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Neue Sozialhilfestatistik 80 Prozent der Asylbewerber und Flüchtlinge beziehen Sozialhilfe

Schweizer Karte.
Legende: Sozialhilfe in der Schweiz 2016. Anteil der unterstützten Personen in Prozent der Wohnbevölkerung. BFS
  • 2016 haben in der Schweiz 273'273 Personen Sozialhilfe bezogen. Das sind 3,3 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung (+0,1 Prozentpunkt).
  • Gegenüber dem Vorjahr stieg die Anzahl der unterstützten Personen um 7647 (+2,9 Prozent).
  • Zusätzlich beziehen 25'544 Flüchtlinge und 55'504 Asylbewerber Sozialhilfe.
  • Von allen Sozialhilfebezügern machen Schweizer 42 Prozent, Personen aus EU-Staaten 23 Prozent und Personen aus aussereuropäischen Ländern 35 Prozent aus.

In der Schweizerischen Sozialhilfestatistik werden seit 2016 Sozialhilfeempfänger in drei separaten Teilstatistiken erfasst. Unterschieden wird nach:

  1. Wirtschaftlicher Sozialhilfe (WSH)
  2. Sozialhilfe im Flüchtlingsbereich (SH-FlüStat)
  3. Sozialhilfe im Asylbereich (SH-AsylStat), erstmals seit 2016.

Die wirtschaftliche Sozialhilfe wird von Kantonen und Gemeinden finanziert, während Asylbewerber und Flüchtlinge vom Bund unterstützt werden.

Sozialhilfe für 25'544 Flüchtlinge

Erstmals liegen auch detaillierte Zahlen für den Flüchtlings- und Asylbereich vor: Demnach haben letztes Jahr 85,8 Prozent der Flüchtlinge in der Schweiz Sozialhilfe bezogen. Der hohe Anteil lässt sich durch die unzureichenden Sprachkenntnisse, nicht anerkannte Ausbildungsabschlüsse im Herkunftsland oder auch der Gesundheitszustand erklären.

Schweizer Karte.
Legende: Sozialhilfe im Flüchtlingbereich 2016. Grösse der Kreise entspricht der Anzahl der Sozialhilfebezüger in den jeweiligen Kantonen. BFS , Link öffnet in einem neuen Fenster

55'504 Asylbewerber beziehen Sozialhilfe

Im Asylbereich erreicht die Sozialhilfequote 88,4 Prozent. Die 55'504
Sozialhilfebezüger sind einerseits Asylsuchende mit einer Aufenthaltsbewilligung N (39'189 Personen) und und andererseits vorläufig Aufgenommene mit höchstens sieben Jahren Aufenthalt in der Schweiz (15'498 Personen). Asylsuchenden ist es verboten, in den ersten drei bis sechs Monaten nach der Einreichung ihres Gesuchs zu arbeiten.

Schweizer Karte.
Legende: Sozialhilfe im Asylbereich 2016. Grösse der grünen Kreise entspricht der Anzahl Sozialhilfebezüger in den jeweiligen Kantonen. BFS , Link öffnet in einem neuen Fenster

Städtische Kantone: Höhere Sozialhilfequoten

Bei der wirtschaftlichen Sozialhilfe weisen 2016 die Kantone Neuenburg, Basel-Stadt, Genf, Waadt und Bern die höchsten Quoten aus. Zürich hat als einziger städtischer Kanton einen unterdurchschnittlichen Wert registriert, was sonst eher die ländlich geprägten Kantonen zeigen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Sozialhilfequote in dreizehn Kantonen, in zehn Kantone waren die Werte stabil. Lediglich Freiburg, Glarus und Thurgau verzeichneten einen Rückgang der Quote.

Die Sozialhilfequote für Flüchtlinge ist in 20 Kantonen angestiegen. 2015 lag sie noch bei 81,8 Prozent, 2016 stieg sie auf 85,8 Prozent. Die stärksten Zunahmen verzeichneten die Kantone Luzern, Basel-Stadt, Schwyz und Solothurn.

Für Asylbewerber lagen die kantonalen Quoten zwischen 60,8 (Obwalden) und 94,9 Prozent (Basel-Stadt). Die meisten Sozialhilfebezüger im Asylbereich sind in grossen Kantonen wie Zürich (9094) oder Bern (8641) anzutreffen sind. Auf die vier Kantone mit den meisten Bezügern – Zürich, Bern, Waadt und Aargau – entfallen zusammen fast die Hälfte aller Sozialhilfebezüger.

Die Mehrheit der Sozialhilfebezüger im Asyl- und Flüchtlingsbereich sind männlich, ledig und zwischen 18 und 45 Jahre alt. Fast die Hälfte der Sozialhilfebedürftigen im Asylbereich leben in Kollektivunterkünften.

42 Prozent der Schweizer betroffen

Bei allen Sozialhilfebezügern beträgt der Anteil von Schweizern 42 Prozent. Die grösste ausländische Personengruppe stammt aus anderen europäischen Ländern (23 Prozent): Sie stammen aus Serbien, Montenegro oder Kosovo (4,4 Prozent), der Türkei (3,4), Portugal (3,2), Italien (3,1), Deutschland (1,6), Mazedonien (1,3), Spanien (1,1) und Frankreich (1,1). Dabei handelt es sich vor allem um eingewanderte ausländischen Arbeitskräfte.

Sozialhilfeempfänger aus afrikanischen oder asiatischen Ländern sind mit
17 bzw. 16 Prozent vertreten. Diese Menschen sind als Asylsuchende mit den jüngsten Immigrationswellen in die Schweiz gekommen, namentlich Eritrea (9,3 Prozent), Syrien (4,6), Afghanistan (4,1), Sri Lanka (2,4), Somalia (1,8) und Irak (1,8%). Personen aus Eritrea haben in den letzten Jahren die meisten Asylgesuche in der Schweiz gestellt (22'067 Gesuche zwischen 2014 und 2016).

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