Neuer Versuch auf Augenhöhe

In der Schweiz gibt es zu wenige Standplätze für Fahrende. Nach einem Eklat zwischen Fahrenden und Behörden im vergangenen Herbst scheint eine Lösung des Problems nun unter einem besseren Stern zu stehen.

Aufnahme von Wohnwagen auf einer Wiese, im Hintergrund stehen Bäume.

Bildlegende: Gibt es bald eine Lösung für das Platzproblem? Bund und Fahrende starten einen neuen Versuch. Keystone/Archiv

Der Bund versucht das Problem des Mangels an Standplätzen für Fahrende zu lösen. Nach einem ersten gescheiterten Versuch verlief ein neues Gespräch zwischen Behördenvertretern und Fahrenden nun konstruktiver.


Fiona Wigger vom BAK zum Treffen mit den Fahrenden

3:58 min, aus SRF 4 News aktuell vom 04.03.2015

«Es war wichtig, dass wir auf die Forderung nach einer paritätischen Vertretung eingetreten sind», sagt Fiona Wigger vom Bundesamt für Kultur. Neu besteht die Gesprächsgruppe je zur Hälfte aus Fahrenden und Vertretern der Behörden. «So konnten wir diese Sitzung auf Augenhöhe eröffnen.»

Erste Sitzung aus Protest verlassen

Der Bundesrat hatte sich im vergangenen Sommer bereiterklärt, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um Fahrenden in der Schweiz eine ihrer Kultur entsprechende Lebensweise zu ermöglichen. Doch an einem ersten Treffen zwischen Behördenvertretern und Fahrenden im vergangenen November fühlten sich diese untervertreten. Sie verliessen die Sitzung unter Protest.

Das Platzproblem stehe im Zentrum der Diskussionen der Arbeitsgruppe, so Wigger. «Die Reisesaison fängt wieder an, am liebsten hätten die Fahrenden schon diesen Sommer mehr Plätze.» Um aber auch mittel- und langfristig eine Lösung für das Problem zu finden, brauche es zunächst eine Bedarfserhebung.

Unbeliebte Plätze in entlegenen Regionen

In der Schweiz gibt es rund 60 Plätze für Fahrende. Allerdings sind nicht immer alle besetzt. Einige dieser Plätze lägen in entlegenen Regionen der Schweiz, sagt Wigger. Für Fahrende, die auf Kundschaft in unmittelbarer Nähe angewiesen sind, seien diese Plätze nicht sehr attraktiv.

Die Arbeitsgruppe soll nun ermitteln, wie viele neue Plätze nötig sind. «Wir werden das mit den Direktbetroffenen analysieren», so Wigger. «Denn nur sie können abschätzen, wie viele Plätze in welchen Regionen nötig sind, damit sie nicht stundenlang nach einem nächsten Rastplatz suchen müssen.»

Zwei Projektgruppen

Die Arbeitsgruppe, die sich mit der Platznot beschäftigt, soll bis Ende 2015 einen Aktionsplan erarbeiten. Eine zweite Gruppe, die sich mit den Themen Kultur, Sprache, Soziales und Bildung befasst, trifft sich am 11. März zum ersten Mal. Die Gruppen bestehen aus 14 Fahrenden und 14 Vertretern von Bund, Kantonen und Gemeinden.