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Schweiz Neuer Anlauf gegen Hochpreisinsel

Die Hochpreisinsel Schweiz ärgert nicht nur die Konsumenten. Auch Unternehmen zahlen für bestimmte Produkte im Ausland deutlich mehr als die Konkurrenz. Ein Vorstoss von FDP-Ständerat Altherr gegen den Schweiz-Zuschlag stösst jetzt in der Wirtschaftskommission der kleinen Kammer auf offene Ohren.

Legende: Video Ständerat verlangt Preis-Anpassungen bei Importen abspielen. Laufzeit 02:09 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.01.2015.

Die ständerätliche Wirtschaftskommission WAK will den Schweiz-Zuschlag aus der Welt schaffen: Das Gremium hat einer parlamentarischen Initiative gegen «überhöhte Importpreise» von Hans Altherr (FDP/AR) mit 8:0 Stimmen bei 5 Enthaltungen zugestimmt.

Unter dem Eindruck des starken Frankens habe die WAK Handlungsbedarf erkannt, kommentiert Präsident Roberto Zanetti und führt als Beispiel die Markenkosmetika an: «Man kennt all die Beispiele von Markenartikeln, die bis zu 30 Prozent teurer sind. Zum Teil wird sogar von den Importeuren mehr verlangt, als der Konsument im Ausland als Endpreis bezahlt.»

Mini-Revision des Kartellgesetzes

Der Entscheid ist ein Rettungsversuch. In der Herbstsession hatte der Nationalrat eine umfassende Revision des Kartellgesetzes abgelehnt. Nun versucht es die Kommission des Ständerats mit einer Mini-Revision. Sie möchte, dass der Schweiz-Zuschlag verschwindet – weil Schweizer Unternehmen im Ausland günstiger einkaufen können. So sollen am Ende auch Schweizer Konsumierende profitieren.

Das sei gar nicht so sicher, entgegnet der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, Hans-Ulrich Bigler. Schliesslich könne niemand ausländische Unternehmen zwingen, ihre Produkte in die Schweiz zu verkaufen. «Es droht sogar die Gefahr der Marktabschottung, also dass ausländische Lieferanten den Markt Schweiz nicht mehr beliefern.»

Zur Durchsetzung von tieferen Preisen trägt die Wettbewerbskommission Weko bei. Zum Vorstoss von Altherr will sich Vizedirektor Patrick Ducrey äussern. Er gibt aber zu bedenken: Wenn ein Unternehmen im Ausland für Schweizer eigens Zuschläge erhebe, könne die Weko heute schon vorgehen. Allerdings sei das in der Praxis schwierig und oft gar unmöglich. Und zwar wegen verfahrensrechtlicher Schwierigkeiten – bei der Zustellung von Verfügungen ebenso wie beim Einholen von Informationen im Ausland.

Zanetti: Kein Allheilmittel

Es gebe durchaus Chancen, dass die Weko Unternehmen im Ausland belangen könne, betont WAK-Präsident Zanetti. Alle seien sich aber einig, dass dies nicht ein Allheilmittel sei, das alle Probleme löse. «Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass die eine oder andere Unschönheit beseitigt werden kann.»

Bis Schweizer Unternehmer von Währungsvorteilen profitieren und günstiger aus dem Ausland importieren können, wird es aber noch dauern. Der Vorstoss von Altherr geht nun an die WAK des Nationalrats. Gut ein Jahr dürfte es dauern, bis das Begehren alle Stationen durchlaufen hat.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von K. Räschter, Thurgau
    Bei den Computer Artikeln geht es doch auch, dass die Preise stimmen. Da kommt es keinem Schweizer in den Sinn, sich den Computer im Ausland zu kaufen; auch nicht mit dem tieferen Euro. Weil die Preise bei uns in diesem Bereich in etwa gleich sind wie im Ausland; ja zum Teil sogar günstiger. Warum bringt man dies dann zum Bsp. nicht auch bei den Kosmetik- und Hygiene-Artikeln zu stande, wo die Preisdifferenzen zum Teil eklatant hoch sind.
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  • Kommentar von Tim Luethi, Zürich
    Ja und was ist mit der Post, da sind es nicht nur 30% sondern bis zu fast 600%, zum Beispiel ein Paketchen 500g A Post in die USA kostet CHF 20.-- in Deutschland gerade mal ca. CHF 3.45. Wie soll ein Unternehmen da kleinere Produkte exportieren wenn die Postpreise so überteuert sind!
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Ihre Preise stimmen nicht:Richtig USA 20.- BRD 14.- Wer besser informiert ist ist klar im Vorteil.
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    2. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Wenn natürlich die Briefe und Pakete zuerst nach Härkingen in die Verteilzentrale gebracht werden, von wo sie dann in mein Nachbardorf spediert werden, muss man sich über die überrissenen Tarife nicht wundern. Vielleicht würde die Rückkehr zu den einstigen lokalen Verteilzentren zu einer Preissenkung bei der Post beitragen.
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    3. Antwort von Albert Planta, Chur
      Die Verarbeitung der Post in automatisierten Grosszentren kommt wesentlich kostengünstiger als die Verarbeitung in den vorherigen Kleinzentren. Der Transportaufwand spielt eine vergleichsweise kleine Rolle. Gerade die Post ist ein Beispiel, wie effizient und kostengünstig gearbeitet werden kann. Auch im Vergleich mit anderen Anbietern kann man bei der CH Post nicht von einer Hochpreisinsel sprechen.
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    4. Antwort von M. Keller, Thurgau
      A. Planta: die Logistikzentren machen den "schweizweiten" Versand tatsächlich effektiver. Nur Regional gibt es so nur verschlimmbesserungen. Bsp. Briefe die im Ort bleiben, werden trotzdem erst zum Verteiler gesendet, um dann zurück zu kommen (früher: im Ort sortiert). Dito: Nachbarorte (vorsortiert, dann überbracht; heute via Verteiler) Massiver Zeitverlust - und Mehrkosten, weil ja mehr transportiert werden muss (..wie bei der SBB: der Fluch der "Stern-Verbindung"). 1/2
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    5. Antwort von M. Keller, Thurgau
      2/2: eine Verbesserung ist möglich, indem man die Ortsrouten der bsp. Päcklieferer so ändert, das der erste und letzte "Zustellort" die Postfiliale ist; so liesse sich bei geringem Aufwand ein "Regio-Orts-Netz" erstellen (Postsack mitnehmen und abgeben), sowie die Päckli, die man nicht gleich an der Haustür entgegen nehmen konnte, am gleichen Tag abholen. Aufwand: so gering das kaum zu berechnen, Mehrwert: unberechenbar. Wenn man DANN noch die int. Porto überprüft, dann kommts gut
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    6. Antwort von Albert Planta, Chur
      Briefe werden im Gegensatz zu früher gangfolgesortiert, also müssen sämtliche Briefe zur maschinellen Sortierung ins Zentrum. Die Zeitersparnis in der Verarbeitung gleicht die Wegzeiten vollends auf. Laufzeitmessungen bestätigen dies. Der Rest ist kalter Kaffee: Schon seit grauen Vorzeiten werden die Zustelltouren vom Ausgangspunkt durchgehend bis an den Endpunkt organisiert.
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    7. Antwort von Tim Luethi, Zürich
      @Alberta Planta: meine Preise stimmen schon, es geht darum, dass wenn man ein Paket hierzulande in die A-Post USA schickt kostet es in der Schweiz CHF 20, wenn man es von Deutschland aus in die USA schickt (nicht nach Deutschland) kostet es auf der deutschen Post EUR 3.45 oder CHF 3.45. Hoffe das ist nun geklärt.
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  • Kommentar von A. Kistler, Walensee
    Tja, selber schuld. Wer bestimmt denn in der Schweiz, dass die schweizer Betriebe über die schweizer Vertriebe und Lieferanten einkaufen müssen? Aber wir haben ja keine Kartelle in der Schweiz, neeein. Krawattenmafia nennt sich das. Freie Marktwirtschaft sieht ein wenig anders aus. Warum kostet denn das Brot beim Bäcker so viel mehr als beim Grossverteiler? Weil dem Bäcker die Preise vom Verband diktiert werden. Aber über all das darf man ja nicht reden. Wacht mal auf und hört auf zu plärren!
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