Zum Inhalt springen

Schweiz Neues Sorgerecht: Behörden fordern Verschiebung

Die Schweizer Vormundschaftsbehörden beklagen «akute Überlastung». Sie fordern den Bundesrat in einem Brief auf, die Inkraftsetzung des neuen Sorgerechts auf 2015 zu verschieben. Sonst drohe eine «Vollzugskrise». Väter-Organisationen sprechen gegenüber «10vor10» von einem Skandal.

Legende: Video Gemeinsames Sorgerecht abspielen. Laufzeit 4:11 Minuten.
Aus 10vor10 vom 28.10.2013.

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden sind am Anschlag: Sie fordern den Bundesrat auf, das neue Sorgerecht nicht wie geplant auf den 1.1.2014 einzuführen.

Schreiben der Konferenz der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden.
Legende: «10vor10» liegt das Schreiben vor: Die Konferenz der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden beklagt «akute Überlastung». srf

Im Schreiben, das «10vor10» vorliegt, beklagt die Konferenz der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KOKES) «akute Überlastung» und fordert mehr Zeit.

«Wenn man ein Gesetz in Kraft setzt, muss man auch sicherstellen, dass der Vollzug möglich ist», sagt dazu der Basler Regierungsrat und KOKES-Vorstand Christoph Brutschin. Der Sozialdemokrat fordert «seine» SP-Bundesrätin Sommaruga auf, die Inkraftsetzung um ein Jahr zu verschieben.

Väter-Organisationen: «Das ist ein Skandal!»

«Das ist ein Skandal», sagt Oliver Hunziker vom Verein verantwortungsvoll erziehende Väter und Mütter (VeV). Hunziker kämpft seit Jahren für die Rechte von geschiedenen Vätern.

«Väter und Kinder sind schon so lange am Warten, es muss jetzt vorwärts gehen», so Hunziker. Wenn die Behörden wirklich so überlastet seien, dann müssten sie mehr Ressourcen erhalten.

Hunziker hatte Bundesrätin Simonetta Sommaruga 2011 tonnenweise Pflastersteine schicken lassen, um Druck für das neue Sorgerecht zu machen.

Behörden: «Wir sind schweizweit am Anschlag»

Das Schweizer Vormundschaftswesen wurde auf den 1.1.2013 völlig neu organisiert. «Diese Reform ist eine Riesenherausforderung», sagt Patrick Fassbind von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde des Kantons Bern.

Auch der Kanton Bern befürwortet eine Verschiebung der Inkraftsetzung. Alleine im Kanton Bern hätten sich seit Anfang 2013 über 12‘000 Überstunden angehäuft. «Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden sind schweizweit am Anschlag», betont Fassbind. Man dürfe das System jetzt nicht überladen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

35 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Claudia Dolfi, Baden
    Die KESB Winterthur beklagt sich über 2000 Überstunden auf rund 40 Personen resp. Stellen verteilt in 10 Monaten. Das macht gut 1 Std/Woche... Ist zwar nicht ideal aber in der Privatwirtschaft nicht der Rede wert... sowas schreib ich nicht mal als Überstunden auf und andere arbeiten zum Vornhinein 45 Stunden p. Woche! Und das vorübergehend nach einer Reorganisation... also bitte, schämt euch deswegen eine Verschiebung der gemeinsamen elterlichen Sorge zu verlangen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von E. Battista, Bern
      ....da kann man nur beipflichten! Danke für diesen Beitrag. Es liegt die Vermutung nahe, dass da wohl noch eine andere Motivation dahinter stecken muss.....Schelm, wer mangelnde Überzeugung, oder sogar budgetpolitisches Kalkül hinter dem Verschiebungsbegehren vermutet. Spricht für sich, welche Priorität diese Organe dem Anliegen beimessen - bedenklich unter dem Aspekt, dass diese auch massgeblich für gerechte Regelungen verantwortlich sind....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von E. Naef, Henau
    Wenn der Vater sich vor der Trennung nicht um die Kinder gekümmert hat, weshalb soll er es danach wollen? Ist das nicht eine Machtdemonstration aus einem Frust der Ex-Frau gegenüber? Die alten Bilder, der Mann arbeitet und der Frau schaut zu den Kindern und ordnet sich dem Manne unter - Entschuldigung, das macht nur eine Frau, der mit Respekt und Achtung begegnet wird und hat kaum einen Grund sich zu trennen. Männer, überlegt vorher wie ihr euren 'Lieben' begegnet, bevor es zu spät ist!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Claudia Dolfi, Baden
    Ein Grossteil der Arbeit wird bei den Gerichten anfallen und nicht bei den Kindsschutzbehörden. Und in vielen Fällen werden keine ernsthaften Gründe gegen die gemeinsame Sorge vorgebracht werden. Sollen diese Kinder und Väter nun alle warten? Soll weiterhin nach altem Recht entschieden werden, nur um 1 Jahr später wieder ein Verfahren anzuzetteln? In wessen Interesse soll das denn sein? Das entlastet bestimmt auch keine Behörde und schon gar nicht die Beziehung zwischen den Eltern!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Matthias Müller, Winterthur
      Genauso ist es, Frau Dolfi. Die meisten Fälle werden bei den Gerichten landen, weil dort die Gesuche der Väter behandelt werden, die das Sorgerecht "automatisch" bei der Scheidung verloren haben. Und überhaupt: Bei der vorliegenden Gesetzesreform steht das Wohl von Kindern (!!!) im Zentrum und nicht das wohlige Gefühl von Mandatspersonen und den Kesberados. Kinder können nichts für die suboptimalen Rahmenbedingungen, aber sie sollen auch nicht die Konsequenzen tragen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen