Oberster SBB-Chef sieht Bahnunterhalt in Gefahr

SBB-Präsident Ulrich Gygi warnt davor, dass der Unterhalt der Bahn unter dem künftigen Streckenausbau leiden könnte. Mehr Störungen und Verspätungen wären die Folge. Auch zum Thema Ticketverkauf gibt es Neues: Es werden Verkaufsstellen geschlossen.

Eine SBB-Bahn und eine Baustelle

Bildlegende: Durch den Ausbau der Bahninfrastruktur gibt es viele Baustellen. Das könnte die Pünktlichkeit der Bahn beeinträchtigen. Keystone

Die SBB soll künftig mehr Geld für den Unterhalt ihres Bahnnetzes ausgeben, sagt Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi gegenüber der «Sonntagszeitung» und der «NZZ am Sonntag». Sonst würden noch mehr Störungen drohen.

«Wir haben schon heute jährlich eine dreistellige Zahl von Störungen im Streckennetz», sagte Verwaltungsratspräsident Gygi im Interview mit der «SonntagsZeitung». «Diese dürfen wir nicht anwachsen lassen, sonst haben wir ein Problem bei Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit.» Auch in der «NZZ am Sonntag» und der «Schweiz am Sonntag» drohte Gygi mit solchen Konsequenzen.

Der Verwaltungsratspräsident befürchtet, dass wegen des geplanten Ausbaus der Strecken Geld für den Unterhalt fehlen könnte. Derzeit koste der Unterhalt pro Jahr rund 1,6 Milliarden Franken. In Zukunft könnten es gut 2 Milliarden sein.

SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi in Nahaufnahme

Bildlegende: SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi fürchtet um die Pünktlichkeit der Bahn. Keystone

Während die Programme des Ausbauschritts 2025 nicht tangiert seien, prophezeit Gygi für den Ausbauschritt 2030 ein «hartes politisches Ringen». Die Projekte an sich seien nicht grundsätzlich gefährdet, doch da und dort werde es eine zeitliche Erstreckung brauchen.

Passagieren droht Ungemach durch Baustellen

Für Politiker sei das schwierig, sie hätten bereits klare Vorstellungen des Streckenausbaus und wenig Interesse am Unterhalt. «Wenn aber wegen fehlenden Unterhalts die Zahl der Störungen und Baustellen zunimmt und der Fahrplan nicht mehr eingehalten werden kann, spricht das doch dafür, hier mehr Geld einzusetzen.» Eine konkrete Summe für seine Forderung nannte er aber nicht.

Der SBB-Präsident will zudem mehr Baustellen am Tag betreiben, da die nächtlichen Unterhaltsarbeiten ineffizient seien. Baustellen am Tag können allerdings dazu führen, dass Passagiere Umwege in Kauf nehmen und auf den Bus umsteigen müssen. Dafür gebe es weniger überraschende, ungeplante Störungen und Ausfälle.

Verkaufsstellen werden abgebaut

Weil immer mehr Fahrgäste ihre Zugbillette online oder über das Mobiltelefon kaufen, braucht es künftig weniger Verkaufsstellen. Die SBB wird deshalb laut in den nächsten Jahren Bahnschalter schliessen, erklärt Gygi. Wie viele betroffen sind, ist offen.

«Aber es ist klar, dass wir längerfristig nicht einfach neue Verkaufskanäle wie Online und das Mobiltelefon hinzufügen können, ohne die Verkaufsstellen zu reduzieren», sagte Gygi im Interview mit der «SonntagsZeitung».

Vor zehn Jahren habe noch rund die Hälfte der Reisenden das Billett im bedienten Verkauf bezogen; heute gehe nur noch ein Viertel an den Schalter. «Wir rechnen damit, dass sich unsere Fahrgäste bis in zehn Jahren neun von zehn Fahrausweisen in der Selbstbedienung kaufen.» Die SBB müsse die Kosten der Verkaufskanäle in den Griff bekommen.

Post dient nicht als Vorbild

Die Alternativen zum Schalter müssen laut Gygi allerdings gut funktionieren – «sonst haben wir Feuer im Dach». In Frage kommt neben dem Onlineverkauf beispielsweise ein Callcenter, «in dem dann auch tatsächlich jemand abnimmt».
Kombinationen mit Ladenangeboten nach Vorbild der Post hält Gygi nicht für sinnvoll, da das Billettsortiment der SBB zu kompliziert sei.

Auch ein Versuch mit Zahlungsverkehr am Bahnschalter ist gefloppt: Ein Pilotversuch mit der Möglichkeit, am SBB-Schalter Rechnungen zu zahlen, wurde 2013 nach rund eineinhalb Jahren abgebrochen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • SBB lässt sich Sicherheit etwas kosten

    Aus 10vor10 vom 26.3.2015

    Fast 1,2 Millionen Passagiere hat die SBB im letzten Jahr befördert. 3,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor, meldet die Bahn heute. Obwohl mehr Menschen in Bahnhöfen und Zügen unterwegs sind, hat sich die Sicherheitslage verbessert: Für «10vor10» hat die SBB erstmals die Rechnung gemacht.