Neuer Rekord: Referenzzinssatz sinkt auf 1,75 Prozent

Gute Nachrichten für Mieter: Der Referenzzinssatz sinkt erstmals seit September 2013 um 0,25 Prozentpunkte auf rekordtiefe 1,75 Prozent. Dieser Satz gilt ab morgen für die Mietzinsgestaltung in der ganzen Schweiz. Mieterinnen und Mieter können einen Senkungsanspruch von 2,91 Prozent geltend machen.

Mieterinnen und Mieter in der Schweiz können mit einer Senkung der Mietzinsen rechnen: Der Referenzzinssatz zur Berechnung der Mieten sinkt von 2 Prozent auf rekordtiefe 1,75 Prozent. Dies teilt das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) mit.

Es ist das erste Mal seit September 2013, dass der Referenzzinssatz sinkt. Der Rückgang war angesichts der Zinsentwicklung erwartet worden. Der neue Referenzzinssatz gilt ab dem 2. Juni 2015.

Wegen der Senkung ergibt sich für Mieter im Grundsatz, dass sie eine Reduktion der Mieten um 2,91 Prozent verlangen können. Im Einzelfall hängt die Anpassung davon ab, wann die letzte Mietzinsreduktion vorgenommen wurde.

Das Bundesamt weist darauf hin, dass weitere Senkungs- und Erhöhungsansprüche geltend gemacht werden können. Diese betreffen auf Seiten der Mieter vorherige, nicht weitergegebene Reduktionen des Referenzzinssatzes. Vermieter hingegen können höhere Unterhaltskosten geltend machen oder 40 Prozent der Jahresteuerung anrechnen.

Mieterverband verlangt tiefere Mieten

Der Schweizerische Mieter- und Mieterinnenverband (SMV) hatte bereits im Vorfeld gefordert, die Vermieter müssten bei einer Reduktion des Referenzinssatzes die Mieten senken. Ein Grossteil der Zinsersparnisse bleibe in den Taschen der Vermieter, kritisierte der SMV im März.

Der Hauseigentümerverband (HEV) hatte damals jedoch darauf verwiesen, dass auch bei einer Reduktion des Referenzzinssatzes die Vermieter die Mietzinsen nicht in jedem Fall senken müssen: Denn gemäss Gesetz besteht nur dann ein Senkungsanspruch, wenn aufgrund der Referenzzinsreduktion mit dem bestehenden Mietzins ein übersetzter Ertrag erzielt wird.

Mietwohnungen in Zürich. (keystone)

Bildlegende: Der neue Zinssatz gilt ab 2. Juni 2015. Grundsätzlich kann ab dann eine Mietzins-Reduktion verlangt werden. Keystone

Referenzzinssatz im Sinkflug

Für die Mietzinsgestaltung wird in der Schweiz seit dem 10. September 2008 auf einen einheitlichen hypothekarischen Referenzzinssatz abgestellt. Dieser ersetzte den in den einzelnen Kantonen früher massgebenden Zinssatz für variable Hypotheken.

Seit der Einführung ist der Referenzzinssatz noch nie gestiegen. 2008 lag er noch bei 3,5 Prozent, danach sank er immer weiter. Seit September 2013 war er bei 2 Prozent verharrt. Der nächste Referenzzinssatz wird am 1. September 2015 publiziert.

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Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Tiefe Zinsen – tiefe Mieten

    Aus Tagesschau vom 1.6.2015

    Der Referenz-Zinssatz liegt auf einem neuen Rekordtief. Mit dem neuen Wert von 1.75 Prozent können viele Mieter mit tieferen Mietzinsen rechnen.

  • Theoretisch können Mieterinnen und Mieter ab sofort eine dreiprozentige Mietzinssenkung verlangen.

    Tiefer Referenzzinssatz - Hoffnung auf Mietzinssenkungen

    Aus Rendez-vous vom 1.6.2015

    Der Referenzzinssatz, an dem sich die Höhe der Wohnungsmieten orientiert, sinkt um ein Viertel Prozentpunkt auf ein Rekordtief von 1.75 Prozent. Mieterinnen und Mieter können nun bei den Hausbesitzern eine Mietzinsreduktion einfordern.

    Anna Lemmenmeier

  • Michael Töngi und Hans Egloff.

    Kontroverse zur Senkung des Referenzzinssatzes

    Aus Rendez-vous vom 1.6.2015

    Sind Hausbesitzer bereit, die Mietzinssenkungen weiterzugeben? Fordern die Mieterinnen und Mieter die Reduktion auch ein? Zu Gast bei Elisabeth Pestalozzi sind Hans Egloff, Präsident des Hauseigentümerverbands und Michael Töngi, Generalsekretär des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieter-Verbands.