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Neue Wege trotz Denkmalpflege Wird Stein am Rhein zu Tode geschützt?

Wohnen in Stein am Rhein soll wieder attraktiver werden. Mit einem Förderprogramm will der Stadtrat das mittelalterliche Städtchen wieder beleben.

Legende: Video Neue Wege trotz Denkmalschutz abspielen. Laufzeit 04:21 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 17.10.2017.

Wunderschön ist er, der Rathausplatz in Stein am Rhein (SH). Mittelalter vom Feinsten. Und auch das Städtchen rundherum ist bestens erhalten. Ein rigider Denkmalschutz macht es möglich.

Dennoch ist Stadtpräsident Sönke Bandixen in grosser Sorge. Denn, wenn es Nacht wird in Stein am Rhein, zeigt sich die Realität schonungslos: Nur noch vereinzelt sind Fenster erleuchtet; viele Häuser bleiben gar ganz dunkel.

Investieren oft viel zu teuer

Die mittelalterlichen Häuser sind zwar schön zum Anschauen. Darin wohnen bedeutet jedoch Verzicht auf Komfort. Die Gebäude haben keinen Lift, die Fenster sind klein, auf Balkone muss oftmals verzichtet werden, die Etagen sind verwinkelt und die Decken tief. Wer sanieren und renovieren will, muss das in Absprache mit der Denkmalpflege tun. Das braucht nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld. So warten Besitzer oftmals lieber zu.

Förderprogramm soll Abhilfe schaffen

Um das alte Städtchen wieder zu beleben, hat Stein am Rhein nun ein Förderprogramm verabschiedet. Es soll damit zeitgemässes Arbeiten und Wohnen auch in der Altstadt ermöglicht werden. Mit einer noch zu besetzenden Fachstelle will man künftig Sanierungsprojekte von A bis Z begleiten.

Auch für das Gewerbe sollen wettbewerbsfähige Strukturen geschaffen und neue Betriebe in die Altstadt geholt werden. Ganz besonders möchte der Stadtrat aber, dass der Schutz einer Liegenschaft und die finanzielle Beteiligung des Kantons an der Restaurierung in einem besseren Verhältnis stehen. Demnach sollen hohe Schutzauflagen auch hohe Subventionen für die denkmalpflegerisch einwandfreie Renovation und Sanierung einbringen.

Vorstellungen gehen weit auseinander

Fraglich bleibt allerdings, ob sich die Vorstellungen des Stadtpräsidenten und jene der Denkmalpflege des Kantons Schaffhausen überhaupt treffen können?

Stadtpräsident Bandixen stellt sich unter zeitgemässem Wohnen zwingend Balkone, Parkplätze, Lifte und eine moderne Infrastruktur vor.

Die Denkmalpflege dagegen sieht ihren Auftrag im Erhalten der einmaligen historischen Bausubstanz. Einfach Gebäude aushöhlen und eine moderne Wohnung erstellen, kommt für sie in der Regel nicht infrage. Das bedeutet also aufreibende Diskussionen bei jedem einzelnen Objekt, das saniert werden soll.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    In Stein am Rhein fehlt es nicht am Willen. Notwendige Sanierungen sind schlicht nicht mehr finanzierbar bei dem Forderungskatalog des Denkmalschutzes.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Christmann: Sie haben zwei verschiedene Argumente: Zum einen scheint Ihnen der Touristenstrom mitsamt dessen Folgeerscheinungen "auf den Wecker zu gehen" zum andern finden Sie die Auflagen zu streng. Als Einheimischer ist es mühsam, wenn man von Horden von Touristen quasi als "Disneyland-Statist" betrachtet wird. Ich kenne das als gebürtiger Walliser bestens. Auf der andern Seite bringt halt eben genau das, dank Heimatschutz (!), viel Geld in die Stadt. Ich persönlich bin deswegen ausgezogen.
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    2. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Lieber Herr Ducrey, ich verstehe ihre Argumente und ich möchte auch, dass die Altstadt im heutigen Bild erhalten bleibt. Nur sollte es halt möglich sein, den Innenausbau einigermassen heutigen Standards anpassen zu können. Das mit dem viel Geld ist so eine Sache. Ausser den paar Restaurants profitiert niemand und im Winterhalbjahr ist Stein praktisch ausgestorben und sie finden gerade mal noch 4 geöffnete Gaststätten.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Primär sollte Bandixen froh sein, dass seine Stadt derart wertvolles Kulturgut besitzt und international bekannt ist. Von aussen betrachtet erkennt man doch viele Kompromisse, die der Denkmalschutz eingegangen ist, damit die "Alltagstauglichkeit" der Häuser gegeben ist. Der Hintergrund von Bandixens Anliegen sind denn wohl weniger mögliche Wohnungen als viel mehr sehr lukrativ zu vermietende Anwaltskanzleien oder Arztpraxen. Ob das dann mehr Leben ins Städtchen bringt, sein dahingestellt.
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    1. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      kennen Sie Stein am Rhein? Ich meine nicht als Tourist mit dem Velo.
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    2. Antwort von Niklaus Bächler (sensus communis)
      Stein am Rhein ist ein Musterbeispiel für die denkmalpflegerische Verhinderungsstrategie renovationsbedürftiger Liegenschaften. natürlich sollen alte Gebäude erhalten und geschützt werden. Doch was hilft es dem Gebäude, wenn keine kostendeckenden Mieten mehr erwirtschaftet werden können oder sich nach einem Umbau wegen der zu hohen Mieten keine Nutzer mehr finden lassen.Vordergründig verstehe ich sie,Herr Ducrey,doch das Problem liegt eben viel tiefer,welches der Laie nicht erkennen kann.
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    3. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Christmann: Ich lernte Stein am Rhein wirklich mit dem Velo kennen... habe aber auch gute Bekannte dort und sah mir gestern das Städtchen extra nochmals an. Ich verstehe die Anliegen zum einen, man schaue sich mal das Hotel Säntis in Appenzell an. Aussen altes Prunkstück, innen modern. Appenzell ist ja schliesslich nicht Ballenberg. Zum andern ist's halt so, dass Stein am Rhein effektiv als solches enorm wertvoll ist. Da sind Details, die würde man echt zerstören.
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    4. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Dann ist's noch so, dass ich viele Altstädte kenne, wo "in den besten Lagen" niemand mehr wohnt, da Kanzleien etc. Einzug gehalten haben. Das mag lukrativ sein, aber die damit einhergegangenen Kompromisse rechtfertigen dies nicht, insbesondere weil dann nach Bürozeit alles ausgestorben ist. Weiter sind Befürchtungen dass dann pseudoarchitektonische Bauten, siehe den katastrophalen Erweiterungsbau der Schweizer Botschaft in Berlin, Einzug halten. Dafür wäre Stein am Rhein zu Schade.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Wozu Altes, Gewachsenes behalten und pflegen? Machen wir das Feld endlich frei für Investoren. Lasst sie uns abreissen, die sichtbare Geschichte unseres Landes. Hauptsache das Geschichtlein des Tells überlebt. Und Hauptsache ist sowieso die Frage: Wo liegt der finanziele Profit des Alten? Also: weg damit. Baut Strassen, Plattenbauten, tote Shopingcenters etc und outen wir damit endlich unsere seelenlose, kalte und egoistische Gesellschaft!
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (sensus communis)
      Ganz offensichtlich besitzen sie keine denkmalgeschützte Liegenschaft. Ich könnte ihnen ein Lied davon singen, was dies bedeutet und welche absurden Forderungen gestellt werden. Na ja, mitreden will eben jeder, auch der, der die Materie nicht versteht....
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    2. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      da kann ich Ihnen nur beipflichten Herr Bächler
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