OECD gibt beim automatischen Informationsaustausch Gas

Die Bankiervereinigung und auch Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sagen: Wenn der automatische Informationsaustausch zum Weltstandard wird und auch Grossbritannien und die USA mit dabei sind, wird auch die Schweiz mitmachen. Die Hoffnung ist wohl, dass das noch lange dauern wird.

Ist schon bald Schluss mit dem Bankgeheimnis, weil auch die Schweiz nicht mehr um den automatischen Austausch von Kundendaten herum kommt? Der Schritt zum automatischen Informationsaustausch könnte schneller gehen, als Widmer-Schlumpf und den Bankiers lieb ist: Letzte Woche haben die G20 eben diesen automatischen Austausch zu ihrem Ziel erklärt, das bald erreicht sein soll.

Wesentlich verantwortlich für das forsche Tempo ist Pascal Saint-Amans. Er ist bei der OECD in Paris verantwortlich für internationale Steuerfragen. Letzte Woche haben die G20 der OECD ihm den Auftrag erteilt, einen internationalen Standard für den automatischen Informationsaustausch zu definieren. Die OECD werde nun rasch vorwärts machen und den Finanzministern der G20 bereits im Juli und den Regierungschefs im September einen Vorschlag unterbreiten, sagt Saint-Amans.

Arbeit an Fatca als Vorbereitung

Ein ehrgeiziger Fahrplan – doch die OECD beginne nicht bei null: «Das Vorhaben kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern ist das Resultat aus mehreren Jahren Arbeit an Fatca.» Die Amerikaner hätten mit ihrem Fatca-Gesetz («Foreign Account Tax Compliance Act») die Diskussion ins Rollen gebracht. Nun kümmere sich auch bei der OECD eine Arbeitsgruppe um den automatischen Informationsaustausch.

Ziel sei, auf der Grundlage von Fatca einen neuen weltweiten Standard zu entwickeln. Die OECD habe bereits genaue Vorstellungen, welche Informationen automatisch ausgetauscht werden sollen: «Was wir erwarten ist, dass Informationen über Personen hinter einem Konto – auch solche, die die sich hinter einem Trust verstecken könnten – automatisch an das Land, in dem diese Person wohnhaft ist, weitergeleitet werden.»

Dazu gehörten auch Informationen über Zinsen, über Dividenden, Finanz-Transaktionen und mehr. Das sei zwar ziemlich viel, meint Pascal Saint-Amans: «Doch wenn man über all diese Angaben verfügt, hat man ziemlich alle Informationen, die man braucht.»

Schweiz war bisher aktiv dabei

Die Schweiz habe übrigens bis anhin bei dieser Arbeitsgruppe der OECD aktiv mitgearbeitet. Er sei gespannt, so Pascal Saint-Amans, ob die Schweiz auch bei der konkreten Definition des neuen, weltweit gültigen Standards mit dabei sei: «Jetzt sehen wir, wo die Position der Schweiz sein wird in Bezug auf die generelle Automatisierung des Informationsaustausches.»

Selbstverständlich werde sich die Schweiz beteiligen, heisst es beim Finanzdepartement, und Aussenminister Didier Burkhalter gibt zu verstehen, dass er sogar nach wie vor auf einen alternativen Standard hofft: «Wir sind der Meinung, dass wir mit der Strategie, die wir jetzt fahren, auch einen Einfluss haben können auf internationale Standards, die nicht unbedingt automatischer Informationsaustausch heissen müssen am Schluss.»

Ist das nicht ein frommer Wunsch? «Das werden wir sehen», sagt Didier Burkhalter in der Sendung «Info3» von Radio SRF. «Aber jetzt kämpfen wir noch.» Die Schweiz kämpft, doch gut möglich, dass sich die Weltgemeinschaft – rascher als manche vielleicht denken – auf einen neuen Standard einigt.

(eglc)