalte Hose» im zürcherischen Forch. Keystone/Archiv

Der Biobauer greift deshalb selbst zum Gewehr. Er tötet das Rind von einem Hochsitz neben der Rinderkoppel mit einem gezielten Kopfschuss. Leicht falle ihm das nie: «Wenn ich jetzt sehe, dass es der Ursli ist, der mich anschaut, während ich ihm frontal in den Kopf schiesse, ist das emotional ein tragischer Akt. Ich habe eine unruhige Nacht davor.»

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Aus dem Archiv: Zu Besuch bei Biobauer Nils Müller
Aus Schweiz aktuell vom 09.06.2015.
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Aber gleichzeitig sei es auch ein schöner Moment, weil das Tier bis zur letzten Sekunde in der Herde stehe und sich wohlfühle, so Müller: «Der Ursli ahnt bis zum letzten Bissen nichts. Er fällt tot um, die Seele steigt auf. So sieht ein würdevoller Tod für meine Nutztiere aus.»

Der Ursli ahnt bis zum letzten Bissen nichts. Er fällt tot um, die Seele steigt auf. So sieht ein würdevoller Tod für meine Nutztiere aus.
Autor: Nils Müller

Neue Verordnung ab Juni

Laut der eidgenössischen Verordnung über das Schlachten und die Fleischkontrolle müssen Nutztiere im Schlachthof getötet werden. Nun reagiert der Bund auf politische Vorstösse, wie Mark Stauber vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sagt: «Wir arbeiten am Vorschlag für eine Verordnung, die voraussichtlich im Mai oder Juni 2020 in Kraft treten wird.»

Stimmt der Bundesrat zu, sind künftig zwei Tötungsarten ausserhalb des Schlachthofs erlaubt: Der Weideschuss, wie ihn Müller anwendet – und die Betäubung mittels Bolzenschuss, während das Tier in einem Gatter fixiert ist.

Hof- und Weide-Tötung.
Legende: Ein Amtstierarzt muss bei der Hof- und Weide-Tötung dabei sein und die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften kontrollieren. Ebenso ein Metzger, der mit zwei gezielten Schnitten dafür sorgt, dass das Tier 60 Sekunden nach dem Betäubungsschuss ausgeblutet ist. Keystone/Archiv

Danach muss das Tier innert 45 Minuten ins Schlachthaus gebracht werden. Aus Hygiene-Gründen darf es nicht auf dem Bauernhof ausgeweidet werden. Darauf hat der Schweizerische Fleisch-Fachverband gepocht. «Hof- und Weidetötung und gewerbliche Metzger müssen gleich lange Spiesse haben. Dann können wir durchaus damit leben», sagt Verbandsdirektor Ruedi Hadorn.

Tierschutz: Lieber Bolzenschuss als Gewehr

Auch Cesare Sciarra vom Schweizerischen Tierschutz hat nichts gegen die generelle Einführung der Hof- und Weide-Tötung: «Wenn man Transporte in einen Schlachthof vermeiden kann, ist das grundsätzlich immer eine gute Sache.»

Er bevorzuge allerdings die Tötung durch Bolzenschuss, sagt Sciarra. Der Abschuss auf der Weide mit dem Jagdgewehr sollte die Ausnahme sein, wegen der Gefahr von Fehlschüssen.

Der Weideschuss sollte die Ausnahme sein – wegen der Gefahr von Fehlschüssen.
Autor: Cesare SciarraSchweizerischer Tierschutz STS

Für die Weide-Tötung ist ein Jagdpatent vorgeschrieben. Bauer Müller betont, bei ihm habe es in den sechs Jahren keinen einzigen Fehlschuss gegeben. Er freut sich, dass die neue Praxis bald für alle möglich sein soll. Zurzeit interessierten sich bereits gegen 80 Bauernbetriebe dafür.

Bio-Bauer Nils Müller aus dem zürcherischen Forch praktiziert die Hof-Tötung seit mehreren Jahren mit Erfolg.
Legende: Biobauer Nils Müller aus dem zürcherischen Forch praktiziert die Hof-Tötung seit mehreren Jahren mit Erfolg. SRF

Ein «Metzger-Revival»?

Hochwertiges Fleisch werde zwar ein Nischenprodukt sein, sagt Müller: «Aber es könnte ein Metzger-Revival werden, wo man wieder die ganzen Tiere verwertet, die Kutteln putzt, Därme abnimmt und Würste macht. Ich bin überzeugt, dass junge Menschen diesen Beruf wieder lernen. Metzger ist nämlich ein ganz nobler Beruf.»

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Irmgard Wiesner  (Irmgard Wiesner)
    Ein natürlicher Tod heisst nicht, dass ein Tier schmerz- und angstfrei auf dem Regenbogen hinaufschwebt. Es wird von Raubtieren gerissen, es verhungert im Winter oder es bricht ein Bein und liegt tagelang da. Oder es wird krank, Gelenkprobleme, infizierte Wunden...
    Ich bin angesichts der heutigen Tierhaltungsmethoden Vegetarierin, aber bei Weidehaltung und Weideschuss sehe ich keinen Grund für ethische Bedenken.
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  • Kommentar von Daniel Röthlisberger  (Dänu R.)
    Jede Person, die Fleisch essen will sollte eigenhändig und unter Anleitung eines Metzgers ein paar Tiere schlachten und dann sich eine Meinung bilden was das beste für das Tier ist...
    Aber da wir halt im Luxus leben und sich niemand die Finger schmutzig machen will, ist mein Gedanke wohl etwas zu viel verlangt...Obwohl ein Tier töten, es metzgen, und dann essen, das natürlichste der Welt ist.
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  • Kommentar von Peter Brudermann  (Peter Brudermann)
    Die Aussagen von Kaspar Jörger BLV zeigen klar auf, dass dieser Bereich der Bundesverwaltung die Interessen der Fleischindustrie und nicht des Tierschutzes hat. Diese Person ist für mich vollkommen vertrauensunwürdig und im BLV fehl am Platz! Eine seriöse und geprüfte Weide-Tötung sollte im Interesse des Bundes und des Konsumenten sein. Es geht bei der Weide-Tötung eben um das Tierwohl, finanziell rechnet es sich eher nicht.
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