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Schweiz Öko-Unternehmer zu Recycling-Bericht: «Ihr vergesst da was»

Die Recycling-Branche ist stolz auf ihre hohen Quoten. Doch das Grundproblem sei dadurch noch lange nicht gelöst, sagt Albin Kälin von der Environmental Protection Encouragement Agency Schweiz (EPEA). Er wirbt für ein Umdenken.

Eine Person wirft eine PET-Flasche in den Behälter
Legende: Recyceln ist gut, doch viele Abfälle lassen sich nicht gleichwertig wiederverwenden. Keystone

Die Hälfte unserer Haushaltsabfälle wird recycelt. Das ist zwar mehr als noch vor 20 Jahren, als noch 85 Prozent in der Kehrichtverbrennungsanlage landeten, aber immer noch zu viel, findet Albin Kälin. Er ist Geschäftsführer der «Environmental Protection Encouragement Agency» EPEA Schweiz. SRF News hat ihm fünf Fragen gestellt.

Die Schweiz recycelt hohe Anteile Glas, Alu, Metall. Reicht das nicht für ein gutes Gewissen?

Albin Kälin: «Das ist zwar schon mal gut, aber ganz so einfach ist es nicht. Aluminium eignet sich relativ gut für's Recycling. Auf der Dose hat es aber Farben oder Folien. Was da drin ist, hält der Hersteller streng geheim.

Man hat in Nahrungsmitteln Bestandteile von Verpackungen gefunden, die gesundheitsschädlich sind.
Autor: Albin KälinGeschäftsführer EPEA Schweiz

Wir haben die Verpackung eines Joghurts analysiert und 150 Inhaltsstoffe gefunden. Es ist absolut unmöglich, diese in gleicher Qualität wiederzuverwenden. So ist es mit vielen Materialien und Verpackungen: Sie haben nach dem Recycling nicht mehr dieselbe Qualität wie der ursprüngliche Rohstoff. Das ist nicht nachhaltig.»

Unsere Kehrichtverbrennungsanlagen verbrennen drei Tonnen Abfall und produzieren Wärme und Energie.
Das ist doch gut?

«Im Ausland haben sie mich immer dafür ausgelacht, dass Schweizer so argumentieren. Jedes Jahr verbrennen wir 650'000 Tonnen Kunststoff. Das Resultat ist eine hochgiftige Schlacke. Wir müssen endlich umdenken und unsere Produkte so produzieren, dass wir sämtliche Materialien wiederverwenden können ohne dass deren Qualität verloren geht. Wir dürfen nicht vergessen: Unsere Rohstoffe sind begrenzt.»

Was ist ihre Lösung?

Bei der EPEA beraten wir Unternehmen wie sie Produkte machen, die dann zu 100 Prozent aus wiederverwertbaren Rohstoffen bestehen.»

Lassen sich alle Produkte so produzieren?

«Es gibt viele gute Beispiele. In der Schweiz konnte bereits Parkettboden, Bürostühle, ein Reinigungsmittel aber auch Kunststoffe nach diesem Prinzip entwickelt werden.

Bei der Entwicklung und der Produktion sollte man ansetzen, nicht nur bei dem, was davon zurückbleibt.
Autor: Albin KälinGeschäftsführer EPEA Schweiz

Es ist denkbar, dass auch elektronische Geräte nach dem Gebrauch in ihre Einzelteile zerlegt und diese recycelt werden. Dazu braucht es aber den Willen der Produzenten und der Politik.»

Legende: Video «Denkt ähnlich: EPEA Gründer und Chemie-Pionier Michael Braungart» abspielen. Laufzeit 17:00 Minuten.
Aus Aeschbacher vom 21.05.2009.

Wie verhalten sich ihrer Meinung nach die Gesetzgeber?

«Leider scheint die Schweiz ihrer einstigen Vorreiterrolle nicht mehr gerecht zu werden. Der Bundesrat möchte in der neuesten technischen Verordnung über Abfälle (TVA) einige Vorschriften für Abfälle und deren Verwendung lockern.

Die EU geht in eine bessere Richtung: Erste Gremien möchten die Produzenten verpflichten, die Inhaltsstoffe ihrer Produkte und Verpackungen offenzulegen»

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