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Schweiz Neuer Bahnhof für Zürich – neue Probleme für die SBB

Mit dem neuen Tiefbahnhof in Zürich hat die SBB heute ein Stück Ingenieurskunst eröffnet. Und das nächste Kunststück steht bevor: Jetzt geht es darum, das Geld für den teuren Unterhalt der neuen und intensiv genutzten Infrastruktur aufzutreiben. Denn die ist bereits jetzt unterfinanziert.

Legende: Video «Durchmesserlinie in Zürich eröffnet» abspielen. Laufzeit 1:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.06.2014.

Arbeiter in orangen Arbeitskleidern und mit Helm im Tunnel. Dazu der Slogan: «Die erste Herausforderung ist gemeistert. Widmen wir uns der nächsten.» So wirbt die SBB für ihre neue Vorzeigestrecke.

Mit dem neuen Bahnhof, auch die Durchmesserlinie genannt, erhält die SBB aber auch ein neues Bauwerk, das sie pflegen muss. SBB-Sprecher Reto Schärli sagt, grundsätzlich sei in all diesen neuen Anlagen Technik eingebaut worden, die sich bewährt habe. Es gebe aber auch einige spezielle Dinge. «Unter dem Universitätsspital und dem Radiostudio SRF wurden etwa spezielle Dämpfungen eingebaut.» Die spielten dann natürlich auch beim Unterhalt eine Rolle.

Legende: Video «Êröffnungsfest der Durchmesserlinie» abspielen. Laufzeit 6:47 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 12.06.2014.

Grosser Unterhalt bei Elektronik

Zwar seien der Tunnel und die Bahnstrecke unterhaltsfreundlich gebaut, sagt Ulrich Weidmann, ETH-Professor für Verkehrsplanung und Technik. Aber da gebe es noch anderes, das unterhalten werden müsse: «Ich erwarte die Hauptarbeiten in den Bereichen der Elektronik und Sensorik.» Diese Bereiche hätten nicht die Lebensdauer wie diejenige einer Tunnelschale.

Die SBB stehe vor drei schwierigen Aufgaben, so Weidmann weiter. Das erste Dilemma bestehe im zusätzlichen Anlagenvolumen. Damit stiegen die Fixkosten. Zweitens: die stärkere Nutzung der Anlagen. Damit steigt auch der Erhaltungsbedarf. Und das dritte Dilemma: Je mehr Verkehr fliesst, desto schlechter könnten Unterhaltsarbeiten gemacht werden.

Kein zusätzliches Geld für Unterhalt

Mehr Züge, mehr Verbindungen, mehr Tempo – das alles kostet mehr im Unterhalt. Und das in dem Bereich, wo sich in den letzten Jahrzehnten ein Pendenzenberg angestaut hat. So haben etwa Schienenfehler markant zugenommen, die im schlimmsten Fall eine Schiene brechen und einen Zug entgleisen lassen.

Zusätzliches Geld für diesen Unterhalt fehlt aber. SBB-Sprecher Schärli: «Deshalb hat die SBB ein Massnahmenprogramm lanciert. Wir wollen die Unterhaltsarbeiten noch effizienter abwickeln können. Zusätzlich haben wir auch ein Sparprogramm lanciert.»

«Probleme werden in die Zukunft verlagert»

Für Bahnexperte Sepp Moser geht das gar nicht: «Statt das zu intensivieren, was man in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt hat, macht man einfach Flickschusterei auf hohem Niveau – böse gesagt, um die Probleme in die Zukunft zu verlagern.»

Zwar stehen in zwei Jahren mit der neuen Finanzierung für Bahninfrastruktur wieder mehr Mittel zur Verfügung. Trotzdem kann die SBB ihren Pendenzenberg beim Unterhalt nicht sofort abbauen. Sie geht davon aus, dass das erst 2035 der Fall ist.

Die eigentliche Herausforderung: Unterhaltsarbeiten

Angesichts der fehlenden Mittel ist ETH-Professor Weidmann der Meinung, dass die lange Liste der geplanten Ausbauten überdacht werden sollte: «Ich bin nicht ganz überzeugt davon, dass alles realisiert wird, was heute als realisierungsfähig erscheint.» Mutmasslich müsse der Ausbau noch etwas nach unten korrigiert werden.

Nicht das nächste Ausbauprojekt ist also die eigentliche Herausforderung der SBB. Diese liegt vielmehr darin, das Bahnnetz in Schwung zu halten und die angestauten Unterhaltsarbeiten anzugehen. Auch wenn dies weniger spektakulär ist als das Durchtrennen von roten Bändern bei Eröffnungsfeiern.

(roso)

10 Kommentare

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  • Kommentar von P Zunger, Basel
    ...SBB Massnahmenprogramm, um Unterhalt noch effizienter zu machen... Das bedeutet: in Bern nochmals ein Bürostockwerk voll Planer-Beamten, die mit einer durch eine Dritt-(Kollegen)-Firma einges entwickelten, sündhaft teuren Software darum schauen, dass nur kein Gleisbauarbeiter auch nur 1 Minute mehr "ineffizient" sein kann und dass Geleise erst 1 Tag vor dem durch die Software berechneten Durchrostzeitpunkt ersetzt werden.
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  • Kommentar von W. Pip, Züri
    Deswegen brauchen wir ja die ungehinderte Personenfreizügigkeit: damit noch mehr Menschen Zug fahren, noch mehr Einnahmen generieren, noch stärker die Infrastruktur strapazieren, noch mehr Ausbauten nötig machen, die man mit noch mehr Personen finanziert, die noch mehr Einnahmen bringen, noch stärker die Infrastruktur belasten, noch mehr Ausbauten nötig machen, die man mit noch mehr Personen finanziert, …. ODER?!?
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  • Kommentar von Till E.Spiegel, Burgdorf
    Überall ist Grössenwahn angesagt. Die SBB müssen sich ja keine Gedanken machen, woher das Geld kommt. Das viele Geld liegt ja auf der Strasse und die Bundesrätin hilft kräftig mit, es aufzuheben. Es kostet ja alles über 2000 Millionen Franken, die irgendjemandem aus der Tasche gezogen werden. Zwei Drittel von Bund und SBB, was ja in etwa dasselbe ist und ein Drittel vom Steuergeld des Kantons Zürich.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Da kann man wenigstens berechtigt sagen:" Hier wurden Millionen "verlocht", damit Menschen ein paar Minuten schneller am Ziel sind." @ T. E. Spiegel: Die Ja-Stimmenden zu FABI haben unserer BR Leuthard ja in ihren sehr teuren Visionen unterstützt! Da hat man ihr ja ein paar Milliarden gut gesprochen, während man an der Sicherheit sparen will.
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