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Pflanzenschutzmittel im Visier Nicht mehr so heikel, bitte!

Ganz ohne Chemie gehts noch nicht. Der Bund will aber weniger Risiko. Unkrautroboter und Konsumenten sollen mithelfen.

Legende: Audio «Bundesrat will Flüsse und Seen vor Pestiziden schützen» abspielen. Laufzeit 7:28 Minuten.
7:28 min, aus Echo der Zeit vom 06.09.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Risiken beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) sollen halbiert und Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz gefördert werden.
  • Ziel des bundesrätlichen Aktionsplans ist der sparsamere PSM-Einsatz. Roboter und Drohnen sollen dazu beitragen, aber auch verschärfte Anwendungsvorschriften.
  • Laut Bundesrat wären die Erträge ohne PSM heute deutlich geringer. Ein Verzicht sei auch wegen der hohen Qualitätsansprüche nicht möglich. Konsumenten könnten also mithelfen.

Der vom Bundesrat verabschiedete Aktionsplan hat klare Ziele: Die PSM-Einträge in die Gewässer sollen reduziert und im Boden nur langsam abbaubare Mittel sparsamer eingesetzt werden.

Die Landesregierung geht davon aus, dass mit modernen Spritzgeräten und mechanischer Unkrautbekämpfung durch Roboter die Pflanzenschutzmittel weiter reduziert werden können. Zur den Strategien gehört die Züchtung robuster Kultursorten.

Schärfere Vorschriften und Weiterbildung

Der Bundesrat stellt fest, dass die heute bereits zahlreich umgesetzten Massnahmen nicht ausreichen, um die ambitiösen Ziele zu erreichen. Zum besseren Schutz der Gewässer gegen die Abschwemmung von PSM sollen deshalb auch die Anwendungsvorschriften verschärft werden. Weiterbildungskurse sind ebenso vorgesehen wie eine regelmässige Beratung, um alle Beteiligten auf dem neuesten Wissensstand zu halten.

Die Produzenten haben oft keine andere Wahl, als Kulturen und Erntegüter vor Qualitätseinbussen mit PSM zu schützen.
Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF

Ein vollständiger Verzicht auf PSM sei heute weder in der Integrierten noch in der Biologischen Produktion möglich, betont die Landesregierung. Ohne Pflanzenschutz würde die schweizerische Landwirtschaft wesentlich weniger Lebensmittel produzieren.

Auch wichtig: Mehr Toleranz und kluge Wahl beim Einkauf

Auch seien die Anforderungen an die Qualität der Früchte, Gemüse und Blumen heute sehr hoch. Entsprechend könnten auch die Konsumentinnen und Konsumenten ihren Teil für weniger PSM beitragen: Indem sie bezüglich Qualität und Ästhetik von Lebensmitteln toleranter werden und sich etwa für Früchte und Weine entscheiden, die weniger krankheitsanfällig sind.

Die Konsumenten können mithelfen, indem sie gegenüber Qualität und Ästhetik von Lebensmitteln toleranter werden.
Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF

Der Aktionsplan soll nun laufend an die neuen Erkenntnisse angepasst werden. Eine verstärkte Forschung nach alternativem Pflanzenschutz soll mittelfristig die PSM-Risiken vermindern. Diverse Umweltbeobachtungsprogramme sollen die Fortschritte aufzeigen. Ein erster Bericht soll in sechs Jahren erstellt werden.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Hier wurden sicher keine Bio-Bauern gefragt. Schweint ein Werbspot der Agro-Chemie zu sein. Dass Aussehen und Qualität von Gemüse in einen Topf geworfen wird, zeigt, dass diesen Lobbyisten nicht bewusst ist, dass gute Qualität eben oft bei schlecht aussehenden Früchten und Gemüsen vorhanden ist.
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Ich soll bezüglich Qualität der Lebensmittel "toleranter" werden. Ganz entschieden nein: Das Aussehen ist nicht wichtig, aber am Geschmack und an der Bio-Qualität mache ich ganz sicher keine Abstriche. Hier soll der Mark spielen. Der Bauer, der sich Mühe gibt, wird gut verkaufen. Keine staatliche Unterstützung für "Glunge-Buure", die uns mit staatlichem Rückenwind ihre verfaulten Kartoffeln andrehen wollen!
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  • Kommentar von Andreas Schweingruber (Liberarum)
    wen dem Kunden keine 2.Klassware angeboten wird, kann er sie auch nicht kaufen. Viele wären dazu bereit !
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    1. Antwort von W Streuli (Wernu)
      ich schliesse mich der Meinung von ®Hr.A Schweingruber vollends an.Es stellt sich dann nur die Frage,wer sind die Kunden,die z.B nur den perfekt glänzenden Apfel wollen.Mein Wunsch wäre eine schrittweise Rückkehr zum Bio Landbau und Förderung von alten Apfel Sorten
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