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Neue Ticket-Apps für den ÖV «Hier lässt sich Geld verdienen»

Christian Lässer

Christian Lässer

Christian Lässer ist Professor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement an der Universität St. Gallen. Seine Forschung fokussiert unter anderem auf das Verhalten der Konsumenten im Tourismus und Verkehr.

In der Schweiz treiben derzeit mehrere Anbieter die Weiterentwicklung ihrer Ticket-Apps für den öffentlichen Verkehr voran. Zum Beispiel der Zürcher Verkehrsverbund ZVV: Ab dem Frühling kann der Passagier in der App beim Ein- und Aussteigen einen Knopf drücken, das Programm berechnet dann automatisch den günstigsten Preis. Das ganze basiert auf einer Technologie, die das Bahnunternehmen BLS für seine App «lezzgo» entwickelt hat. Auch die Südostbahnen SOB gehen in eine ähnliche Richtung. Und der TCS bietet neu in seiner App auch ÖV-Tickets an. Wieso derart viele Apps auf den Markt drängen – und was sie bieten müssen, um zu überleben, erklärt Diensleistungsmanagements-Experte Christian Lässer.

SRF News: In der Schweiz bauen derzeit mehrere Anbieter ihre Ticket-Apps für den öffentlichen Verkehr aus. Warum nimmt die Weiterentwicklung von Ticket-Apps gerade jetzt Fahrt auf?

Die Technologie ist verfügbar, der Markt wahrscheinlich aufnahmebereit, und mit dem Vertrieb von Tickets lässt sich Geld verdienen.

Die Ticketpreise sind vorgegeben. Wie können sich die Anbieter da überhaupt profilieren gegenüber der SBB?

Die Frage ist immer, was auf den Plattformen genau angeboten wird. Es ist klar, beim «Rohstoff», also einfach nur der Fahrt, können sich vielleicht zwei bis drei Anbieter durchsetzen in den Regionen. Matchentscheidend werden aber die Zusatzleistungen sein, die angeboten werden.

Die Zusatzleistungen sind das Eine, ob das Angebot international ist, das Andere. Werden sich nationale Angebote gegenüber den internationalen behaupten können?

Wer internationale Tickets verkaufen kann, ist weniger eine technologische als eine regulatorische Frage. Hier sind die Grundbedingungen für fast alle Anbieter gleich. Man kann davon ausgehen, dass internationale Tickets noch immer eine Ausnahme sind, weil der internationale Verkehr, verglichen mit dem nationalen, bedeutend geringer ist. Deshalb macht es durchaus Sinn, dass die Anbieter erst das nationale Angebot abdecken und stufenweise auch das internationale Angebot einführen.

Ist der Schweizer Markt genug gross für so viele Anbieter?

Ich kann mir vorstellen, dass längerfristig Anbieter fusionieren oder aufgekauft werden. Aber falls überhaupt, kommt es erst in einigen Jahren dazu, denn diese Applikationen haben stets hohe Investitionskosten, aber nur geringe Betriebskosten. Das heisst, die Hauptkosten sind bereits getätigt, und die Anbieter können durchaus einige Jahre durchhalten mit den Einnahmen aus den Billettverkäufen.

Das Gespräch führte Lorenzo Bonatti.

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