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Kosten im Gesundheitswesen Nicht jeder erhält teure Medikamente

Legende: Audio Kostentreiber im Gesundheitswesen: Hepatitis-C-Medikament. abspielen. Laufzeit 1:53 Minuten.
1:53 min, aus HeuteMorgen vom 17.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Immer häufiger werden Medikamente limitiert. So werden teure Präparate gegen Hepatitis C nur dann in der Grundversorgung bezahlt, wenn die Krankheit fortgeschritten ist.
  • Fünf Milliarden Franken würde es kosten, wenn in der Schweiz alle Menschen, die mit Hepatitis C infiziert sind, das teure Medikament erhalten würden. Die Krankenkassenprämien müssten um etwa zehn Prozent steigen.
  • «Ich halte die Medikamentenpreise für absolut unzulässig», kritisiert Erika Ziltener, Präsidentin der Zürcher Patientenstelle.

Medikamente gegen Hepatitis C sind teuer, sehr teuer. Bis zu 60'000 Franken kostet eine Therapie. Deshalb hat das Bundesamt für Gesundheit schon länger entschieden, dass nicht alle, die mit Hepatitis C infiziert sind, eine Behandlung von der Grundversorgung bezahlt bekommen. Sondern nur jene, bei denen die Krankheit schon fortgeschritten ist.

Dass ein Medikament derart teuer ist und für gewisse Leute aus der Grundversorgung gestrichen wird, ist kein Einzelfall. Immer häufiger werden Arzneimittel limitiert.

BAG: Kostenexplosion verhindern

Fünf Milliarden Franken – so viel würde es kosten, wenn in der Schweiz alle Menschen, die mit Hepatitis C infiziert sind, das teure Medikament erhalten würden. Die Krankenkassenprämien müssten um etwa zehn Prozent steigen.

Deshalb, sagt Daniel Bach, Mediensprecher des Bundesamts für Gesundheit, sei eine Limitierung unumgänglich – bei immer mehr Medikamenten: «Derzeit steigt die Zahl der Limitierungen».

«Absolut unzulässige Medikamentenpreise»

Inzwischen sind über 600 Arzneimittel mit einem sogenannten «limitatio» versehen, darunter zum Beispiel das Präparat zur Therapie von Hepatitis C oder Krebsmedikamente. Es geht dabei jedoch nicht immer darum, dass ein Medikament zu teuer ist, sondern auch darum, dass nicht alle Medikamente für alle Patienten geeignet sind. Patienten, die keine Zusatzversicherung haben, müssen Behandlungen selber bezahlen oder auf ein Generikum ausweichen.

Dass Medikamente so teuer sind und deshalb nicht mehr bei allen Patienten übernommen werden können, das dürfe nicht sein, kritisiert Erika Ziltener, Präsidentin der Zürcher Patientenstelle.

Statt teure Medikamente zu limitieren, müsse die Preispolitik der Pharmaindustrie angepasst werden, fordert Ziltener: «Ich halte die Medikamentenpreise für absolut unzulässig. Und es kann natürlich nicht sein, dass ein hoher Preis festgesetzt wird, dieser als sakrosankt angenommen wird, und dann rechnet man hoch, was die Medikamente kosten würden.»

«Wir müssen generell stärker limitieren»

Ganz anders die Meinung von Gesundheitsökonomen. Stefan Felder findet es sinnvoll, immer mehr Medikamente zu limitieren. Nur so könne man die stetig wachsenden Gesundheitskosten abbremsen: «Wir geben immer mehr für Gesundheit aus. Das heisst wir müssen generell stärker limitieren. Also bestimmte Leistungen ausschliessen. Und bei Medikamenten eben auch klar definieren, wer hier die Verschreibung bekommen soll und wer nicht.»

Solange die Medikamentenpreise weiter steigen, nimmt also auch die Zahl der Limitierungen weiter zu.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Häfliger (kurto1956)
    Wenn man noch weiss, dass die realen Kosten einer Pille bei ein paar Dollar liegen nimmt die ganze Abzocke Orwellsche Züge an! Der CEO der Pharma Gilead welche den Wirkstoff vor einigen Jahren von einem kleinen Player aufgekauft hat verdient im Jahr weit über 150 Mio!, einfach krank und pervers! Betroffene Patienten gehen nach Indien und bezahlen 5% unseres Preises. Hätten wir eine Einheitskasse könnte viel mehr Druck aufgebaut werden. Was tut BR Berset dagegen? Nichts!
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  • Kommentar von Walter Mathys (wmathy)
    Solange ich meine Kasse selber bezahlen kann, darf ich auch erwarten, dass ich das passende Medi verschrieben bekomme. Nur, die Preise sind eben horrend teuer was man zuerst hinterfragen sollte.
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  • Kommentar von Florian Kleffel (Hell Flodo)
    Es gibt nur eine Lösung: die Einheitskrankenkasse. Wer jetzt wieder "Sozialismus!" schreit und Wettbewerb fordert, der erkläre, inwiefern eine Verwaltung teurer sein soll als über 50 Verwaltungen. So schlecht können Beamte gar nicht arbeiten. In Bezug auf die Medikamentenpreise hat Australien vor kurzem bewiesen, dass der Staat billigere Preise erreichen kann als einzelne Kassen. Monopole sind bei gewinnorientierten Unternehmen schlecht, aber Wettbewerb ist nicht überall sinnvoll!
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