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Schweiz Neuer Grenzwert: Bund will krebserregenden Asphalt verbieten

Das Bundesamt für Umwelt will das Recycling von belastetem Strassenbelag stark einschränken. Neu soll das Material auf Deponien entsorgt oder entgiftet werden müssen. Die Asphalt-Industrie warnt vor «Milliardenkosten» für die öffentliche Hand.

Legende: Video Alter Asphalt soll nicht mehr verbaut werden abspielen. Laufzeit 4:20 Minuten.
Vom 26.06.2014.

Strassenbelag mit krebserregenden Giftstoffen darf nicht mehr recycelt werden: Das regelt die neue «Technische Verordnung über Abfälle TVA» des Bundesamtes für Umwelt.

Mit dem Entwurf geht das Amt auf Konfrontation mit der Asphalt-Branche: «Wir möchten den Recycling-Kreislauf aufrechterhalten», sagt Bernhard Kunz vom Verband der Schweizer Mischgut-Industrie gegenüber «10vor10». Zurückgebauter Asphalt sei wertvolles Material für den Strassenbau.

Toxische Altlast in den Schweizer Strassenbelägen

«Der Bund muss den mit Gift belasteten Alt-Asphalt sofort verbieten», fordert hingegen Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Dieses Material gehöre auf eine Deponie oder müsse entgiftet werden. Die Asphaltbranche habe die Landschaft jahrelang als «Sondermülldeponie missbraucht».

Das Bundesamt für Umwelt schlägt im Entwurf vor, dass Asphalt bis zu einer Obergrenze von 5'000 Milligramm Giftstoff pro Kilogramm Bindemittel recycelt werden darf. Bisher lag der Schweizer Grenzwert bei 20'000 Milligramm. Für Rodewald sind auch diese neuen Vorschriften zu wenig streng. Er verweist auf strengere Grenzwerte in anderen europäischen Ländern.

400'000 Tonnen Sondermüll pro Jahr

In den Schweizer Strassenbelägen steckt eine toxische Altlast: Der früher als Bindemittel verwendete Teer enthält sogenannte PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Diese gelten als krebserregend. Gemäss dem Verband der Schweizer Strassen- und Verkehrsfachleute VSS fallen jedes Jahr rund 400'000 Tonnen belasteter Alt-Belag an. Bernhard Kunz von der Mischgut-Industrie Schweiz warnt angesichts solcher Zahlen vor «Milliardenkosten» die auf die öffentliche Hand zukommen würden.

Heute Abend in «10vor10»

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Mehr zum Thema in «10vor10», um 21.50 Uhr auf SRF 1.

7 Kommentare

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  • Kommentar von M. Steiner, Winterthur
    Wie konnte ich bloss meine Kinderjahre in den 70ern überleben? Zumal wir gar auf dem Asphalt, in welchem die Schadstoffe eingeschlossen (!) sind, assen. Überhaupt müsste meine Generation ohne den heutigen Überwachungs-, Kommunikations- und Schutzwahn gänzlich ausgestorben sein. Diese Asphaltgeschichte ist –mit der einzigen Ausnahme von Granulat, das lose auf Waldböden ausgebracht wird und die Böden durch Auswaschung belasten kann- eine dieser heutigen hysterischen Auswüchse.
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    1. Antwort von gerhard Himmelhan, 3904 naters
      Steiner, im Teer befinden sich unheimlich viele Krebserregende Substanzen, ebenso im Zigarettenrauch. Wollte man den Teer "umweltfreundlich" machen bleibt fast nichts mehr übrig. Und was ist mit dem Feinabrieb auf den Strassen von den Autoreifen z.B. von Autorennen, den blässt der Wind in die Gegend. Ich glaube auch allmählich wir sitzen auf dem absteigenden Ast. Gruss
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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Unsere Kinder Spielen auf der Asphalt strasse und nun wird bekannt, dass dieser krebserregend ist? Was ist eigendlich los mit unseren Behörden, für was zahlen wir diesen Köpfen überhaupt noch den Lohn mit unseren Steuern? Es kotzt mich immer mehr an, mit jeder neuen negativen Nachricht, welche der Bund die Bevölkerung nicht informiert oder sachen Verschweigt.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Und PAK in Reifen? Denke, dass die Motoren der Fahrzeuge die den Belag durchwalken höher ist. Vor allem hierzulande, wo primär Dieselfahrzeuge generell dichte russschwarze Wolken ausstossen. Alle wundern sich, wieso in Ballungsgebieten Kinder und Betagte oft an Atemwegsproblemen leiden. Dafür wurde per Dekret ein restriktives Rauchverbot eingeführt. Aus toxischen Mücken macht man Elefanten und toxische Elefanten werden mangels wirtschaftlich/politischer, technischer Machbarkeit verunglimpft.
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    1. Antwort von D. Schelbert, Kt ZG
      T. Käppeli Guatemala, schwarze Dieselruss-Wolken sind primär weniger schädlich als Feinstaub der aus den sauberen mit Kat. versehenen Auspuffanlagen raus kommt. Der Mensch kann grössere Partikel systembedingt wegfiltern, bevor sie durch die hinteren Atmungsorgane in die Lunge gelangen. Fein- und Feinstpartikel jedoch gehen durch. Nano-Partikel gelangen sogar durch die Haut in die Blutbahnen. .
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