Niemand möchte die Alpwirtschaft missen

Fünf Jahre lang haben sich mehrere Dutzend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Alpwirtschaft auseinandergesetzt. Nun haben sie die Resultate ihres Projekts «Alp Futur» vorgestellt. Das Fazit ist positiv.

Die Alpwirtschaft

«Die Alpwirtschaft steht zwischen Tradition und Moderne – und sie verbindet diese zwei Aspekte gut», sagt der Agronom Felix Herzog von Agroscope. Er gehört zum Leitungsteam des Projektes «Alp Futur». Es ist dies die erste umfassende Standortbestimmung der Schweizer Alpwirtschaft seit über 30 Jahren.

In der Landwirtschaft sei die Alpwirtschaft sowieso gut verankert. Aber auch in den Städten erhalte sie grosse Unterstützung, wie Befragungen ergeben hätten, erklärt Herzog weiter.

Äusserst beliebter Alpkäse

Dies zeigt sich unter anderem am grossen Interesse an Alpkäse: Mehr als 5200 Tonnen Rohmilchkäse werden in den 7000 Schweizer Alpbetrieben hergestellt und oftmals direkt vermarktet. Das sind fast 20 Prozent mehr Alpkäse als noch vor zehn Jahren. Dafür verantwortlich sind rund 17'000 Sennerinnen und Senner, welche die Alpbetriebe im Angesicht ihres Schweisses bewirtschaften.

Der Alpbetrieb in der Schweiz ist für die Landwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftszweig: Jeder zweite Schweizer Bauer schickt seine Tiere im Sommer auf die Alp. Dadurch könnten in der Schweiz zehn Prozent mehr Tiere gehalten werden, sagt Agronom Herzog. Und sie erhielten erst noch Gras und Kräuter statt Kraftfutter, fügt er an.

280 Millionen Franken erwirtschaftet

Tatsächlich weiden in den Bergregionen der Schweiz jeden Sommer 400‘000 Kühe, Rinder und Kälber, 210‘000 Schafe sowie Pferde, Ziegen, Lamas und weitere Wiederkäuer. Diese Zahlen ergab die Erhebung im Rahmen von «Alp Futur».

Das Gras der Alpen wird so zur Erzeugung von Milch, Käse und Fleisch genutzt. Die 4655 Quadratkilometer Sömmerungsweiden in den Alpen und im Jura entsprechen einem Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche der Schweiz oder elf Prozent der Landesfläche.

Kühe erklimmen den schmalen und steilen Treppenweg auf die Alp.

Bildlegende: Alpaufzug auf die Engstligenalp ob Adelboden BE. Keystone

Die Alpbetriebe erwirtschaften jedes Jahr 280 Millionen Franken. Das entspricht elf Prozent des Einkommens der Landwirtschaftsbetriebe. In den Bergregionen erreicht dieser Anteil sogar ein Drittel.

Unrentable Alpen werden nicht mehr genutzt

Allerdings kämpft die Alpwirtschaft auch mit Problemen: Manchenorts lohnt sich die Bewirtschaftung von weniger produktiven Alpweiden nicht mehr. Jedes Jahr werden deshalb Sömmerungsweiden mit einer Fläche des Walensees (rund 2400 Hektaren) zu Wald.

Die neue Agrarpolitik, die am 1. Januar 2014 in Kraft tritt, habe die von «Alp Futur» aufgeworfenen Probleme der Unternutzung erkannt und erstmals Massnahmen zur Bekämpfung der aufkommenden Vergandung und Verbuschung getroffen, schreibt Agroscope in einer Medienmitteilung.

Die Herausforderung bestehe darin, Bewährtes weiterhin zu ermöglichen und den gut funktionierenden Betrieben ihre Freiheiten zu lassen, gleichzeitig aber Fehlentwicklungen zu begegnen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Die Alpkühe der Alp Hinterfeld im Meiental am Sustenpass im Kanton Uri werden am frühen Morgen des 14. September 2013 für den langen Alpabzug nach Wassen bereitgemacht. Symbolbild.

    Alpwirtschaft interessiert auch die Jungen

    Aus Echo der Zeit vom 1.10.2013

    Fünf Jahre lang haben Dutzende von Forschern die Tiersömmerung in der Schweiz untersucht. Diese Alpwirtschaftstudie von AlpFUTUR kommt zum Schluss: Die Alpwirtschaft ist gut im Schuss. Reportage vom Alpabzug.

    Max Akermann

  • Bauer Ernst Kübli kontrolliert seinen Alpkäse, am 15. Juli 2013, auf der Alp Horneggli im Saanenland. Symbolbild.

    AlpFutur - die Zukunft der Sömmerungsweiden in der Schweiz

    Aus Rendez-vous vom 1.10.2013

    Knorrige Älpler, stämmige Sennerinnen, würziger Bergkäse: So stellt man sich die Alpwirtschaft vor. Stimmt dieses Bild noch? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich im Forschungsprojekt «AlpFUTUR» mit den verschiedensten Aspekten der Alpwirtschaft auseinandergesetzt.

    Jetzt liegen die Resultate vor.

    Max Akermann