Stromknappheit im Winter Nur knapp am Blackout vorbeigeschrammt?

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Februar dieses Jahres geht als historischer Monat in die Schweizer Stromgeschichte ein.
  • Noch nie wurde in einem Monat so wenig Strom produziert – gleichzeitig erreichte der Import einen Höchststand.
  • Die Behörden kamen ob der Strom-Situation ziemlich ins Schwitzen.
  • Wer weiss, wie die Sache ausgegangen wäre, hätte sich der Februar wettermässig nicht als deutlich zu mild präsentiert.

Dass der Februar 2017 zum Energie-Rekordmonat geworden ist, hat viel mit der Entwicklung im Monat davor zu tun. Mit Beznau I und Leibstadt waren im Januar gleich zwei Atomkraftwerke ausser Betrieb.

Teuren Strom nach Frankreich verkauft

Zu den Ausfällen von zwei AKWs in der Schweiz kamen weitere Sonderfaktoren dazu. So habe eine grosse Kälte geherrscht, ausserdem seien auch in Frankreich 20 Atomkraftwerke abgeschaltet gewesen, erinnert sich Renato Tami, Geschäftsführer der Elektrizitätskommission Elcom. Sie wacht im Auftrag des Bundes über die Versorgungssicherheit im Strombereich.

Dies führte dazu, dass in Frankreich akute Stromknappheit herrschte und die europäischen Strompreise massiv in die Höhe schnellten. Die Schweizer Stromproduzenten liessen sich diese Gelegenheit nicht entgehen: Die Speicherkraftwerke liessen in grossen Mengen Wasser aus ihren Stauseen durch die Turbinen und exportierten den teuren Strom vor allem nach Frankreich.

Leere Speicherseen in der Schweiz

Das hatte Folgen. «Der Füllstand der Speicherseen erreichte im Januar einen historischen Tiefststand», so Patrick Mauron von der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid, die das Höchstspannungsnetz in der Schweiz betreibt.

Fast leerer Stausee (Grimsel) im Hintergrund, im Vordergrund ein Strommast.

Bildlegende: Fast leere Staubecken an der Grimsel sorgten schon im Mai 2011 für Aufsehen. Imago Archiv

Das wiederum löste bei der Elcom Nervosität aus. «Wir hatten ein Problem, das sich in Bezug auf die Sicherstellung der Stromversorgung anbahnte», sagt Tami. Die Elcom habe deshalb Anfang Februar die Marktakteure zusammengerufen und sie an ihre Rolle bei der Versorgungssicherheit erinnert. Die Öffentlichkeit hat von all dem kaum etwas mitbekommen.

Erst jetzt zeigen neueste Zahlen des Bundesamtes für Energie zum Monat Februar, wie prekär die Situation damals gewesen ist: Nur gerade rund 3500 Gigawattstunden Strom haben Schweizer Kraftwerke produziert, so wenig wie noch nie in einem Monat. Im Februar 2016 waren es fast 1500 Gigawattstunden mehr gewesen. Trotzdem kam es diesen Februar aber nicht zu Stromausfällen.

Warmer Februar und rekordhohe Importe

Zum einen ist das dem vergleichsweise warmen Februar zu verdanken, wie der Elcom-Experte ausführt. Zudem sei das System «verhältnismässig robust». «Das erlaubt uns, bei solch aussergewöhnlichen Situationen sehr hohe Importe zu tätigen», so Tami.

Tatsächlich erreichten die Stromimporte im Februar 2017 denn auch einen neuen Rekord. Nie zuvor in der Schweizer Stromgeschichte war der Überschuss bei der Stromeinfuhr mit mehr als 2100 Gigawattstunden so gross.

Möglich war dies, weil sich Swissgrid auf solche Situationen vorbereitet hatte. So habe man die Kooperation mit den europäischen Stromnetzbetreibern verstärkt und optimiert sowie die Wartungsarbeiten am Schweizer Stromnetz auf den Frühling verschoben, sagt der Swissgrid-Medienverantwortliche Mauron. «So konnten wir die Netto-Importkapazität wesentlich steigern.»

Stresstest für das Schweizer Stromnetz

Ganz geheuer ist der Elektrizitätskommission die Sache dennoch nicht. Im Hinblick auf kommende Winter prüft die Elcom jetzt, wie es um die Verfügbarkeit des Netzes unter gewissen Stressfaktoren steht: «Derzeit laufen interne Berechnungen», erklärt Tami. Mögliche Szenarien seien der Ausfall grösserer Atomkraftwerke im Ausland oder grosser Schweizer Speicherseen, wie etwa der Grande Dixence im Wallis.

Hinzu kommt: Der geplante Ausbau der erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind, die sehr unregelmässig anfallen, macht die Situation alles andere als einfacher.