Kitas im Dienst von MINT Niemand zu klein, Entdecker zu sein

Der Bund fördert das Interesse an technischen und naturwissenschaftlichen Fächern nicht nur in der Schule, sondern auch in sogenannten MINT-Kindertagesstätten.

Neun Uhr morgens. In der Kita Limminäscht in Urdorf (ZH) machen sich vier Kinder in einem der Spielzimmer daran, den Tag zu erobern. In Greifweite finden sie Dinge zum Verkleiden, einen grossen Karton zum Bauen, ein Krämerladen und eine Spielküche sind auch da: Enischa verteilt allen ein Stück Holzkuchen.

Wie viele Stücke fehlen? Ist der Kuchen ganz oder halb? Spielerisch gehen Kinder und Betreuerinnen mit Stückzahlen und Grössen um. Es ist ein Zimmer, das zum Spielen einlädt. Nichts deutet auf ein spezielles Konzept hin.

Mädchen in der MINT-Kita steht in Spielküche

Bildlegende: Die Spielküche ermöglicht es, mit Kindern unzählige wissenschaftliche Fragen zu erörtern. SRF/Christine Wanner

Für Kita-Leiterin Kristina Meier ist das gut so. Denn Fragen zu MINT – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – stecken in allem, für die, die sie sehen wollen. Zum Beispiel beim Backen, erklärt sie: «Dort kann man das als Erzieherin sofort aufgreifen und mit ihnen schauen, was passiert.» Etwa wenn sie Zucker in den Teig tue: «Ist er dann schwerer als wenn ich Wasser oder Mehl reintue?», frage sie die Kinder. So könne man dieses MINT umsetzen.

Spielerisch mit Schwerkraft experimentieren

Spielerisch und unverkrampft will die Kita aufgreifen, was die Kinder interessiert. Das kann im Malzimmer sein, wo sie mit Farben und Material experimentieren, das kann aber auch im Garten oder im Musik- und Bewegungszimmer sein.

«  Dass Kinder interessiert sind, ist auf alle Fälle gegeben. Aber ob die Erwachsenen das erkennen und aufgreifen, halte ich nicht für selbstverständlich. »

Melanie Bolz
Pädagogin

Das geschehe oft spontan, sagt Meier, und erzählt von Experimenten rund um die Schwerkraft: «Die Kinder haben WC-Papierrollen, Kleber und anderen Dingen eine Röhre gebastelt und verschiedene Dinge hineingeworfen und geschaut, was schneller durch die Röhre durchgeht.» Diesen Weg zu gehen, sei auch für sie und ihr Team ein Experiment, sagt die Kita-Leiterin.

Schule und Eltern müssen Interesse wachhalten

Ihr zur Seite steht Melanie Bolz, die als Pädagogin das Projekt und die Weiterbildungen in sechs solchen MINT-Kitas geleitet hat. «Dass Kinder interessiert sind, ist auf alle Fälle gegeben», ist sie überzeugt. «Aber ob die Erwachsenen das erkennen und aufgreifen und etwas daraus machen, halte ich nicht für selbstverständlich.»

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Bildlegende: Spielerisches Erwecken der kindlichen Neugier an MINT ist in der Urdorfer Kita zentral. SRF/Christine Wanner

Denn oft seien Kita-Mitarbeitende junge Frauen, die wohl nicht die technischen und mathematischen Fächer als ihre liebsten bezeichnen würden. Sie müssten deshalb selbst erst den Blick dafür entwickeln. Doch reicht das, damit künftig wieder mehr Ingenieurinnen, Techniker, Naturwissenschaftlerinnen oder Informatiker ihr Ausbildung abschliessen?

Eine MINT-Kita sei ein Anfang, heisst es bei den Schweizerischen Akademien der Technischen Wissenschaften. Doch müssten Schule und Elternhaus das Interesse wachhalten und vor allem den Bezug zum Alltag schaffen – durch Basteln, Werken, Reparieren, Bäche stauen, Brücken bauen – ohne Theorie und Formeln. Einfach spielerisch.