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Neues Hilfsmittel für Ärzte Mehr Sicherheit für die kleinen Patienten

Wie Medikamente für Kinder dosieren, die nur für Erwachsene getestet wurden? Eine neue Datenbank klärt auf.

Legende: Audio Die richtige Medikamentendosierung für Kinder: Eine Datenbank soll helfen abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
01:54 min, aus HeuteMorgen vom 04.04.2018.

Wie dosieren? Diese Frage hat Ärztinnen und Ärzte bisher beschäftigt, wenn sie Kindern und Jugendlichen Medikamente verabreichen wollten, die nur an Erwachsenen klinisch getestet worden sind. Ist die Dosis zu tief, wirkt das Medikament nicht wie gewünscht, ist die Dosis zu hoch, droht eine Vergiftung. In diesem Dilemma befinden sich die Ärzte.

Um einen Ausweg zu finden, haben sich die acht grössten Kinderkliniken der Schweiz mit den Fachgesellschaften der Apothekerinnen und der Kinderärzte zusammengesetzt und den Verein «SwissPedDose» gegründet. Basierend auf ihrem Wissen sind Empfehlungen zur Dosierung entstanden, die vom einfachen Schmerzmittel über Antibiotika bis hin zu opioiden Schmerzmitteln reichen.

Eine Erwachsener führt einem Mädchen eine Polle zum Mund. (colourbox)
Legende: «SwissPedDose» ist ein fachübergreifendes Projekt, das eine alte Forderung aus der Kinder- und Jugendmedizin wahr macht. Colourbox

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Präsident des Vereins ist der Kinderarzt und Infektiologe Christoph Berger, der am Universitäts-Kinderspital Zürich arbeitet. Er erklärt: «Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie haben einen anderen Stoffwechsel und einen anderen Krankheitsverlauf.»

Die Dosis könne nicht einfach anhand des Gewichts des Kindes heruntergerechnet werden. Der Verein habe sich deshalb unter Fachleuten ausgetauscht und sich so auf konsolidierte Empfehlungen geeinigt. Denn Medikamentenstudien für Kinder existierten kaum.

Die Datenbank steht Ärztinnen und Ärzten nun kostenlos zur Verfügung. Sie finden gut 100 Empfehlungen zu rund 30 Wirkstoffen, unterteilt nach Symptomen, Altersgruppen und Art der Verabreichung.

Lob für Datenbank

Die Empfehlungen erhöhen die Medikamentensicherheit für Kinder. Medikationsfehler sind bei ihnen häufiger als bei Erwachsenen. Deshalb begrüssen etwa die Schweizerischen Patientenstellen das Projekt. Von der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften ist «SwissPedDose» bereits vor dem Start Anfang Monat als «best practice» in der interprofessionellen Zusammenarbeit ausgezeichnet worden.

Bund und Kantone haben das Projekt mitgetragen. Gestartet ist es im Jahr 2013 mit Abklärungen zur Machbarkeit. Ein Pilotversuch folgte, der bis Ende März gedauert hat. Ziel ist es, die Datenbank bis ins Jahr 2021 um weitere Empfehlungen für mindestens 100 Wirkstoffe zu ergänzen. Der Bund hat «SwissPedDose» mit 3,4 Millionen Franken unterstützt.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Gurzeler (B.Gurzeler, alias Rollstuhlrocker)
    Ein ganz bescheidene Frage, leben wir jetzt im Jahr 2018 !!!!
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Eine solche Datenbank kann sicher nützlich sein. Das enthebt uns nicht davon, dass mit wenigen Ausnahmen, wo präzise dosiert werden muss und die Einnahmezeiten strikte eingehalten auch auch hier so wenig wie nötig zu verabreichen. Die Tendenz der Schulmedizin therapeutische Massnahmen auf die Medikamentengabe/einnahme zu reduzieren ist zu hinterfragen. Die Suche und das Bemühen nach den vielen valablen Möglichkeiten, die es in der Heilkunde gibt zu fördern....
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  • Kommentar von Nicola Harrison (Nicola Harrison)
    Der Schlüssel zu Gesundheit wird durch die Aufrechterhaltung der alkalischen Körperflüssigkeiten durch die Eliminierung von metabolischen, diätetischen, umweltbedingten und respiratorischen sauren Abfällen erreicht. Es gibt nur eine Krankheit nämlich die Übersäuerung des Blutes und dann der Gewebe. Das Heilmittel für Krankheiten findet sich in seiner Prävention NICHT in seiner Behandlung. Befähigung durch Bildung statt Medikamente! damit Menschen mit Verantwortung handeln.
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    1. Antwort von Matthias Krähenbuehl (Mattthecrow)
      Klingt toll. Verfassen Sie doch einen wissenschaftlichen Artikel mit Ihren Hypothesen. Wer weiss, vielleicht gewinnen Sie damit den Nobelpreis in Medizin.
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    2. Antwort von A. Vögeli (avoegeli)
      Der pH des Blutes lässt sich übrigens sehr einfach messen. Wenn Sie das nächste Mal krank sind, dann lassen Sie sich doch dahingehend untersuchen. Die meisten Erkrankungen gehen nämlich ohne Säure-Basen-Störungen einher.
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    3. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Herr Vögeli, PH-Messung des Blutes gibt noch keine Auskunft, wie es den verschiedenen 'Flüssigkeits'-kompartimenten zwischen und in den Zellen ausschaut, da der Körper das Blut via Atmung und Niere möglichst 'stabil' zu halten weiss. Oberstes Ziel ist es das Blut innerhalb eines gewissen PH-Wertes zu halten. Zellprozesse brauchen eine PH-Band-Breite, die weder unter, noch überschritten werden sollte, sicher nicht dauerhaft, da sonst das gute Funktionieren nicht mehr gewährleistet ist.
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    4. Antwort von Beat Gurzeler (B.Gurzeler, alias Rollstuhlrocker)
      Herr Vögeli: Dazu brauchen Sie keinen Arzt, das Hilfsmittel bekommen Sie in der Apotheke , das mache ich schon seit Jahren.
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