Öffentlicher Verkehr in der Schweiz wird teurer

Die Preise im öffentlichen Verkehr steigen ab Ende Jahr weiter an. Wegen der höheren Trassenpreise, die der Bund für die Schienenbenützung verrechnet, dürften Billette und Abonnements durchschnittlich um drei Prozent aufschlagen.

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Öffentlicher Verkehr wird erneut teurer

1:27 min, aus Tagesschau am Mittag vom 2.3.2016

Mehr Passagiere, mehr Züge, mehr Unterhalt: Diesen Trend spüren auch die Kunden in ihrem Portemonnaie. Sie müssen ab kommendem Jahr tiefer in die Tasche greifen für ihre Billette und Abonnements. Wegen Preisvorgaben, die der Bund auf Ende 2016 weiter erhöht, kosten sie durchschnittlich drei Prozent mehr.

Keine Überraschung

Der Anstieg der ÖV-Tarife war erwartet worden. Der Verband öffentlicher Verkehr (VÖV) ging bereits im vergangenen November davon aus, dass die Preise in diesem Rahmen steigen werden.

Nun hat die Branche vergangene Woche beschlossen, dass die Tarifmassnahmen wie angekündigt umgesetzt werden. In der Mitteilung vom Mittwoch heisst es: «Damit leisten auch die Kundinnen und Kunden einen grossen Beitrag, um die hohe Qualität des öffentlichen Verkehrs und die Zuverlässigkeit der Netze nachhaltig zu sichern.»

Die Tarifanpassung entspreche der einvernehmlichen Regelung mit Preisüberwacher Stefan Meierhans vom August 2014.

Preiserhöhungen vom Volk gutgeheissen

In der Fabi-Abstimmung (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur) vom Februar 2014 stimmte das Volk dem Grundsatz zu, dass sich die ÖV-Kunden an den Zusatzkosten beteiligen müssen.

Vergangenes Jahr hatte der Bundesrat beschlossen, die Trassenpreise ab 2017 um 100 Millionen Franken pro Jahr zu erhöhen. Grund dafür ist laut VÖV «der stete qualitative und quantitative Ausbau des Angebots sowie dessen Unterhalt im öffentlichen Verkehr der Schweiz».

Schon auf Anfang 2013 hatte der Bundesrat die Trassengebühren markant erhöht, nämlich um 200 Millionen Franken pro Jahr. Damals stiegen die Preise für Billette und Abonnemente des öffentlichen Verkehrs durchschnittlich um 5,2 Prozent an.

Preisüberwacher muss noch zustimmen

Die Genehmigung des Preisüberwachers der neuen Tarife steht allerdings noch aus. Sie dürfte jedoch reine Formsache sein. Die definitiven Preise, die ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 gelten sollen, werden nach dem Abschluss der Verhandlungen veröffentlicht.

Reaktionen: Von Verständnis bis Empörung

Dass die Kunden des öffentlichen Verkehrs im kommenden Jahr wieder tiefer in die Tasche greifen müssen, kommt für den Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) nicht überraschend, er äussert sogar etwas Verständnis, fügt aber zugleich an: «Damit muss die Preisspirale ein Ende haben.» Würden die Preise auch in den nächsten Jahren erhöht, drohe die ÖV-Branche ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Strassenverkehr zu verlieren. Beim Individualverkehr seien die Kosten in den vergangenen Jahren laufend gesunken, die ÖV-Preise seien seit 2006 dagegen um rund dreissig Prozent gestiegen. Auch aus Sicht des liberalen Konsumentenforums (kf) ist die erneute Preiserhöhung von drei Prozent «eine harte Massnahme». Künftig sollten sich Tarifsteigerungen «im Rahmen der Inflationsrate» bewegen. Die Bahnkundenorganisation Pro Bahn fordert dies bereits seit längerem. Sie zeigte sich am Mittwoch empört über die Tariferhöhung. Der Bogen werde damit überspannt, die «muntere Bahnverteuerungspolitik» geht der Organisation eindeutig zu weit.