Zum Inhalt springen

Kampf gegen Doping Oberster Dopingjäger der Schweiz tritt zurück

Matthias Kamber verlässt kommendes Jahr die nationale Antidoping-Agentur. Einen Nachfolger für den 63-Jährigen gibt es noch nicht.

Legende: Video Matthias Kamber tritt ab abspielen. Laufzeit 02:09 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.04.2017.

Das Ereignis: Matthias Kamber tritt kommendes Jahr zurück. Damit verliert die nationale Antidoping-Agentur «Antidoping Schweiz» seinen ersten und einzigen Direktor.

Die Gründe für Kambers Rücktritt: Der 63-jährige Schweizer hat sich 30 Jahre lang dem Kampf gegen die Einnahme von unerlaubten und leistungsfördernden Substanzen im Spitzensport verschrieben – für Matthias Kamber lange genug. Zudem will der Direktor von «Antidoping-Schweiz» die Finanzstrategie von Bund und Swiss Olympic nicht länger mittragen, denn es gibt ein neues Mitglied: Seit Anfang 2017 ist der Eidgenössische Schwingerverband Mitglied von «Antidoping Schweiz». Für «Antidoping Schweiz» bedeutet dies zusätzliche Dopingkontrollen bei gleichbleibenden Finanzmitteln. Für Kamber ein untragbarer Zustand – zumal er in der Vergangenheit selbst sein Arbeitspensum reduzierte, um das Budget von «Antidoping Schweiz» zu entlasten.

Kambers Laufbahn: Matthias Kamber ist promovierter Chemiker. Danach leitete er mitunter im Bundesamt für Sport (Baspo) den mittlerweile aufgelösten Fachbereich Doping. Am 1. Juli 2008 nahm die nationale Antidoping-Agentur ihre Arbeit auf – mit Matthias Kamber als Direktor. In dieser Tätigkeit verfasste Kamber gemeinsam mit seinen Mitarbeitern gegen 60 wissenschaftliche Papiere und rief als eine von vier Nationen eine Medikamentendatenbank ins Leben.

Wladimir Putin.
Legende: Matthias Kamber glaubt nicht, dass Präsident Wladimir Putin vom Staatsdoping nichts gewusst hat. Keystone

Anerkannter Kämpfer gegen Doping: Zuletzt kritisierte Kamber das mutmassliche Staatsdoping Russlands scharf und griff dabei auch den amtierenden Präsidenten Wladimir Putin direkt an.

«Wenn ich sehe, wie Wladimir Putin den ganzen Aufbau der Olympischen Spiele in Sotschi persönlich begleitet und überwacht hat – wäre es für mich schleierhaft – wenn er vom Ganzen nichts gewusst haben sollte. Es sei denn, er hätte im Bereich des Dopings eine Parallelstruktur aufgebaut. Aber das kann ich mir fast nicht vorstellen. Nein. ich bin überzeugt, dass damals vor allem Sportminister Witali Mutko alles wusste, wohl eben auch Putin», sagte Kamber in einem Interview mit SRF.

Danach übte der «Antidoping-Schweiz»-Direktor auch Kritik am Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Der Grund: Der Sportverband liess russische Athleten trotz erdrückender Doping-Beweise an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zu.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Daniel Fueter (volgaschlepper)
    Ich verstehe, dass es immer mehr Geld, resp. ein grösseres Budget braucht um eine Einrichtung, Institution, etc. zu verbessern. Solange man aber führend ist auf diesem Gebiet sollte man das Budget nicht erhöhen. Es gibt Bereiche in denen es viel wichtiger ist stetig die führende, oder zumindest zu den führenden Nationen zu gehören. Forschung, Bildung, Umweltschutz, etc... um nur einige zu nennen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Die Schweizer Steuerzahlenden, unterhalten ein enorm teueres "Anti-Doping-Direktorium"... Die Frage ist, weshalb brauchen wir eine solch aufwändige "Agentur" - weshalb können Pharmalobby/Chemie, überhaupt noch Dopingmittel produzieren???
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dani Queren (Queren)
    Ich bin überzeugt, dieser Rücktritt hat auch viel mit Putin zu tun. Es ist nicht Aufgabe eines Wissenschaftlers ein schmutziges Geschäft zu entlarven. Aber die Politik ist zu feige diesen Part zu übernehmen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen