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Österreich will Maut erhöhen Droht der Schweiz eine LKW-Lawine?

Am Brennerpass soll die Zahl der LKW um eine Million pro Jahr reduziert werden. Die Leidtragende wäre wohl die Schweiz.

Legende: Video Ziel ist den LKW-Verkehr auf die Schienen zu verlagern abspielen. Laufzeit 3:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.04.2018.

Für Lastwagen ist es wesentlich günstiger, am Brennerpass die Alpen zu überqueren, als an einem der Schweizer Übergänge. Grund sind die tieferen Kosten für Maut und Diesel. Viele Lastwagen-Unternehmen nehmen deshalb einen Umweg über den Brenner in Kauf, um Kosten zu sparen.

Grafik.
Legende: Die Route durch die Schweiz ist heute wesentlich teurer als jene durch Österreich. SRF

Kein Wunder wollen die Tiroler die Maut erhöhen. Wenn das gelingt, dann werden künftig einige hunderttausend Lastwagen mehr durch die Schweiz rollen – auf Schiene oder Strasse.

Im Tirol wird zurzeit der längste Eisenbahntunnel der Welt gebohrt. Der Brenner-Basis-Tunnel. 64 Kilometer lang. Doch bis zur Eröffnung dauert es noch rund neun Jahre. Bis es soweit ist, quälen sich jedes Jahr weit über zwei Millionen Lastwagen über den Brennerpass. Tendenz steigend. Die Folge: Das Inntal erstickt im Verkehr.

Die Strecke München bis Verona ist zu billig.
Autor: Günther PlatterTiroler Landeshauptmann

Für den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter ist klar: «Die Strecke München bis Verona ist zu billig.» Österreich will deshalb die Fahrt über den Brenner teurer und damit unattraktiver machen. Italien hat im Januar bereits zugestimmt.

Die Reaktionen aus der Schweiz

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Beim Bundesamt für Verkehr fürchtet man sich nicht vor einer Lastwagen-Flut. Mediensprecher Gregor Saladin sagt: «Es ist gut, wenn die LKW ihre Kosten tragen – ob in der Schweiz, in Österreich oder in Deutschland. Das begrüssen wir.» Er denke nicht, dass eine Preissteigerung am Brenner zu einem grossen Umweg-Verkehr führen würde. «Es gibt viele andere Faktoren, wir haben haben ein Nacht- und ein Sonntagsfahrverbot, liegen nicht innerhalb der Zollunion der EU, es gibt Zollgrenzen.»

Gelassen äussert sich auch der Präsident der Alpeninitiative, Jon Pult: «Ich bin im Moment noch nicht allzu nervös.» Das gemeinsame Ziel von Österreich und der Schweiz müsse es nämlich sein, den Verkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. «Und jede Massnahme, die das vorantreibt, ist richtig.»

Um auch die Zustimmung Deutschlands zu erzwingen, führt Tirol an verkehrsreichen Tagen sogenannte Blockabfertigungen durch. Dadurch stauen sich die Lastwagen jeweils kilometerlang auf deutschem Boden. Falls Deutschland dem Druck nachgibt, dürften künftig Hunderttausende von LKW zusätzlich durch die Schweiz fahren.

Jetzt fährt sehr viel durch Österreich, was eigentlich durch die Schweiz fahren sollte.
Autor: Markus MailerVerkehrsexperte

Verkehrsexperte Markus Mailer glaubt, dass ein Teil davon auf die Schiene ausweichen wird. Auf die Frage, ob er Verständnis habe, dass einige Schweizer sagen, das dies ein feindlicher Akt von Österreich sei, antwortet Mailer: «Das ist eine Frage, die eigentlich politisch zu beantworten ist. Jetzt fährt sehr viel durch Österreich, was eigentlich logischerweise durch die Schweiz fahren sollte. Wenn man nur die wirtschaftlichen Gesichtspunkte betrachtet. Und damit gleicht sich etwas aus, was eigentlich früher entschieden wurde.»

Obergrenze soll kommen

Damit nicht genug: Tirol will die Zahl der LKW am Brenner auch per Obergrenze limitieren. Landeshauptmann Platter sagt: «Das ist ein langfristiges Ziel. Wir wollen mit EU-Experten in diese Richtung gehen, dass wir langfristig eine LKW-Obergrenze von einer Million zustande bringen.»

Über eine Million Lastwagen muss dann anderswo über die Alpen. Ein guter Teil davon würde wohl einen Weg durch die Schweiz suchen.

Verbot von Gefahrguttransporten gefordert

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Die Alpeninitiative verlangt, dass auf allen Alpen-Transitstrassen keine gefährlichen Güter mehr transportiert werden dürfen. Die Mitgliederversammlung hat eine entsprechende Resolution an die Adresse von Verkehrsministerin Doris Leuthard verabschiedet. Am Gotthard, am San Bernardino und auch am Grossen Sankt Bernhard sind Gefahrgut-Strassentransporte bereits heute untersagt. Nicht aber am Simplon: Diesen würden täglich 30 bis 40 Lastwagen mit Gefahrgut überqueren, so die Alpeninitiative.

39 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Es wird unumgänglich sein, die Preise in die Höhe zu Schrauben. Befahren ein zusätzliche Menge schwerer LKW's unsere Autobahnen und Landstrassen, leidet die Infrastruktur übermäßig. Um die Strassen regelmässig zu sanieren, wird wohl der Benzinpreis in die Höhe schnellen. Es ist wirklich nur gerecht, wenn sich auch ausländische Benutzer an den Infrastruktur- und Unterhaltskosten beteiligen. Da helfen ein paar Liter in der CH gekauftes Benzin nicht weit.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Im heutigen Transport (seien es Güter oder im Reiseverkehr) spielt der Preis nur eine zweitrangige Rolle! Heute geht es nur noch um die Zeit und die Bequemlichkeit! Weil die Strasse mit den LKW's und den Fernbussen diese beiden Kriterien erfüllen, ist auch bei höheren Strassengebühren nicht mit einer grösseren Bereitschaft, die Schiene zu benützen, leider auch in Oesterreich oder auf den 2 Schweizer Schnellstrassen (Gotthard und San Bernhardino) zu rechnen!
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  • Kommentar von Roland Amsler (rAm)
    LKW Transporte sind notwendig und nicht mehr wegzudenken...so weit so gut. Nur ob der Transport von Allgäuer Milch nach Griechenland zur Joghurtverarbeitung und danach nach Dänemark zum Verkauf des Fertigproduktes wirklich notwendig ist, wage ich zu bezweifeln...
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