Konsum von Crystal Meth & Co. Neue Wege in der Drogenprävention

  • Der Konsum von Methamphetaminen wie Crystal Meth hat in der Schweiz in den vergangenen Jahren massiv zugenommen.
  • In Neuenburg beispielsweise ist die Zahl der Konsumenten seit dem Millennium von 20 auf rund 2000 gestiegen.
  • Polizei und Staatsanwaltschaft in Neuenburg reagieren nun mit einem Schweizer Pilotprojekt.
  • Konsumenten von Metamphetamin werden nicht mehr bestraft, sondern zur Teilnahme an einem Präventionsprogramm verpflichtet.

Die Folgen von Thai-Pillen oder Crystal Meth sind erst spät sichtbar. Die Polizei im Kanton Neuenburg ist aber immer wieder mit Schwerstabhängigen konfrontiert, die kaum zu therapieren sind. Olivier Guéniat, Chef der Neuenburger Kriminalpolizei, sagt: «Die Süchtigen, die in den 2000er-Jahren mit den Drogen angefangen haben, kommen jetzt in den Institutionen an und brauchen dort sehr schwere Behandlung. Diese Menschen haben zehn oder zwanzig Jahre Abhängigkeit hinter sich, ohne dass jemand versucht hat, sie aus der Sucht zu holen.»

«  Methamphetamin kostet bis zu 500 Franken pro Gramm »

Olivier Guéniat
Chef der Neuenburger Kriminalpolizei

Gleichzeitig seien die Süchtigen das Rückgrat des Geschäfts mit Amphetaminen. Schwerstsüchtige brauchen laut Guéniat 10'000 Franken monatlich für die Droge. Diese werde zu völlig verrückten Preisen gehandelt. «Methamphetamin kostet bis zu 500 Franken pro Gramm», sagt Guéniat. Viele Süchtige würden das Geld dafür im Drogenhandel erwirtschaften, das lasse den Markt rasant wachsen.

Neuenburg auf neuen Wegen

Der Kanton Neuenburg setzt jetzt auf neue Mittel, um den Handel zu bekämpfen. Wer erstmals erwischt wird, wird nicht mehr bestraft, sondern zur Teilnahme an einem Präventionsprogramm verpflichtet. «Wir wollen den neuen Konsumenten die Hilfsangebote vorstellen, damit diejenigen, denen es schlecht geht, dorthin zurückkommen», sagt Guéniat.

«  Der Krieg gegen die Drogen ist ein Hirngespinst »

Olivier Guéniat
Chef der Neuenburger Kriminalpolizei

Am Laufen ist das Programm seit drei Monaten. Wissenschaftlich Bilanz gezogen wird erst Ende Jahr. Guéniat ist aber schon heute zufrieden damit. Alle angesprochenen Drogensüchtigen seinen zur Teilnahme bereit gewesen und hätten den sechswöchigen Kurs absolviert. Zudem werde er mit Anfragen anderer Kantone überhäuft, weil die bisherige Politik überholt sei. «Der Krieg gegen die Drogen ist ein Hirngespinst», sagt der Polizist. Die scharfe Bestrafung von Süchtigen sei eine politische Lösung aus einer vergangenen Epoche.

Die Schweiz hat laut Guéniat glücklicherweise ein gutes Betäubungsmittelgesetz. Es erlaubt bei richtiger Anwendung ausdrücklich, zugunsten einer Therapie auf eine Bestrafung von Drogenkonsumenten zu verzichten. Genau das versucht der Kanton Neuenburg.

Sucht Schweiz zum Neuenburger Pilotprojekt

Monique Portner, Sprecherin der Drogenfachstelle Sucht Schweiz, begrüsst das Neuenburger Programm. Methamphetamine seien insbesondere gefährlich, weil die Substanz stark wirke. Das mache Überdosierungen und Verunreinigungen gefährlich. Im Vergleich zu anderen Drogen wie Kokain, Amphetamin oder Ecstasy sei die Nachfrage nach Methamphetamin in der Schweiz zwar gering. Die Existenz eines Schwarzmarktes deute aber darauf hin, «dass sich Konsumwellen entwickeln könnten». Deshalb sei es insbesondere in Regionen wie etwa Neuenburg oder Biel, in denen Methamphetamin stärker verbreitet und erhältlich sei, wichtig, Präventionsprojekte anzustossen.